1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Isoliert in Paris: Flüchtlinge aus China

Sie versprechen sich Wohlstand im Westen und lassen sich für viel Geld in eine fremde Welt einschleusen. Dann kommen Probleme, die sie auf eigene Faust nicht lösen können: chinesische Flüchtlinge in Paris.

default

Gelobte westliche Welt?

Sie bezeichnen sich als "schwarze Menschen", obwohl sie gar nicht so aussehen. Doch ihr Aufenthalt ist schwarz, ihre Arbeit ist schwarz, die Bezahlung ist auch schwarz. "Schwarz" steht für "illegal" - und das ist in ihrem Alltagsleben der Normalzustand. Der Bericht der Internationalen Organisation für Arbeit (ILO) beziffert die Zahl der chinesischen Flüchtlinge im Großraum von Paris auf 50.000.

Insider sagen, die Zahl könnte höher liegen. Cai Chongguo ist Ausländerbeauftragter der Pariser Stadtverwaltung und kümmert sich als gebürtiger Chinese um seine Landsleute: "Die Zahl der Flüchtlinge müsste zwischen 200.000 bis 300.000 liegen. Sie leben in unterschiedlichen sozialen Verhältnissen. Die Chinesen aus Wenzhou haben es relativ einfach. Sie haben oft entfernte Verwandte, die sich bereits seit der letzten oder vorletzten Generation hier niedergelassen haben. Sie arbeiten in Restaurants oder Textilfabriken, werden ordentlich bezahlt. Andere kommen aus dem Nordosten Chinas. Sie waren Beschäftigte der Kombinate, die alle bankrot gegangen sind. Sie wurden arbeitslos. Viele Frauen hatten die Illusion, hier reich zu werden."

Es bleibt nur eine Illusion

Das Leben gestaltet sich härter, als die Flüchtlinge es sich vorgestellt hatten. Die Frauen bekommen in Restaurants und Fabriken einen Hungerlohn. Vielen Frauen bleibt nichts anderes übrig als die Prostitution.

Cai Chongguo kennt noch andere Gründe, warum so viele Chinesen ins Ausland gegangen sind: "Viele sind ins Ausland geflohen, weil sie die Schulden zu Hause nicht zahlen können. Sie haben im Geschäft zu viel riskiert und alles verloren. Nun werden sie von ihren Geldgebern gejagt. Andere haben Ehekrise, auch sie wagen den Schritt ins Ausland."

Zu der Armut kommt die Einsamkeit

Die Chinesen sprechen die Landessprache nicht und leben in purer Isolation. Der Traum vom Wohlstand ist wie eine geplatzte Seifenblase. Sie schuften für wenig Geld, 14 Stunden am Tag oder mehr, sieben Tage die Woche. Sie haben keinen Urlaub, keine Krankenversicherung.

Chongguo erzählt weiter: "Sie sind die Ärmsten unter den Armen in Frankreich. Keine Gewerkschaft schützt ihre Interessen und sie können auch nicht in den Arbeitskampf ziehen, weil sie erpressbar sind. Wenn sich die Regierung einmischt, droht ihnen die Abschiebung. Jede Zeit kann sie die Polizei erwischen, Abschiebehaft und so weiter. Auch nicht jeder findet eine Arbeit, so dass die Arbeitgeber sie gnadenlos ausbeuten können und dies auf einer freiwilligen Basis. Ihnen droht sozusagen die doppelte Gefahr."

Und schlimmer noch: die chinesischen Flüchtlinge müssen zuerst ein paar Jahre für die Schleuserbanden arbeiten. Eine Reise nach Europa ist nicht gerade billig. Ein heimlicher Trip gen Westen kostet in der Regel um die 10.000 Euro. Das Geld ist geliehen und muss zuerst zurückgezahlt werden, nebst Zinsen. Dann kann erst davon die Rede sein, für den eigenen Reichtum zu schuften, wenn sie das Glück haben, nicht von der Polizei entdeckt zu werden.

Die Redaktion empfiehlt