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Welt

Islamabad boykottiert Afghanistan-Konferenz

Pakistan wird nicht an der anstehenden Afghanistan-Konferenz in Bonn teilnehmen. Damit untermauert das Land seine scharfe Kritik am NATO-Luftangriff auf pakistanische Grenzposten mit 24 getöteten Soldaten.

Pakistans Außenministerin Hina Rabbani Khar (Foto: dpa)

Außenministerin Hina Rabbani Khar sollte Pakistan in Bonn vertreten

Aus Protest gegen den NATO-Luftangriff auf pakistanische Grenzposten boykottiert die Regierung in Islamabad die Afghanistan-Konferenz in Bonn. Das pakistanische Kabinett habe bei einer Sondersitzung beschlossen, nicht an dem Treffen in der kommenden Woche teilzunehmen, sagte ein Vertreter der pakistanischen Regierung am Dienstag (29.11.2011).

Ohne die Unterstützung Pakistans gilt es als sehr schwierig, Frieden und Stabilität im Nachbarland Afghanistan zu erreichen. Ursprünglich wollte Außenministerin Hina Rabbani Khar die pakistanische Delegation am kommenden Montag in Bonn anführen. Dort will die Internationale Gemeinschaft über die Zukunft Afghanistans nach dem voraussichtlichen Abzug der NATO-Kampftruppen Ende 2014 beraten. Zu den Beratungen werden 90 Delegationen aus aller Welt erwartet.

Der Afghanistan-Konferenz wird große Bedeutung beigemessen. Der Sonderbeauftragte der Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan, Michael Steiner, sagte noch am Montag in Berlin, er erwarte ein klares Signal für die langfristige internationale Hilfe. Dabei werde es sich um den Zeitraum 2015 bis 2024 handeln. In Bonn gehe es um die "glaubwürdige Botschaft, dass sich die Afghanen auf uns verlassen können", so Steiner. Eröffnet wird die Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel, den Vorsitz führt der afghanische Präsident Hamid Karsai. Mit Blick auf Pakistans Absage könnten diese Erwartungen nun enttäuscht werden.

Schwere Vorwürfe gegen die NATO

Pakistan kappt wichtige Nachschubroute für NATO-Truppen in Afghanistan (Foto: dapd)

Pakistan kappt wichtige Nachschubroute für NATO-Truppen

Die pakistanische Regierung wirft dem Militärbündnis vor, am vergangenen Samstag bei einem Luftangriff im Grenzgebiet zu Afghanistan insgesamt 24 pakistanische Soldaten getötet zu haben. Für Pakistan hat es sich dabei um eine vorsätzliche Attacke der NATO-Truppen gehandelt und nicht um ein Versehen; die NATO habe genau gewusst, wo die pakistanischen Posten stationiert sind.

Zudem wies Pakistan die Darstellung afghanischer Soldaten zurück, dass die internationale Afghanistan-Schutztruppe ISAF zuerst von Pakistan aus unter Beschuss geraten sei. Die Regierung hatte unmittelbar nach dem Vorfall angekündigt, die Kooperation mit der NATO und den USA zu überdenken. NATO-Transportern wurde der Weg versperrt, die zuvor über eine Route in Pakistan die ISAF-Truppen in Afghanistan mit Nachschub versorgten. Vor allem bei der pakistanischen Bevölkerung rief der Vorfall große Wut hervor. In mehreren Städten demonstierten die Menschen gegen die Eingriffe der USA und der NATO in Pakistan.

Luftangriff verschlechtert Beziehungen

Das pakistanische Kabinett befasste sich am Dienstag bei einer Sitzung in der Stadt Lahore mit dem Luftangriff, der die Beziehungen zwischen dem Westen und Pakistan zerrüttet hat. Die NATO und die USA hatten ebenfalls Untersuchungen angekündigt und sich für die Opfer entschuldigt.

Seit Beginn der internationalen Militärintervention in Afghanistan vor zehn Jahren starben in Pakistan noch nie mehr Menschen bei ähnlichen Vorfällen, an denen die NATO beteiligt war. Allerdings hat die NATO nach Angaben Pakistans in den vergangenen drei Jahren mindestens sieben Mal pakistanische Armeeposten angegriffen. Dabei habe es Tote und Verletzte gegeben. Zwischen Pakistan und Afghanistan gibt es zudem oft Spannungen an der gemeinsamen Grenze.

Autorin: Naima El Moussaoui (dpa, afp, dapd)

Redaktion: Reinhard Kleber

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