1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Nahost

Israel: Ex-Häftlinge aus Hebron haben Schüler entführt

Für Israels Geheimdienst ist klar: Zwei Hamas-Mitglieder mit Knast-Erfahrung haben die drei israelischen Teenager gekidnappt. Für Premier Netanjahu Anlass genug, den Druck auf Palästinenser-Präsident Abbas zu erhöhen.

Ein israelischer Wachturm nahe der Siedlung Gush Etzion (Foto: picture-alliance/dpa)

Ein Wachturm nahe der Siedlung Gush Etzion, wo die drei Schüler zuletzt gesehen worden waren

Israels Geheimdienst hat nach eigenen Angaben die Entführer von drei Jugendlichen im Westjordanland identifiziert. Zwei Wochen nach der Entführung teilte der Inlandsgeheimdienst Schin Bet mit, es handele sich um zwei ehemalige Häftlinge aus Hebron. Der Geheimdienst veröffentlichte auch Bilder der Tatverdächtigen, legte aber keine weiteren Beweise vor. Israels Sicherheitsdienste jagten weiter nach dem 29-jährigen Marwan Kawasme und dem 33-jährigen Omar Abu Ajschah, hieß es.

"Zentrale Terroristen"

Beide seien Mitglieder der radikalislamischen Palästinenser-Organisation Hamas. Kawasme sei schon als 18-Jähriger verurteilt worden und habe bis 2004 zehn Monate in israelischer Haft verbracht. Seitdem sei er vier weitere Male festgenommen worden und habe im Verhör zugegeben, Hamas-Mitglied zu sein. Zuletzt habe er bis März 2010 im Gefängnis gesessen. Abu Ajscha sei 2005 zum ersten Mal festgenommen worden und habe zunächst ein halbes Jahr in Haft verbracht. Sein Bruder sei 2005 bei einem versuchten Anschlag auf israelische Truppen getötet worden. Es handele sich um die beiden "zentralen Terroristen, die an der Entführung beteiligt waren", hieß es in der Mitteilung.

Israels Premier Banjamin Netanjahu und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas (Foto: picture-alliance/dpa)

Israels Premier Netanjahu (r.) verlangt von Palästinenser-Präsident Abbas den Bruch mit der Hamas

Die drei israelischen Teenager waren am 13. Juni im südlichen Westjordanland auf dem Heimweg spurlos verschwunden. Zuletzt wurden sie beim Trampen in der Nähe des jüdischen Siedlungsblocks Gush Etzion zwischen den Palästinenserstädten Bethlehem und Hebron im von Israel besetzten Westjordanland gesehen. Israel wirft der Hamas vor, für die Tat verantwortlich zu sein, obwohl keine Palästinenserorganisation sich bislang dazu bekannt hat.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, nach der Veröffentlichung der Namen der beiden Tatverdächtigen erwarte er von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, das Bündnis mit der Hamas aufzukündigen. Abbas' gemäßigte Fatah hatte zu Monatsbeginn eine Einheitsregierung mit der Hamas gebildet. Hamas-Chef Chaled Meschaal erklärte erneut, die politische Führung seiner Organisation habe keinerlei Information zu den drei Jugendlichen. "Jeder Widerstandsakt" gegen die israelische Besatzung sei jedoch gerechtfertigt. Israel müsse "für seine Tyrannei bezahlen".

Hamas-Chef Chaled Meschaal (Foto: Gianluigi Guercia/AFP/Getty Images)

Hamas-Chef Meschaal streitet jede Verwicklung in die Entführung der drei Israelis ab

Streit auch vor den UN

Auch vor den Vereinten Nationen lieferten sich Araber und Israelis einen heftigen Streit zu den Hintergründen der Entführung. Die Palästinenser, unterstützt von mehreren arabischen Staaten und dem Iran, forderten vom Sicherheitsrat eine Verurteilung Israels wegen der Razzien im Westjordanland. Bei den Razzien waren mindestens fünf Palästinenser getötet worden. "Israel hat völlig überzogen reagiert und lässt das ganze palästinensische Volk unter einer Kollektivstrafe leiden", sagte Saudi-Arabiens Botschafter Abdallah Al-Mouallimi. Die Durchsuchungen und Festnahmen seien klare Verstöße gegen die Genfer Konvention und das Völkerrecht.

Dagegen erklärte Israels Botschafter Ron Prosor, es sei eine Frechheit, dass sich die Verantwortlichen für die Entführung dreier Kinder nun beschwerten. "Sie sind wie Waldorf und Statler aus der Muppet-Show: Sie sitzen auf dem Balkon und meckern nur, ohne etwas Hilfreiches beizutragen."

sti/wl (afp, dpa)

Die Redaktion empfiehlt