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Politik

Israel räumt Protesthochburgen im Gazastreifen

Die größten Widerstandszentren im Gazastreifen sind geräumt - allerdings erst nach heftigen Auseinandersetzungen. Jetzt hoffen die israelischen Sicherheitskräfte, dass die Umsiedlung ohne große Hindernisse weitergeht.

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Siedler wehrten sich mit Säure, Sand und Stockhieben

Mit der Evakuierung von Newe Dekalim und Kfar Darom sei die Räumung des Siedlungsblocks Gush Katif so gut wie abgeschlossen, da in den übrigen Gemeinden kein heftiger Widerstand zu erwarten sei, sagte der israelische Polizeichef Mosche Karadi der Zeitung "Jerusalem Post". Inzwischen haben israelische Soldaten auch in der Siedlung Gadid, die als kleinere Widerstands-Bastion gilt, mit der Räumung begonnen. Insgesamt seien jetzt 16 der 21 jüdischen Siedlungen geräumt.

Israel räumt Gaza-Siedlungen - Palästinenser feiern

Mitglieder der Palästinensischen Befreiungsfront (PFLP) feiern die Räumung der Siedlungen

Säure gegen Soldaten

In Kfar Darom gelang es Polizisten, die Besetzung einer Synagoge zu beenden - dort war es zum bislang heftigsten Widerstand gegen die Räumung der jüdischen Siedlungen im Gazastreifen gekommen. Nach stundenlangen Auseinandersetzungen stürmten die Sicherheitskräfte das von Abzugs-Gegnern besetzte Synagogendach.

Die hinter Stacheldraht verbarrikadierten Demonstranten gossen Öl, Säure und Farben auf Polizisten und Soldaten; sie schlugen mit Stöcken und versuchten, den Männern Sand in die Augen zu werfen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Wie die Zeitung "Haaretz" schrieb, wurden bei der Operation am Donnerstag 58 Menschen verletzt, rund 225 Demonstranten seien festgenommen worden.

Gegenwehr bei Räumung von Siedler-Hochburg Kfar Darom

Israelische Sicherheitskräfte auf dem Weg nach Kfar Darom

"Scharon soll nicht länger bleiben"

Zuvor hatten Polizisten und Soldaten zwei Synagogen in der jüdischen Siedlung Newe Dekalim gestürmt, wo sich etwa 1500 Gegner des Abzugs verschanzt hatten. Nachdem Verhandlungen über eine Aufgabe des Widerstandes nach mehr als 30 Stunden abgebrochen worden waren, stürmten israelische Soldaten am Donnerstagnachmittag in das Gotteshaus. Wenig später trugen sie die ersten Siedler ins Freie.

Auch in anderen Siedlungen stießen die Räumungstruppen auf teilweise verzweifelte Gegenwehr. In Kfar Jam drohte ein jüdischer Extremist, der sich mit anderen Demonstranten auf einem Dach verschanzt hatte, das Feuer auf die Sicherheitskräfte zu eröffnen, gab dann aber auf. "Das war unmenschlich. Wir werden alles tun, um sicherzustellen, dass er nicht länger Ministerpräsident bleibt", sagte der Siedler an die Adresse von Ariel Scharon.

Drohungen gegen Abzugsgegner

Der Ministerpräsident drohte den militanten Angreifern von Kfar Darom mit strafrechtlichen Konsequenzen. Es werde auch ermittelt, wer die Abzugsgegner in die Siedlung geschickt und zu der Tat angestiftet habe, sagte er in einem am Freitag (19.8.2005) veröffentlichten Interview mit der Zeitung "Haaretz".

Der zuständige Armeebefehlshaber Dan Harel sagte nach den Kämpfen von Kfar Darom: "Was wir gesehen haben, hat alle Grenzen überschritten." Er drohte: "Jeder, der auf dem Dach war, wird festgenommen und ins Gefängnis gesteckt."

Gaza-Siedlungen werden geräumt

Protest mit der Kraft der Verzweiflung

Schneller beendet als erwartet

Die Sicherheitskräfte gingen davon aus, dass die Räumung der Siedlungen in der kommenden Woche abgeschlossen werden kann. "Es könnte sein, dass am Dienstag oder Mittwoch alle Siedler aus dem Gazastreifen evakuiert sein werden", sagte Dan Harel am Freitag dem israelischen Militärrundfunk.

Die geplante Zerstörung der ersten Siedlerhäuser soll nach Rundfunkangaben am Sonntag (21.8.2005) in der geräumten Siedlung Kerem Azmona beginnen. Nach früheren Angaben könnte der Abzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen noch etwa vier Wochen dauern.

Ariel Scharon will die Gebiete der jüdischen Siedlungen erst nach einer vollständigen Räumung an die Palästinenser übergeben. "Bis zum kompletten Abzug des letzten Soldaten und des letzten Ausrüstungsstücks werden die Palästinenser die evakuierten Gebiete in keiner Weise betreten", sagte Scharon. (reh)

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