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Aktuell Nahost

"Islamischer Staat": Das Kalifat schrumpft weiter

Die IS-Terrormiliz hat auch 2016 große Teile des von ihr kontrollierten Territoriums verloren. Zudem gerät das Kalifat zunehmend in Geldnot, wie eine Studie zeigt. Ein Ende des Terrors bedeutet das nicht - im Gegenteil.

Luftangriff auf IS-Kämpfer bei Falludscha (Foto: AP)

In den vergangenen Monaten erlebte der IS eine ganze Reihe militärischer Niederlagen - wie hier im irakischen Falludscha

In der ersten Hälfte des Jahres 2016 hat die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zwölf Prozent ihres Territoriums im Irak und in Syrien verloren. Das geht aus einer Analsyse des britischen Think Tanks IHS hervor. Demnach büßten die Dschihadisten im zweiten Jahr in Folge große Teile des 2014 von ihnen ausgerufenen Kalifats ein.

Verlust einer Fläche der Größe Irlands

"2015 schrumpfte das Kalifat des 'Islamischen Staats' um 12.800 Quadratkilometer auf 78.000 Quadratkilometer, ein Nettoverlust von 14 Prozent", heißt es in der IHS-Analyse. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2016 sei dieses Territorium erneut um 12 Prozent geschrumpft. "Am 4. Juli 2016 kontrollierte der 'Islamische Staat' etwa 68.300 Quadratkilometer im Irak und in Syrien." In den letzten 18 Monaten habe der IS eine Fläche der Größe Irlands verloren.

In den vergangenen Monaten fügte die internationale Kaolition gegen den IS unter Führung der USA den Dschihadisten gemeinsam mit der irakischen Armee eine ganze Reihe von Niederlagen zu. Im März wurde der IS aus der antiken Ruinenstadt Palmyra in Syrien vertrieben, im Juni eroberte die irakische Armee die Stadt Falludscha zurück. Im Mai teilte das Pentagon mit, der IS habe bereits 45 Prozent seines Territoriums im Irak und zwischen 16 und 20 Prozent der von ihm kontrollierten Gebiete in Syrien verloren.

Finanzielle Probleme

Auch finanziell gerät der IS zunehmend unter Druck. Seine monatlichen Einnahmen fielen nach Schätzungen von IHS von 80 Millionen US-Dollar Mitte 2015 auf rund 56 Millionen US-Dollar im März 2016. "Diese Zahl ist seit März wahrscheinlich um weitere 35 Prozent oder mehr gesunken", sagt IHS-Analyst Ludovico Carlino. "Kombiniert mit den militärischen Rückschlägen vor Ort hat dies einen Einfluss auf den internen Zusammenhalt der Gruppe, wie die wachsende Zahl von Überläufern und Deserteuren seit Januar zeigt", fügt er hinzu.

Offensichtlich aufgrund der finanziellen Probleme hat der IS nach Angaben von Menschenrechtlern eine neue Währung in einem Teil seines Herrschaftgebietes eingeführt. Der "Goldene Dinar" werde in der ostsyrischen Provinz Dair as-Saur gehandelt, teilte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Der IS verspricht sich mit dem Verkauf der neuen Währung einen schnellen Profit. Laut Beobachtungsstelle wiegt eine Münze 4,5 Gramm und entspricht 190 US-Dollar. Die Währung müsse künftig für den Ölhandel - eine der Haupteinnahmequellen des IS - benutzt werden. Deshalb seien viele Händler beim Kauf der Münzen gesehen worden.

Keine Entwarnung - im Gegenteil

Trotz der Probleme ist eine völlige Vernichtung des IS laut IHS vorerst unwahrscheinlich. "Während das Kalifat schrumpft und immer deutlicher wird, dass sein Staatsprojekt scheitert, reorganisaiert die Gruppe ihren Aufstand", sagt IHS-Analyst Columb Strack. "Wir erwarten leider einen Anstieg an Terroranschlägen und Sabotage von wirtschaftlicher Infrastruktur, sowohl im Irak und in Syrien aber auch im entfernteren Ausland, Europa eingeschlossen", so Strack.

cr/jj (afp, rtr)