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Politik

Israel gräbt das Wasser ab

Ohne eine gerechte Verteilung des Wassers wird es keinen Frieden im Nahen Osten geben. Bei den Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern wird dieses Thema allerdings regelmäßig ausgeklammert. Nicht ohne Grund.

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Leere Leitungen: Wasser kommt per Traktor ins Westjordanland

Das Thema Wasserpolitik im Nahen Osten ist heikel. Gegenwärtig kontrolliert Israel über 80 Prozent des knappen Wasservorkommens. Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), die einige Wasserprojekte in den Palästinensergebieten betreut, will dazu lieber nichts sagen. Jede Aussage zu dem Thema sei unweigerlich ein Politikum und würde gegebenenfalls die Arbeit in der Region gefährden, sagte ein GTZ-Mitarbeiter auf Anfrage von DW-WORLD.

Fest in israelischer Hand

Zum einen gibt es in Israel die Hauptwasserader, den Fluss Jordan. Er speist den See Genezareth, aus dem Israel 40 Prozent seines Trinkwassers bezieht. Eine zweite wichtige Wasserreserve liegt unterhalb der besetzten Gebiete. Eine unterirdische, wasserhaltige Gesteinsschicht, genannt Aquifer, in der sich durch die Regenfälle im Winter Grundwasser sammelt. Aus diesen Vorkommen schöpft Israel jährlich 450 Kubikmeter Wasser, während die Palästinenser auf 150 Kubikmeter kommen.

Nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 wurde den Dörfern und Städten im Westjordanland die Kontrolle über diese wichtige Wasserreserve entzogen. Seitdem müssen sie mit der israelischen Militärverwaltung verhandeln. Und die hat klare Vorstellungen über die Verteilung des kostbaren Nass'.

Viele Brunnen sind ausgetrocknet

Systematisch hat Israel Anträge zur Erneuerung veralterter Pumpanlagen oder zum Bau neuer Brunnen abgelehnt. "Das hat dazu geführt, dass viele Brunnen in den Dörfern vertrocknet sind," sagt Volker Perthes, Leiter der Nahost-Abteilung bei der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik.

Allein im Westjordanland haben rund 200.000 Palästinenser keinen Wasseranschluss mehr. Sie müssen lange, teilweise nicht ungefährliche Wege zu Brunnen zurücklegen, oder sie sind auf das von der israelischen Wassergesellschaft Mekorot teuer verkaufte Gut angewiesen, müssen also für ihr eigenes Wasser bezahlen, weil sie es nicht selbst fördern dürfen. Gleiches passiert im Gazastreifen.

Darüber hinaus gibt es klare Regelungen, wie tief ein Brunnen in der Region sein darf. "Jüdische Siedler in den besetzten Gebieten dürfen wesentlich tiefer bohren als Palästinenser. Sie graben den Palästinensern im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser ab, weil die Siedler eben so leben wollen, wie die Leute in Tel Aviv", erklärt Perthes.

Aus dem Vollen schöpfen

Und nicht nur dort schöpfen die Israelis aus dem Vollen, so als seien die sprudelnden Quellen unendlich. Dabei warnen Umweltschützer in Israel seit Jahren, die Region werde, wenn sich nichts ändere, in absehbarer Zeit auf dem Trockenen sitzen.

Dennoch werden Parks und Golfplätze besprenkelt und sogar Mittelstreifen auf Schnellstraßen sorgfältig mit Blumen und Palmen dekoriert. Das ganze Land ist von dünnen Wasserschläuchen durchzogen. Ohne die künstliche Bewässerung würde in den meisten Gebieten kein Halm wachsen.

Israelis in der Küstenregion und im Westjordanland verbrauchen rund 350 Liter Trinkwasser am Tag, ein durchschnittlicher palästinensischer Haushalt dagegen nur etwa 60 Liter. Die staatliche amerikanische Entwicklungsorganisation USAid nennt einen täglichen Mindestbedarf von 100 Litern pro Kopf.

Die israelische Wasserpolitik wird nicht nur von palästinensischer Seite immer wieder scharf kritisiert. Bereits 1983 verurteilte die Vollversammlung der Vereinten Nationen das Vorgehen Israels. Sie berief sich auf ein zuvor auch von Israel ratifiziertes internationales Abkommen, wonach alle Völker für ihren eigenen Gebrauch frei über ihre natürlichen Ressourcen verfügen könnten und in keinem Fall ihrem Existenzmittel beraubt werden dürfen.

Kein Frieden ohne Wasser

Tatsache ist, dass sich die urbane und ökonomische Unterentwicklung der Palästinensergebiete von der Wasserpolitik Israels nicht trennen lässt. Für beide Seiten ist die Landwirtschaft der Bereich, der mit Abstand am meisten Wasser verbraucht. Mit dem Unterschied, dass die palästinensische Wirtschaft, im Gegensatz zur israelischen, von der landwirtschaftlichen Produktion abhängig ist. Sie macht über 30 Prozent des Bruttosozialprodukts aus. Doch die Landwirtschaft in den Palästinensergebieten ist durch den Wassermangel extrem geschwächt, während Israel den Anbau wasserintensiver Obstsorten wie Bananen und Melonen vorantreibt.

Falls es zu einem Friedensabkommen im Nahen Osten kommen sollte, glaubt Perthes, werde Israel nicht umhinkommen, seine Wasserpolitik zu ändern. Denn die Frage nach dem zukünftigen Grenzverlauf eines palästinensischen Staates ist unmittelbar an die Frage gekoppelt, wer wie viel Anspruch auf die knappen Wasserressourcen in der Region hat.

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