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Kultur

Islamunterricht als Weg der Integration

Das Bundesland Niedersachsen hat vor kurzem beschlossen, an seinen Schulen deutschsprachigen Islamunterricht einzuführen. Dieser Schritt fand die breite Zustimmung der politischen Parteien - auch auf Bundesebene.

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Gewünscht: Adäquater Religionsunterricht für Muslime

Sowohl Sozialdemokraten als auch Mitglieder der christlich-demokratischen Opposition haben diesen Schritt als mögliches Vorbild für andere Bundesländer bezeichnet.

Mit rund drei Millionen Mitgliedern ist der Islam die drittgrößte Religionsgemeinschaft in Deutschland, und das bereits seit Jahren. Die meisten Muslime, die in der Bundesrepublik leben, stammen aus der Türkei, aber es gibt auch größere Gruppen aus den verschiedensten arabischen Staaten, dem Iran und anderen Teilen der islamischen Welt.

Kein Religionsunterricht für Muslime

Für diese Muslime gelten in Deutschland dieselben Bestimmungen wie für andere Andersgläubige, darunter auch die Schulpflicht. Lange Jahre aber hatte man sich von deutscher Seite keine Gedanken darüber gemacht, dass auch ein adäquater Religionsunterricht dazu gehören könnte. Während christliche Kinder in den evangelischen oder katholischen Religionsunterricht gingen und nur einige wenige auf Wunsch der Eltern davon befreit wurden, gab es für muslimische Schülerinnen und Schüler zunächst kein Religions-Angebot an deutschen Schulen. Und das, obwohl diese muslimischen Schülerinnen und Schüler immerhin rund sechs Prozent der Besucher deutscher Schulen ausmachten.

Da gerade bei Muslimen die Verbindung zwischen Kultur und Religion ein besonders stark ausgeprägter Teil der eigenen Identität ist, waren viele muslimische Eltern daran interessiert, ihren Kindern Islamunterricht zu geben. Sie griffen dabei auf Privatkurse zurück, die überall angeboten wurden. Es dauerte aber nicht lange, bis auch die deutschen Behörden feststellen mussten, dass ein Teil dieser Kurse unter die Kontrolle radikaler Gruppierungen oder auch Regime geraten war, und man begann, nach Abhilfe zu sinnen.

Gegen radikale Indoktrinierung

Es sollte verhindert werden, dass muslimische Kinder in Deutschland radikal indoktriniert werden. Ganz abgesehen davon, dass eine zu einseitige Pflege der eigenen Religion auch die Integration in die deutsche Gesellschaft erschweren würde.

Wie aber sollte das erreicht werden? Nicht nur, dass man in verschiedenen Bundesländern - denen die Hoheit in Kultur- und Bildungspolitik zusteht - unterschiedliche Auffassungen vertrat. Ein weiteres Problem war der Mangel an ausgebildeten Religionslehrern, ein anderes die Frage der Unterrichtssprache, ein drittes schließlich: Wer denn überhaupt die Muslime in Deutschland vertritt. Es gibt verschiedene regionale und überregionale Verbände, keiner wird jedoch von den Muslimen allgemein und von den deutschen Behörden als Dachverband anerkannt.

Religionslehrer aus der Türkei

Auf diese Weise kam es im Laufe der Jahre zu verschiedenen Modellen des Islamunterrichts an deutschen Schulen. In Bayern versuchte man das Problem der Lehrer dadurch zu lösen, dass man offizielle türkische Religionslehrer ins Land holte. Für Befürworter der Integration war das keine gute Lösung, denn diese Lehrer kannten Deutschland selbst nicht und konnten deswegen kaum Brücken bauen zwischen den Religionen und Kulturen.

In Hamburg führte man deswegen das Angebot eines universellen Religionsunterrichts ein, an dem Christen und Muslime teilnehmen können und in dem die Schüler über alle Religionen lernen - für manche Eltern auf beiden Seiten schon fast etwas zu progressiv. Hierbei wurde Deutsch als Unterrichtssprache eingesetzt und man war sich rasch einig, dass Islamunterricht in Deutschland früher oder später in Deutsch an den Schulen angeboten werden müsse. Dies werde einer Ghettoisierung der Muslime in Deutschland vorbeugen, ihnen die Integration erleichtern, bessere Kontrolle gegen radikale Indoktrination bieten.

Einheitliche Lösung gesucht

Zu diesem Zweck sind inzwischen bereits erste Ausbildungsmöglichkeiten für deutschsprachige Religionslehrer geschaffen worden. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis man sich bundesweit zu einem weitgehend einheitlichen System entscheidet.

Im Hintergrund steht auch die Erkenntnis von Bundespräsident Johannes Rau: "Die Menschen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind, haben vielleicht ihre örtliche Bindung aufgegeben, nicht aber ihre geistige. Darum haben sie einen Anspruch darauf, ihre religiösen Überzeugungen zu praktizieren und sie ihren Kindern weiterzugeben."