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Aktuell Deutschland

Islamisten-Szene in Deutschland wächst

Sie träumen vom Kampf für einen islamischen Gottesstaat: Hunderte junge Dschihadisten aus aller Welt zieht es nach Syrien und in den Irak. Doch auch hierzulande wächst die Terrorszene rasant.

Mindestens 1000 Islamisten in Deutschland gehören nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes (BKA) der Terrorszene an. 230 von ihnen könnten "Straftaten von erheblichem Ausmaß begehen", warnte BKA-Präsident Jörg Ziercke in der Tageszeitung "Die Welt". Der Zulauf ist beträchtlich: 2010 hatte die Polizei erst 120 sogenannte Gefährder auf der Liste.

Sorge vor weiteren Anschlagsversuchen

Nach neun vereitelten Terroranschlägen sowie den nicht gezündeten Kofferbomben von Köln (2006), einem Mordattentat auf US-Soldaten auf dem Frankfurter Flughafen (2011) und einer auf dem Bonner Hauptbahnhof deponierten Bombe (2012) hält Ziercke es für naheliegend, "dass weitere Anschlagsversuche kommen werden". Die Sicherheitsbehörden seien jedoch gut aufgestellt und würden mit aller Kraft versuchen, solche Pläne zu durchkreuzen. "Panik ist nicht angebracht", betonte der BKA-Chef.

Präsident des Bundeskriminalamtes Jörg Ziercke

Der scheidende BKA-Präsident Ziercke sorgt sich, warnt aber vor Panik

Das Bundeskriminalamt hat zusätzlich zu den 230 "Gefährdern" weitere 300 Personen identifiziert, die "etwa bei der Vorbereitung eines Anschlags logistisch helfen könnten", sagte Ziercke, der sich Mitte November in den Ruhestand verabschiedet. Im Moment gebe es 420 Ermittlungsverfahren und 650 Beschuldigte mit islamistischem Hintergrund.

Erst am Freitag hatten die Vereinten Nationen berichtet, dass die militärischen Erfolge des "Islamischen Staates" (IS) im Irak und in Syrien der Miliz einen nie dagewesenen Zulauf von Kämpfern aus dem Ausland bescheren. Rund 15.000 Männer und Frauen aus rund 80 Staaten seien inzwischen in die beiden Länder gezogen, um dort für die Terroristen oder andere extremistische Gruppen zu kämpfen.

Zulauf auch bei den Salafisten

Vergangene Woche hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz auf das rasante und "besorgniserregende" Wachstum der radikalislamischen Salafistenszene in Deutschland hingewiesen. Inzwischen zähle diese Gruppe über 6300 Menschen, sagte Behördenpräsident Hans-Georg Maaßen. Bis Jahresende könnten es schon 7000 sein. Vor wenigen Jahren haben man erst rund 2800 Salafisten gezählt.

Aus der Salafistenszene sind laut Verfassungsschutz inzwischen nachweislich mindestens 450 vorwiegend junge Menschen in den sogenannten "Heiligen Krieg" nach Syrien und in den Irak gezogen. Hinzu kommt eine große Dunkelziffer. Laut Medienberichten, die sich auf Sicherheitskreise stützen, könnte die tatsächliche Zahl der ausgereisten Islamisten bei 1800 liegen.

haz/gmf (dpa, rtr, afp, epd)

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