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Politik

Islamisten-Führer zu Verhandlungen bereit

Im Nervenkrieg um die von pakistanischer Armee und Polizei umstellte Rote Moschee in Islamabad hat der dort verschanzte Imam ein Einlenken signalisiert. Zuvor hatte die Regierung gedroht, das Gebäude zu stürmen.

Pakistanische Soldaten, Quelle: AP

Das pakistanische Militär hält sich für die Erstürmung der Moschee bereit

Der Anführer der seit einer Woche in der Roten Moschee von Islamabad verschanzten Islamisten, Abdul Rashid Ghazi, hat sich am Montag (9.7.07) zu Verhandlungen bereit erklärt. Ghazi stimte zu, mit von ihm benannten Geistlichen zu verhandeln, wie ein Sprecher der Islamisten der Nachrichtenagentur AFP am Telefon sagte.

Eine Regierungsdelegation unter Leitung von Ex-Ministerpräsident Chaudhry Shujaat Hussain versuchte, ihn über Megafon und Handy zu bewegen herauszukommen. Wie der Sender Geo TV berichtete, wies Ghazi das jedoch zurück und forderte im Gegenzug die Unterhändler auf, in die Moschee zu kommen.

Vermittler sollen Moschee nicht betreten

Der pakistanische Regierungschef Shaukat Aziz teilte mit, keiner der Vermittler werde sich in die Moschee begeben. Die Verhandlungen sollten über eine Sprechanlage erfolgen. Aziz fügte hinzu, falls der Imam sich ergebe und die Frauen und Kinder freilasse, werde er unter Haussarrest gestellt. Dann könne er sich wie gewünscht um seine kranke Mutter kümmern.

Pakistans Premierminister Aziz

Pakistans Premierminister Aziz will niemanden in die Moschee selbst schicken

Aziz äußerte sich nach einer Unterredung mit Hussain und führenden Geistlichen, unter ihnen die von Ghazi benannten, über Möglichkeiten für letzte Vermittlungen. Offenbar wird versucht, verschiedene religiöse Organisationen in die Bemühungen einzubinden. Darunter befindet sich neben anderen verbotenen Gruppen auch der Rat der pakistanischen Ulemas, der im Juni Osama bin Laden mit einer Ehrung ausgezeichnet hatte.

Mehr als 1200 Menschen bereits geflohen

Tausende Soldaten belagern nach wie vor die Rote Moschee, nachdem es am Dienstag vergangener Woche zu Straßenschlachten zwischen Sicherheitskräften und radikalen Koranschülern gekommen war. Mehr als 1200 Menschen sind seitdem aus dem Komplex geflohen. Auch am Montag fielen wieder Schüsse an der Moschee, in der noch etwa 300 Koranschüler vermutet werden. Aus Furcht vor einem Blutbad wurde das Gelände bislang nicht gestürmt. Ein Regierungsvertreter verwies auf abgehörte Gespräche, wonach unter den Besetzern Jacken mit Sprengsätzen verteilt wurden.

Bei den Auseinandersetzungen um das Gebäude starben amtlichen Angaben zufolge bisher 24 Menschen. Die verschanzten Islamisten, die für einen Gottesstaat in Pakistan eintreten, gaben die Zahl der Toten dagegen mit rund 350 an.

Ghazi soll Kontrolle über Moschee verloren haben

Rote Moschee, Quelle: AP

Hinter dieser Mauer haben sich die Islamisten verschanzt

Nach Angaben des pakistanischen Religionsministers Ijaz ul Haq hat Imam Ghazi bereits die Kontrolle über die Moschee verloren. Stattdessen hätten militante Extremisten die Macht auf dem Gelände übernommen. In der Moschee befänden sich "Terroristen, die innerhalb und außerhalb Pakistans gesucht werden".

Im Grenzgebiet zu Afghanistan protestierten am Montag 20.000 Menschen gegen die Belagerung der Moschee. Angeführt wurde der Protest von dem Geistlichen Maulana Faqir Mohammed, der von den Behörden gesucht wird und ein enger Vertrauter der Nummer zwei von El Kaida, Ajman al Sawahri, sein soll.

Im Nordwesten Pakistans erschoss eine Gruppe Bewaffneter am Sonntag drei Chinesen. Ein ranghoher Behördenvertreter äußerte die Vermutung, dass die Tat in Zusammenhang mit der Belagerung der Moschee stehen könnte. China hatte am Mittwoch Sympathie für den Kampf der pakistanischen Regierung gegen die in der Moschee verschanzten Islamisten bekundet. (tos)

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