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Politik

Islamisten in Somalia drohen Äthiopien

Somalias Islamisten haben den Einmarsch äthiopischer Truppen als "Kriegserklärung" bezeichnet. Die Milizen, die weite Teile des Landes kontrollieren, würden die Truppen bekämpfen.

Zwei islamische Milizionäre in Mogadischu

Islamische Milizionäre in Mogadischu (Archivfoto: Juli 2006)

Demonstranten stehen hinter einem Transparent, das sich gegen eine ausländische Intervention in Somalia richtet

Demonstration in Mogadischu gegen eine ausländische Intervention

Die internationale Gemeinschaft müsse für den Rückzug der äthiopischen Soldaten aus Somalia sorgen, sagte einer der Anführer der islamistischen Milizen, Scheich Jusuf Indhoadde, am Dienstag (26.9.) vor Journalisten in Mogadischu. Der Einmarsch werde sonst "schlimme Folgen für die ganze Region haben". Unabhängige Quellen bestätigten, dass mehrere hundert äthiopische Soldaten und 50 gepanzerte Fahrzeuge die Stadt Baidoa erreicht hätten. Dort hat die weitgehend machtlose, aber international anerkannte Übergangsregierung ihren Sitz, die sich durch Vormärsche der Islamisten bedroht sieht.

Das Regime der fundamentalistischen Islamischen Gerichte warf der Übergangsregierung vor, die Äthiopier zu Hilfe gerufen zu haben. Der somalische Premierminister Ali Mohamed Gedi bat die Weltgemeinschaft am Dienstag um Hilfe. "Ich ermahne die Welt, meiner Regierung zu helfen", sagte Gedi. "Sonst wird Somalia ein sicherer Hafen für Terroristen."

Drohung an Äthiopien

Die Übergangsregierung um Gedi betrachtet die Eroberung der Hafenstadt als einen Bruch des Abkommens, das die Regierung mit der radikal-muslimischen Bewegung der Islamischen Gerichte geschlossen hatte.

"Wenn sie (die Äthiopier) sich nicht zurückziehen, werden wir gegen sie kämpfen", sagte der Außenbeauftragte der Islamisten, Ibrahim Hassan Addou. Bereits in den vergangenen Wochen hatte es offiziell unbestätigte Berichte über die Präsenz von Soldaten aus Äthiopien in Baidoa zur Unterstützung der Übergangsregierung gegeben.

In Kismayo hielten in der Nacht zum Dienstag die Proteste gegen die Übernahme der Stadt durch die Islamisten an. "Wir wollen keine Invasion, geht zurück, wo ihr herkommt", riefen Demonstranten, die trotz der Sperrstunde auf den Straßen waren. Islamische Milizionäre hatten zuvor in die Menge geschossen und dabei angeblich drei Menschen getötet, unter ihnen auch ein Kind. Am Dienstag lösten die Islamisten der Nachrichtenagentur AP zufolge eine kleine Frauendemonstration auf und nahmen 20 Frauen fest.

Kriegsfürsten verjagt

Die Kämpfer der Islamischen Gerichte waren am Sonntag nach Augenzeugenberichten mit mindestens 100 Kleinlastern mit aufmontierten Geschützen in die Stadt gekommen. Sie nahmen die drittgrößte Stadt des Landes zunächst kampflos ein und trieben den dort herrschenden Milizchef, der zugleich Verteidigungsminister der somalischen Übergangsregierung ist, in die Flucht. Die Übergangsregierung warf den Islamisten ein Eindringen in ihr Gebiet vor und drohte mit Widerstand.

Die Milizen erobern seit Juni Stück für Stück den Süden Somalias, der bislang weitgehend unter der Kontrolle der von den USA unterstützten Übergangsregierung war. Ein Teil der Somalier begrüßt den wachsenden Einfluss. Nach Auffassung vieler Einwohner sorgen die Islamisten für lange unbekannte Sicherheit und Ordnung. Kritiker werfen ihnen allerdings vor, Somalia in einen fundamentalistisch-islamischen Staat verwandeln zu wollen. In den vergangenen Wochen gab es mehrere Übergriffe auf Video- und Musikgeschäfte und auf einen Radiosender, der Musikstücke ausstrahlte. Vor wenigen Tagen ließen die Islamisten erstmals in der Hauptstadt Mogadischu nach islamischem Recht, der Scharia, öffentlich einen Mann hinrichten, dem ein Mord vorgeworfen wurde.

Mit der Eroberung der Stadt rund 500 Kilometer südlich von Mogadischu und in der Nähe zur kenianischen Grenze haben die radikal-muslimischen Milizen nun nicht nur alle wichtigen Hafenstädte Somalias unter Kontrolle. Sie haben damit auch die Übergangsregierung in Baidoa von drei Seiten eingeschlossen. (stu)

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