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Welt

Israel diskutiert über Angriff auf den Iran

Die Spannungen zwischen Israel und Iran nehmen zu. Sein Land fühle sich von Teherans Atomanlagen direkt bedroht, sagt Premier Netanjahu. Laut Medienberichten plädieren Regierungsmitglieder sogar für einen Militärschlag.

Bildcollage: Israelische und iranische Flagge, Atomwaffe (Foto: DW)

Im Großraum Tel Aviv heulten am Donnerstagvormittag (03.11.2011) die Luftschutzsirenen. Die Sicherheits- und Rettungskräfte des Landes üben das Verhalten bei einem Raketenagriff auf das industrielle Zentrum Israels. Dass der Probealarm ausgerechnet jetzt stattfinde, sei reiner Zufall, sagen Sicherheitsexperten. Das habe nichts damit zu tun, dass man in Israel seit Tagen über einen möglichen Angriff auf den Iran diskutiert.

Auch der Testabschuss einer ballistischen Rakete am Mittwoch stehe nicht mit dieser Debatte im Zusammenhang, betont Schlomo Brom vom Institut für nationale Sicherheitsstudien. "Dieser Test sagt nichts Neues über die israelischen militärischen Fähigkeiten aus. Das Ziel ist nicht, diese Fähigkeiten vorzuführen. Das Ziel ist es, zu zeigen, dass wir bereit und vorbereitet sind, diese Fähigkeiten zu nutzen."

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (Foto: dpa)

Netanjahu befürwortet angeblich einen Angriff auf den Iran

Israel fühlt sich von Teheran bedroht

Doch die Debatte in Israel reißt nicht ab. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak seien sich einig, dass die israelische Armee schon bald einen Militärschlag gegen die Atomanlagen des Iran führen müsse, schrieb die größte israelische Tageszeitung "Jediot Acharonot" vor wenigen Tagen. Und das linksliberale Blatt "Haaretz" wusste zu berichten, dass auch Außenminister Avigdor Liebermann einen Angriff befürworte.

Netanjahu selbst bekräftigte vor wenigen Tagen in der Knesset, dass Israel sich von Teheran bedroht fühle. Der Iran setze seine Anstrengungen fort, sich mit Atomwaffen zu bewaffnen. "Ein nuklearer Iran stellt eine Bedrohung für den Nahen Osten und die ganze Welt dar, und natürlich stellt er auch eine direkte Bedrohung für uns dar."

Die Spitzen der israelischen Sicherheitsbehörden und sämtliche ehemaligen Geheimdienstchefs dagegen warnen vor den Konsequenzen eines Militärschlags. Der Iran verfüge über konventionell bestückte Langstreckenraketen, mit denen er Israel angreifen könne. Außerdem müsse man befürchten, dass auch die Hisbollah im Libanon, die Hamas im Gazastreifen und vielleicht auch Syrien in eine militärische Auseinandersetzung eingreifen könnten. Dann sei ein "Raketenregen" auf israelische Städte zu erwarten.

Iranische Atomanlage in Buschehr (Foto: Fars)

Iranische Atomanlage in Buschehr

Risiken eines Atomschlags Der Sicherheitsexperte und ehemalige General Giora Eiland dagegen hält das Risiko für beherrschbar. Im israelischen Rundfunk sagte er: "Ich glaube, dass ein israelischer Angriff auf den Iran eine Möglichkeit ist, die nicht verrückt und nicht verantwortungslos ist." Sie berge viele Gefahren, aber sie sei eine Möglichkeit und man müsse sie keinesfalls von der Tagesordnung nehmen.

Israel befinde sich in einem echten Dilemma, so Eiland. Das Land könne sich entweder mit einem nuklearen Iran abfinden mit allen Gefahren, die das mit sich bringe. Oder es könne versuchen, das iranische Atomprogramm zu stoppen. Die Option eines israelischen Militärschlags sei erst vom Tisch, wenn US-Präsident Barack Obama sein Veto einlege. Aber damit sei wohl nicht zu rechnen.

Autorin: Bettina Marx
Redaktion: Iveta Ondruskova

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