Ischinger: Weltsicherheit so instabil wie vor dem Ende des Kalten Kriegs | Aktuell Welt | DW | 16.02.2018
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Münchner Sicherheitskonferenz

Ischinger: Weltsicherheit so instabil wie vor dem Ende des Kalten Kriegs

Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, warnte im DW-Interview vor einer wachsenden globalen Instabilität. Positive Zusammenkünfte wie die Olympischen Winterspiele könnten davon nicht ablenken.

"Ich bin beunruhigt", so Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) in einem exklusiven Interview der Deutschen Welle. "Ich denke, die Lage der globalen Sicherheit ist heute instabiler als sie es jemals seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion gewesen ist." Es fehle der Weltgemeinschaft derzeit an einer wichtigen Komponente: "Ein Schlüsselelement für die weltweite Stabilität, Frieden und Sicherheit ist gegenseitiges Vertrauen", sagte Ischinger. "Wenn es an Vertrauen fehlt, reden die Menschen nicht mehr miteinander und glauben nicht mehr das, was ihr Gegenüber ihnen sagt."

So verhalte es sich dem Sicherheitsexperten zufolge schon seit längerem zwischen den USA und Russland. "Es ist sehr bedenklich", sagte Ischinger der Deutschen Welle. Je länger beide Seiten nicht im konstanten Austausch miteinander stünden, würden die Risiken der Fehleinschätzung und des Missverständnisses wachsen.

Syrien-Konflikt belastet die NATO-Gemeinschaft

Vor allem der Konflikt in Syrien mit vielen mächtigen Akteuren sei nach wie vor besorgniserregend, sagte Ischinger im DW-Interview, zumal so viele verschiedene Akteure beteiligt seien. "Es sollte uns insbesondere zu bedenken geben, dass es sich hier um die extrem ungewöhnliche Situation handelt, in der ein NATO-Mitglied scheinbar eine militärische Konfrontation gegenüber einem anderen Mitglied zu arrangieren scheint." Es sei nicht auszudenken, was wäre, wenn es tatsächlich zu einem Zusammenstoß zwischen türkischen und US-amerikanischen Truppen in der Region käme.

Doch man könne globale Sicherheitsrisiken nicht anhand einer einzelnen Bedrohung festmachen. "Es sind mehrere", sagte Ischinger der DW. Die Instabilität im Nahen Osten und das Risiko eines übergreifenden Konflikts sei ein Beispiel, das Problem des nuklearen Streits mit Nordkorea ein anderes. "Das wird sich auch nicht ändern, nur weil wir jetzt schöne Bilder von den Olympischen Spielen bekommen."

Wie soll der Westen sich gegenüber Russland verhalten?

Auch die Frage wie der Westen sich gegenüber Russland in Bezug auf den Konflikt um die Region Donbass mit der Ukraine und die Annexion der Krim verhalten solle, sei noch nicht geklärt. "Und jeden Tag sterben Menschen in diesen Konflikten."

Deshalb sei es wichtig, dass man bei der Münchner Sicherheitskonferenz die Chance habe, diese Probleme zu besprechen.  "Ich hoffe, dass die Russen mit den Amerikanern reden und das Netanyahu sich mit Akteuren aus der Region trifft, die er vielleicht nicht mag, aber mit denen er meiner Meinung nach reden sollte. Ich hoffe auch, dass sie mit ihm reden."

Ischingers Wunsch nach wäre eine Diskussion zwischen Saudi Arabien und dem Iran am besten, dicht gefolgt von einem Dialog zwischen dem Iran und Israel. "Aber das ist nur Hoffnung, keine feste Erwartung", erklärte der MSC-Direktor. Und was er sich von seiner Veranstaltung erhoffe? "Ich erwarte nicht, dass die Münchner Sicherheitskonferenz der Ort ist, an dem wie durch ein Wunder alles besser wird", sagte Ischinger. Aber zumindest, dass es Dialogbereitschaft zwischen den Teilnehmern gebe.

myk/fab