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Projekt Zukunft

Island - Energieparadies der Zukunft

Island bezieht bereits 80 Prozent seines Stroms aus Erneuerbaren Energien. Doch das ehrgeizige Ziel sind 100 Prozent, wie der Energieforscher Thorsteinn I. Sigfusson in einem Interview mit DW-TV bekräftigt.

Thorsteinn I. Sigfusson. (Foto: DW-TV)

DW-TV: Island ist ein Energieparadies. Die Energie kommt einfach so aus dem Boden. Die ganze Welt beschäftigt sich mit Energiesparen. Hier auf Island scheint man das gar nicht nötig zu haben?

Thorsteinn I. Sigfusson: Das würde ich so nicht sagen, aber wir haben schon eine Menge Energie. Sie kommt aus dem Boden, sie kommt aus den Flüssen, und sie steckt natürlich im Wind. Wir haben also wirklich viel davon. Im Moment stammen 80 Prozent unserer Primärenergie aus erneuerbaren Quellen, das ist der höchste Prozentsatz von allen Ländern.

80 Prozent klingt natürlich fantastisch, in Deutschland haben wir ungefähr 16,5 Prozent nur erneuerbare Energie bei der Stromerzeugung. Andererseits muss man sagen, wo die Energie hier im Überfluß zu haben ist, warum nicht 100 Prozent?

Thorsteinn I. Sigfusson und Ingolf Baur. (Foto: DW-TV)

Thorsteinn I. Sigfusson ist zuversichtlich, dass Island seine gesamte Energie bald aus erneuerbaren Energiequellen bezieht.

Wir leisten uns in Island einen sehr aufwändigen Lebenswandel. Wir fahren schwere Autos mit Allradantrieb, wir haben vielleicht sogar drei Autos pro Haushalt. Dann produzieren wir Aluminium mit elektrischem Strom: Das Aluminium-Schmelzen verbraucht eine Menge Kohlenstoffhaltige Elektroden, auch das erzeugt wieder CO2. Also alles in allem: eine ziemlich schlechte CO2-Bilanz.

Bedeutet das auch, dass die Menschen hier gar kein Bewusstsein dafür haben, Energie zu sparen? Gibt es eine Möglichkeit, sich hier umzustellen und von den hohen Belastungen bei den CO2-Emmissionen von achtzehn Tonnen im Jahr heute herunterzukommen?

Das ist natürlich eine der Herausforderungen, die vor uns liegen. Zum Beispiel haben wir daran gearbeitet, wie man Wasserstoff mit erneuerbarer Energie herstellen kann, durch Hydrolyse, also durch das Aufspalten von Wasser, und wie man diesen Wasserstoff dann zum Autofahren benutzen kann. Das testen wir gerade auch auf für den Antrieb von Booten und Schiffen. Den Wasserstoff kann man auch zusammen mit dem CO2 aus der Luft oder aus den Aluminium-Werken nutzen, um Methanol herzustellen, mit Hilfe von Katalysatoren. Dieses Methanol ist Bio-Sprit, den kann man dem normalen Treibstoff zusetzen.

Elektrofahrzeuge, Methanol forschung, Brennstoffzellen, Wasserstoffforschung, das gibt es zwar hier in Island, aber das gibts überall auf der Welt sonst auch. Was ist die besondere Situation und der besondere Vorteil hier in Island?

Also was zum Beispiel unsere Freunde von Daimler hier so schätzen: An vielen Orten der Welt nutzt man Methan oder Kohle, um Wasserstoff herzustellen. Hier dagegen können wir den Wasserstoff direkt aus erneuerbaren Vorräten herstellen. Der ganze Produktionsprozess ist ziemlich sauber, was das CO2 angeht. Ein Minimum an CO2 pro hergestelltem Anteil Wasserstoff. Das hat ihnen gefallen. Sie fanden gut, dass der ganze Prozess besser zu einer umweltfreundlichen Energiewirtschaft passt als alles, was sie zuvor gesehen haben.

Das bedeutet, Island und die Forschung hier könnten einen ganz entscheidenen Beitrag dazu leisten, dass sich grüne Energien weltweit durchsetzen?

Das hoffen wir jedenfalls. Wir hoffen, dass wir Standards setzen können, schließlich sind wir - relativ gesehen - der größte Produzent von Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Das ist eine gute Sache, und wir müssen jetzt noch von 80 auf 100 Prozent kommen.

Thorsteinn I. Sigfusson ist Leiter des Innovationszentrums Island.

Das Gespräch führte Ingolf Baur

Redaktion: Andreas Neuhaus

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