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Nahost

Israel fliegt Luftangriffe

Eigentlich hatten Israel und die Palästinenser eine Waffenruhe vereinbart. Doch jetzt fühlt sich Ministerpräsident Olmert provoziert. Die internen Kämpfe zwischen rivalisierender Hamas und Fatah dauern an.

Brennende Häuser in Gaza nach einem israelischen Luftangriff, Foto: AP

Keiner hält sich an die Waffenruhe

Nach der Eskalation der Gewalt im Gazastreifen hat Israel erstmals seit Vereinbarung der Waffenruhe vor einem halben Jahr wieder Luftangriffe gegen Mitglieder der radikal-islamischen Hamas aufgenommen. Die Luftwaffe bombardierte am Donnerstag (17.5.07) das Hauptquartier der Hamas-Polizeimiliz in Gaza. Dabei wurden mindestens 15 Menschen verletzt. Am Mittwoch wurden bei einem israelischen Luftangriff in Rafah sechs Hamas-Mitglieder getötet. Bei Kämpfen zwischen den rivalisierenden Palästinenserorganisationen Hamas und Fatah kamen seit Mittwoch mindestens 23 Menschen ums Leben.

Palästinenser mit Opfern der neusten Unruhen, Foto: AP

Bilanz: 50 Tote seit dem Wochenende

"Was in Gaza geschieht, gefährdet nicht nur die Einheitsregierung, sondern das soziale Gefüge der Palästinenser, die palästinensische Sache und die palästinensische Strategie als Ganzes", sagte der palästinensische Unterhändler Sajeb Erakat: In Rafah waren zwei Hamas-Mitglieder während eines Trauerzugs erschossen worden. Hamas beschuldigte Fatah zudem, einen entführten Hamas-Milizionär in einem Polizeihauptquartier in Gaza hingerichtet zu haben.

Der blutigste Tag

Mittwoch war der blutigste Tag seit dem Wiederaufflammen der Machtkämpfe vor vier Tagen: Bewaffnete Hamas-Anhänger stürmten in der Nacht das Haus eines Sicherheitschefs der Fatah in Gaza und töteten sechs seiner Leibwächter. Später nahmen Polizisten der Fatah fünf Hamas-Mitglieder fest. Als sie mit ihnen durch Gaza fuhren, wurde das Fahrzeug von der Hamas angegriffen. Fünf Männer der Hamas und zwei von der Fatah kamen ums Leben.

Maskierter Fatah-Anhänger, Foto: AP

Erneute Machtkämpfe zwischen Hamas und Fatah

Auch Israel wurde in die Kämpfe hineingezogen: Als Reaktion auf andauernden Raketenbeschuss des israelischen Grenzgebiets drangen am Donnerstag mehrere israelische Panzer in den nördlichen Gazastreifen vor. Eines der Geschosse sei in einem leeren Klassenraum einer Schule in Sderot eingeschlagen und habe Sachschaden angerichtet, sagte eine Militärsprecherin in Tel Aviv. Die Hamas sprach von Vergeltung für israelische Gewalt. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass die Hamas nur Israel in den Konflikt hineinziehen will, um die Palästinenser im Kampf gegen den gemeinsamen Feind zu einen.

Vergeltungsmaßnahmen

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert ordnete Militäraktionen gegen militante Palästinenser an. Israel könne sich nicht länger zurückhalten, "wenn seine Bürger getroffen werden", und habe daher eine entsprechende Reaktion beschlossen, erklärte Olmerts Büro. Insgesamt seien etwa zehn Raketen abgefeuert worden. Eine Militärsprecherin bestätigte, eine "kleine Einsatztruppe" befinde sich auf palästinensischem Gebiet, sei allerdings nicht sehr weit von der Grenze entfernt. Es handele sich um einen "Routineeinsatz", es seien keine Angriffe geplant. Aus israelischen Militärkreisen verlautete allerdings, die Panzer sollten gegen militante Palästinenser eingesetzt werden, die Israel mit Raketen beschießen.

Verletzte nach einem israelischen Luftangriff in Gaza-Stadt, Foto: AP

Folgen einer 'kleinen Einsatztruppe' Israels

Vor einem Besuch des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas im Gazastreifen am Donnerstag flauten die Kämpfe ab. Abbas hatte am Mittwoch einen sofortigen Waffenstillstand gefordert. Die Hamas kündigte eine einseitige Waffenruhe an, die noch am Abend in Kraft treten sollte. Mehrere vorherige Vereinbarungen über eine Waffenruhe waren alle gebrochen worden. Bewohner von Gaza nutzten die Ruhe nach viertägigen Kämpfen, um ihre Häuser zu verlassen und sich mit Vorräten einzudecken.

Internationale Verurteilung

Abbas wollte nach Angaben seines Beraters Jassir Abed Rabbo in Gaza mit Ministerpräsident Ismail Hanija von der Hamas über eine Beruhigung der Lage beraten. Eine Möglichkeit sei die Ausrufung des Notstands, sagte Rabbo.

Angesicht der neuen Gewaltausbrüche zeigten sich die USA besorgt und die deutsche EU-Ratspräsidentschaft rief alle beteiligten Seiten zum "sofortigen Gewaltverzicht, zur Wiederherstellung der Waffenruhe und zur Rückkehr zum Dialog" auf. Zugleich verurteilte die Präsidentschaft aufs Schärfste die Raketenangriffe auf israelisches Hoheitsgebiet aus dem Gazastreifen. (ina)

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