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Nahost

Israel nimmt Minister und Abgeordnete der Hamas fest

Im eskalierenden Nahostkonflikt hat Israel seine Militäroffensive zur Befreiung eines verschleppten Soldaten ausgeweitet. Israelische Militärs nahmen eine Reihe von Politikern der Hamas-Regierung fest.

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Israelische Truppen bereiten Einmarsch im nördlichen Gazastreifen vor

Israel hat bei der Festnahmeaktion im Westjordanland in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (28./29.6.) ein Drittel der Minister der radikal-islamischen Hamas-Regierung festgenommen. Nach palästinensischen Angaben zwang die Armee insgesamt acht Minister zum Mitkommen. Zudem seien 22 Abgeordnete festgenommen worden. Eine israelische Armeesprecherin teilte mit, insgesamt halte das Militär 64 Palästinenser fest. Entgegen ersten Berichten ist der stellevertretende Ministerpräsident Nasser al-Schair nach palästinensischen Angaben jedoch nicht unter ihnen.

Ziel der am Mittwoch begonnenen Militäraktion ist die Befreiung des 19-jährigen israelischen Soldaten Gilad Schalit, der am Sonntag (25.6.) von radikalen Palästinensern verschleppt worden war. Israelische Militärs gehen nach Medienberichten davon aus, dass der Soldat im südlichen Gazastreifen festgehalten wird.

Raketenbeschuss

Israelische Kampfflugzeuge nahmen in der Nacht eine Lagerhalle in Chan Junis im südlichen Gazastreifen unter Beschuss, in der nach israelischen Angaben Waffen und Kassam-Kleinraketen gelagert wurden. Nach palästinensischen Angaben feuerte die israelische Armee mindestens eine Rakete auf das Gelände der Islamischen Universität Gaza. Getroffen wurde ein Sportplatz, verletzt wurde niemand. Nach Augenzeugenberichten wurden auch anderswo im südlichen Gazastreifen palästinensische Ziele beschossen.

Die israelische Armee war am Mittwoch etwa zwei Kilometer tief in den südlichen Gazastreifen eingedrungen und hatte unter anderem die Stromversorgung für 700.000 Bewohner lahm gelegt. Israels Regierungschef Ehud Olmert drohte mit extremen Schritten, um den am Sonntag verschleppten Schalit freizubekommen. Verhandlungen mit den Entführern über eine Freilassung schloss er aus. Auch im Norden des Gazastreifens bereitete die israelische Armee offensichtlich einen Einmarsch vor. Am späten Mittwochabend wurden in zwei Ortschaften im nördlichen Gazastreifen Handzettel abgeworfen, auf denen die Bewohner aufgefordert wurden, sich in Sicherheit zu bringen.

Hamas unterstützt Entführer

Die von der radikal-islamischen Hamas geführte Palästinenserregierung stellte sich am Mittwoch erstmals hinter die Forderungen der Entführer des Soldaten nach Freilassung von in Israel gefangenen Palästinensern. Finanzminister Omar Abdel Rassak nannte die Forderung der Kidnapper am Abend "folgerichtig". Der stellvertretende Regierungschef al-Schair verurteilte die Militäroffensive nach einer Kabinettssitzung in Ramallah als "Staatsterrorismus" und verglich sie mit "Völkermord". Gleichzeitig rief er aber zur Lösung der Krise durch diplomatische Mittel auf. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nannte den Militäreinsatz eine "Kollektivbestrafung".

Die Europäische Union forderte Israel zur "Besonnenheit" im Gazastreifen auf. UN-Generalsekretär Kofi Annan appellierte an die Palästinenser, den Soldaten freizulassen und damit zur Entspannung beizutragen.

Leiche eines entführten israelischen Siedlers gefunden

Unterdessen wurde bei Ramallah die Leiche des von militanten Palästinensern entführten 18-jährigen Siedlers Elijahu Ascheri gefunden. Die radikale Palästinensergruppe Volksbefreiungskomitee hatte am Mittwoch gedroht, Ascheri zu töten, sollte die israelische Armeeoffensive im Gazastreifen nicht beendet werden. (mas/je)

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