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Politik

Israel geht gegen radikale Palästinenser vor

Nach dem Selbstmordanschlag in Hadera hat Israel ein verstärktes Vorgehen gegen radikale Palästinenser beschlossen. Die Strategie der gezielten Tötungen soll wieder aufgenommen werden.

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Anschlag in Hadera


Der Marktplatz in Hadera war gut besucht, als sich am Mittwochnachmittag dort ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengte. Der Islamische Dschihad bekannte sich zu der Tat. Die El-Kuds-Brigaden - der bewaffnete Arm des Islamischen Dschihad - hatten Rache geschworen, nachdem ihr 32-jähriger Anführer Luai Saadi wenige Tage vorher bei einem israelischen Militäreinsatz im Westjordanland erschossen wurde. Bei dem Anschlag in der nordisraelischen Stadt wurden nach Polizeiangaben fünf Menschen getötet und 26 weitere verletzt. Es war der erste palästinensische Selbstmordanschlag seit dem israelischen Abzug aus dem Gaza-Streifen im Sommer.

Scharon nicht gesprächsbereit

Die USA sprachen von einem "abscheulichen Angriff auf Zivilisten". Die Palästinenserführung müsse "mehr tun, um der Gewalt ein Ende zu setzen und zu verhindern, dass Terroranschläge verübt werden", sagte Präsidentensprecher Scott McClellan in Washington. "Zu meinem Bedauern unternimmt die palästinensische Autonomiebehörde im Kampf gegen Terrorismus keine ernsthaften oder auch nur vorgeblich ernsthaften Schritte", sagte Scharon am Donnerstag in Jerusalem. Es werde auch keine Gespräche mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas geben, bis dieser gegen den Terror vorgehe.

Israel plant verstärkt Militäraktionen

Auch der israelische Verteidigungsminister Mofas ist der Meinung, es müsse "alles getan werden", um Israelis zu schützen. Im israelischen Militärrundfunk erklärte er am Mittwoch, dass sich die gezielten Tötungen von radikalen Palästinensern, die Israel Anfang Oktober ausgesetzt hatte, vor allem gegen Aktivisten des Islamischen Dschihad richten sollten. Die radikale Palästinenserorganisation hatte sich zu dem Anschlag bekannt.

Den Angaben zufolge soll die Armee durch die Schließung von Übergängen Richtung Israel das Westjordanland und den Gazastreifen abriegeln. Vorgesehen sind vermehrt Flüge über dem Gazastreifen. Artillerieeinheiten wurden laut Militärrundfunk angewiesen, sich auf Einsätze gegen Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen vorzubereiten. Die Polizei wurde in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Zudem soll die Zahl der Razzien gegen Anführer des Islamischen Dschihad erhöht werden. Israelische Soldaten nahmen in Dschenin im Westjordanland Abdel Karim Issedin und weitere Vertreter des Islamischen Dschihad fest, nachdem Einheiten zeitweise in die Stadt eingerückt waren.

Gewalt schürt Gegengewalt

Unterdessen wurde in Israel Kritik an der Überwachung des Personen- und Fahrzeugverkehrs durch die israelische Sperranlage im Westjordanland laut, nachdem der Attentäter bis ins israelische Kernland vorgedrungen war. Die Kontrollen an Übergängen seien oberflächlich und unangemessen, beklagten Sicherheitsexperten. Israelische Medien berichteten, auf Druck der jüdischen Siedler werde ein weitgehend unkontrollierter Fahrzeugverkehr aus dem Westjordanland nach Israel erlaubt.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und die Autonomiebehörde verurteilten den jüngsten Anschlag. Er sagte, die Anschläge schadeten den palästinensischen Interessen und verstärkten die Gewalt in der Region. "Es ist verboten, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen", kritisierte er die militanten Organisationen. Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat sagte, die militanten Gruppen sollten sich an die im Februar in Kairo ausgehandelte Waffenruhe halten. "Diese Art von Einsatz ist nicht im Interesse der Palästinenser", erklärte er in Ramallah. "Gewalt führt nur zu mehr Gewalt." (arn)

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