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Fußball

Island bremst Portugal aus

Über weite Strecken läuft das Spiel nur in eine Richtung, doch am Ende jubelt nicht das überlegene Team. Favorit Portugal kommt gegen Außenseiter Island nicht über ein Remis hinaus - zum Leidwesen von Superstar Ronaldo.

Damit hätte wohl niemand gerechnet: Portugal mit Superstar Cristiano Ronaldo ist trotz großer Überlegenheit kein Sieg gegen "Fußball-Zwerg" Island gelungen. In der letzten Partie des ersten Vorrundenspieltages bei der EM in Frankreich trennten sich die Portugiesen von Island überraschend 1:1 (1:0). Es war eine doppelte Premiere: Island stand zum ersten Mal in seiner Fußball-Geschichte bei einer EM auf dem Platz, und erstmals bei der EURO 2016 war St. Etienne der Spielort. Dort sahen 42.000 Zuschauer zunächst die verdiente Führung für Portugal durch Nani (31. Minute) und den überraschenden Ausgleich durch Birkir Bjarnason (50.), der den Isländern ihren ersten Punktgewinn bei einem großen Fußballturnier bescherte.

Dominante Portugiesen

Die Rollen im Duell zwischen Ronaldo und Co. und dem EM-Debütanten waren eigentlich klar verteilt, doch die erste Chance hatten die Isländer: Der ehemalige Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson prüfte Portugals Torwart Rui Patricio gleich zweimal hintereinander. Denn ersten Schuss konnte Patricio nur abklatschen, den zweiten hielt er im Nachfassen fest (3.). Jetzt waren alle wach. Wer erwartet hatte, dass die Isländer nur hinten drin stehen würden, um auf Konter zu lauern, sah sich getäuscht. Stattdessen spielten sie gut mit, griffen die Portugiesen früh an und ließen in der Anfangsviertelstunde nichts zu. Den ersten Warnschuss auf das isländische Tor gab dann der Wolfsburger Vierinha ab, Torwart Hannes Halldorsson konnte klären (18.). Dann wurde es brenzliger: Bei einer Flanke von Ronaldo löste sich Nani geschickt von seinem Gegenspieler und kam direkt vor dem Tor frei zum Kopfball. Halldorsson blieb erneut Sieger und rettete mit einer Fußabwehr (21.). Vier Minuten später tauchte Ronaldo selbst frei vor Halldorsson auf, trat aber ein Luftloch, und der isländische Schlussmann konnte den Ball wegschlagen, bevor Schlimmeres passierte. Wie lange würde die Defensive der Isländer noch halten?

EURO 2016 Portugal vs Island Jubel Tor Nani (Foto: Reuters/K. Pfaffenbach)

Nani erlöst die Portugiesen nach 31 Minuten mit dem 1:0 - eine verdiente Führung

Diese Frage war einige Augenblicke später beantwortet: Nach einer flachen Hereingabe von André Gomes von der rechten Angriffsseite war Nani erneut völlig frei und schob den Ball aus fünf Metern an Halldorsson vorbei ins kurze Eck (31.). 1:0 für die Portugiesen - eine verdiente Führung. Erst gegen Ende der ersten Halbzeit hatten auch die Isländer wieder einige Offensivaktionen. Angetrieben von Birkir Bjarnason vom FC Basel tauchten sie ein paar Mal vor Rui Patricio auf, ohne allerdings zwingende Chancen herauszuspielen.

Bjarnasons eiskalte Dusche

Den zweiten Durchgang eröffnete Ronaldo mit einem Volleyschuss aus 20 Metern. Er traf den Ball aber nicht richtig und verzog ein paar Meter weit nach rechts (47.). Der Superstar von Real Madrid trauerte noch der verpassten Chance nach, da gab es auf der anderen Seite die kalte Dusche: Nach einer langen Flanke von Johann Gudmundsson übersahen Portugals Verteidiger Vierinha und Pepe in ihrem Rücken Bjarnason, der keine Mühe hatte, den Ball aus sechs Metern mit der Innenseite des rechten Fußes volley im Tor unterzubringen (50.).

Portugal zeigte sich kurz geschockt, zog dann aber das Tempo an und drängte auf die erneute Führung. Ein Schuss von Ronaldo wurde abgeblockt (58.), einen Versuch von Gomes klärte Halldorsson zur Ecke (60.).

EURO 2016 Portugal vs Island, Torjubel Bjarnason (Foto: Getty Images/AFP/F.Leong)

Keiner deckt Birkir Bjarnason - der Profi des FC Basel dankt für die Einladung und trifft zum 1:1

20 Minuten vor Schluss brachte Portugals Coach Fernando Santos Bayern-Neuzugang Renato Sanches - und gleich wurde es gefährlich. Allerdings hatte das nichts mit dem 30-Millionen-Mann zu tun. Er war nur Zuschauer, als Ronaldo einen Freistoß in den Strafraum zirkelte und die Kopfballverlängerung Nanis nur Zentimeter am linken Pfosten vorbeistrich (71.). Auch Ricardo Quaresma, der Sturmpartner von Mario Gomez bei Besiktas Istanbul, wurde eingewechselt und fügte sich gleich mit einem gefährlichen Schuss ein, der abgefälscht wurde und knapp daneben ging (78.).

Fast gar nichts zu sehen war von Ronaldo, der stets eng gedeckt wurde und keinen Zentimeter Platz geschenkt bekam. Meist viel er dadurch auf, dass er sich gestenreich beim Schiedsrichter über leichte Trikotzupfer beschwerte oder darüber, dass ihm die Isländer auf den Füßen herumstanden. Als er in der 85. Minute nach einer Nani-Flanke doch einmal frei im Fünf-Meter-Raum zum Kopfball kam, war Halldorsson ein weiteres Mal zur Stelle und hielt den Ball. Im direkten Gegenzug konnte sich auch Portugals Schlussmann Rui Patricio auszeichnen, als er einen Drehschuss des eingewechselten Alfred Finnbogason vom FC Augsburg parierte (86.).

Finnbogason war auch in den letzten Sekunden des Spiels einer der Hauptdarsteller: In der Nachspielzeit gab es einen Freistoß aus 33 Metern Torentfernung für Portugal durch Ronaldo, den Finnbogason mit dem Arm abwehrte. Das hatte den nächsten Freistoß aus 24 Metern zur Folge. Ronaldo lief erneut an, schoss aber nur in die Freistoßmauer, worauf der Schiedsrichter die Partie unter dem lauten Jubel der isländischen Fans abpfiff.

Ein spannendes Spiel mit vielen Torszenen - hier können Sie noch einmal den gesamten Spielverlauf im Detail nachlesen.

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