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Aktuell Nahost

Israel hält sich vom Tempelberg fern

Ein Machtwort oder - angesichts der jüngsten Gewalt - doch eher eine Notbremsung? Israels Ministerpräsident Netanjahu hat bekräftigt, dass sein Land kein Interesse an einer Kontrolle des Tempelberges habe.

Nach Unruhen und mehreren Anschlägen in Jerusalem hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betont, dass sein Land nicht die Kontrolle über den Tempelberg übernehmen will. Das Areal, das Juden wie Muslimen heilig ist, wird von Jordanien und der islamischen Wakf-Behörde verwaltet. In einer Sicherheitsbesprechung habe Netanjahu in der Nacht zum Donnerstag klargestellt, dass es "keine Veränderung des Status quo auf dem Tempelberg geben" werde, hieß es in einer Mitteilung. Äußerungen anderer Politiker dazu seien persönliche Meinungen und entsprächen nicht der Regierungslinie.

Der Tempelberg mit der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom wird von Muslimen als "Haram el-Scharif" (Edles Heiligtum) verehrt. Auch Juden ist die Stätte heilig, weil sie auf dem im Jahre 70 zerstörten zweiten jüdischen Tempel errichtet wurde. Rechte Politiker und jüdische Nationalisten hatten in jüngster Zeit gefordert, den Tempelberg unter jüdische Verwaltung zu stellen. Sie repräsentieren in Israel eine radikale Minderheit. Immer wieder kam es vor Ort zu Ausschreitungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Jordanien hatte am Mittwoch aus Protest gegen das israelische Vorgehen auf dem Tempelberg seinen Botschafter aus Israel abberufen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier begrüßte Netanjahus Äußerungen. Zugleich verlangte er von Israelis und Palästinensern ein Zeichen gegen die neue Gewalt in Jerusalem. Beide Seiten müssten Provokationen aus den eigenen Reihen entgegentreten, bevor sich die "Spirale von Zorn und Vergeltung" selbstständig mache, sagte Steinmeier in Berlin.

Anschläge entlang der Straßenbahnlinie

Unterdessen stellte sich ein Palästinenser den israelischen Behörden - nach einem mutmaßlichen Anschlag auf drei israelische Soldaten. Dies teilte die israelische Armee mit. Am Mittwoch hatte ein Kleinbus im Westjordanland im Gebiet der Siedlung Gusch Etzion drei Soldaten mit einem Auto überfahren und verletzt, einen von ihnen schwer. Der Täter soll aus einem Flüchtlingslager in Ost-Jerusalem stammen. Nur Stunden zuvor waren bei einem ähnlichen Vorfall in Jerusalem ein Polizist getötet und mehrere Passanten teils schwer verletzt worden. Der palästinensische Fahrer wurde später von Sicherheitskräften erschossen.

Blick auf den Anschlagsort in Jerusalem (Foto: imago/UPI Photo)

Sicherheitsbeamte inspizieren in Jerusalem den Van, den ein Palästinenser für seine Gewalttat benutzte

Weil sich die Tatorte beider Attacken entlang der Jerusalemer Straßenbahnlinie befinden, verstärkten dort die Behörden die Schutzvorkehrungen. Vor den 24 Haltestellen wurden Betonpoller aufgestellt. Zudem wurden in einigen palästinensischen Vierteln im Osten der Stadt Straßensperren errichtet und an wichtigen Kreuzungen Polizisten postiert.

Vor den Anschlägen hatte es zudem schwere Zusammenstöße zwischen israelischen Sicherheitskräften und Demonstranten vor der Al-Aksa-Moschee und in der Jerusalemer Altstadt gegeben. Anlass der Krawalle war ein Besuch rechtsradikaler jüdischer Splittergruppen auf dem Tempelberg. Am Abend kam es dann im Flüchtlingslager Schuafat (Artikelbild) und in den Stadtteilen Issauija und Silwan zu Zusammenstößen mit Polizisten. 16 Palästinenser wurden vorübergehend festgenommen.

sti/kle (dpa, afp)