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Aktuell Nahost

Israel gesteht Mord an PLO-Vize

Nach fast 25-jährigem Schweigen hat Israel die Tötung des Arafat-Stellvertreters Abu Dschihad bei einem Angriff in Tunesien eingeräumt. Beteiligt an der Militäraktion waren auch zwei heutige Regierungsmitglieder.

Israel hat nach einem Bericht der angesehenen Zeitung "Jediot Ahronot" erstmals den Mord an Abu Dschihad, dem damaligen Vizepräsidenten der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Ende der achtziger Jahre eingestanden. Israel habe die Nummer zwei der PLO 1988 in Tunis getötet, "das kann nun berichtet werden", heißt es in Auszügen aus einem Artikel, der an diesem Freitag in kompletter Fassung in der Zeitung erscheinen sollte. Die Aktion sei vom Geheimdienst Mossad überwacht und von einem Elitekommando der Armee ausgeführt worden, hieß es.

Bisher nicht veröffentlichtes Interview

Der Zeitung zufolge war die Veröffentlichung der Erkenntnisse sowie von Einzelheiten des Einsatzes nun möglich, nachdem man sechs Monate lang mit der Militärzensur verhandelt hatte. Grundlage ist ein Interview mit Nahum Lev, unter dessen Kommando die Aktion damals stand, und das dieser vor seinem Unfall-Tod im Jahr 2000 der Zeitung gegeben hatte. Es war bislang unveröffentlicht.

Abu Dschihad, der mit richtigem Namen Chalil al-Wasir hieß, sei in "schreckliche Verbrechen" an israelischen Zivilisten verwickelt gewesen, sagte Lew demnach. Er selbst habe "ohne zu zögern" auf ihn geschossen.

Der Darstellung Levs zufolge trafen in der Nacht zum 16. April 1988 insgesamt 26 Mitglieder der Eliteeinheit in der tunesischen Hauptstadt ein und teilten sich in zwei Gruppen. Nachdem zuerst ein Bodyguard Dschihads erschossen wurde, brach das zweite Kommando in seine Villa ein. Mehrere Bewaffnete hätten dann auf Dschihad geschossen. Auch ein zweiter Leibwächter und der im Haus schlafende Gärtner wurden demnach getötet.

Barak und Jaalon an Aktion beteiligt

Der Mossad war bereits zuvor für den Mord an Dschihad verantwortlich gemacht worden. Zu den jüngsten Veröffentlichungen der Zeitung äußerte er sich zunächst nicht. An der Aktion waren zwei israelische Persönlichkeiten beteiligt, die heute Regierungsmitglieder sind: Verteidigungsminister Ehud Barak, der damals stellvertretender Streitkräftechef war, und der stellvertretende Ministerpräsident Mosche Jaalon, damals Leiter der Einheit Sajeret Matkal. Beide wollten sich nicht zu dem Bericht äußern.

Abu Dschihad war damals Vizepräsident und Militärchef der PLO. Er spielte eine führende Rolle im ersten bewaffneten Aufstand der Palästinenser gegen Israel. Die Intifada dauerte trotz Dschihads Tod an und endete erst mit den Osloer Verträgen von 1993 und der Bildung der Palästinensischen Autonomiebehörde.

re/haz (afp, dapd)