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Kunst

Isa Genzkens Kunstwerke verschönern den öffentlichen Raum: Kunst für alle

"Radikal wie ein Tsunami", nannte eine Sammlerin kürzlich ihr Werk. Die in Berlin lebende Isa Genzken zählt zu Deutschlands wichtigsten Künstlerinnen. Eine Ausstellung in Bonn zeigt ihre Außenskulpturen.

Isa Genzken ist das, was man einen "Artist's Artist" nennt. Eine Künstlerin, die die Künstler lieben. Ein Vorbild für Kollegen und Nachwuchs, mit einem stilbildenden Werk. Wie kaum jemand anderem ist es ihr gelungen, abgrundtiefe Verzweiflung, Einsamkeit und Zivilisationsskepsis in ihren Werken auszudrücken.

Der Name der 1948 geborenen Isa Genzken stand allerdings lange im Schatten anderer Künstler-Größen. Elf Jahre war sie mit dem Maler und teuersten deutschen Künstler Gerhard Richter verheiratet. Er war ihr Lehrer an der Kunstakademie Düsseldorf. Mit ihm gestaltete sie 1993 eine U-Bahn-Station in der Ruhrgebietsstadt Duisburg. Richter und Genzken verkleideten die Wände mit bunten Emaille-Platten in kraftvollem Blau, Rot und Gelb. Die entstandenen Flächen und Formen, die von bunten Linien durchschnitten werden, erinnern an die berühmten großen abstrakten Bilder Richters. Das Modell der U-Bahnstation "König-Heinrich-Platz" ist erstmals in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zu sehen. Es ist eins von 35 Modellen, die Isa Genzken in den vergangenen 40 Jahren entwickelte. 23 wurden davon realisiert. Anders als die meisten ihrer Installationen und Assemblagen sind einige ihrer Entwürfe für öffentliche Kunstwerke geradezu poetisch. Eine acht Meter hohe Rose ließ sie 1993 vor die Villa des Kunstsammlers Frieder Burda platzieren. Für eine Berliner Brücke über die Spree entwarf sie ein Geländer aus Noten als schwarzlackierte Metallobjekte in der Sequenz der Melodie des Schlagers: "Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft".

Bundeskunsthalle Ausstellung Isa Genzken - Modelle für Außenprojekte (Fot: VG Bild-Kunst, Bonn 2016/Courtesy Galerie Buchholz Cologne/Berlin/New York)

Eine Rose für den Kunstsammler Frieder Burda

In Venedig vertrat Genzken 2007 Deutschland auf der Biennale

Weltberühmt wurde Isa Genzken, als sie 2007 Deutschland auf der Biennale von Venedig vertrat. Für ihre Ausstellung "Oil" verhüllte sie den deutschen Pavillon, den die Nazis 1938 umgebaut hatten, mit einem roten Bauzaun. Im Innern schuf sie eine kaputte Welt voller schwarzen Humors. Sie platzierte Totenköpfe auf Podeste, verpasste ihnen eine venezianische Karnevalsmaske, Astronautenpuppen baumelten wie Erhängte an Seilen von der Decke, auf dem Boden standen leere Rollkoffer. Ein morbider Kosmos voller Assoziationen: Gescheiterter Fortschrittsglaube trifft auf Todesängste und die Sehnsucht nach einem Neuanfang. Mit ihrem Beitrag traf sie zugleich den Nerv der Lagunenstadt, die von den Touristen - ob zur Biennale oder zum venezianischen Karneval - erobert, aber auch zerstört wird.

Biennale in Venedig 2007 - Werk von Isa Genzken (Foto: picture-alliance/dpa/A. Merola)

Eine kaputte Welt voller schwarzen Humors: Isa Genzken auf der Biennale in Venedig 2007

Architektur ist ein großes Thema von Isa Genzken

Der wichtigste Anspruch an Genzkens Kunst: anders! Ihr Werk steckt voller Veränderungen: Sie wechselt permanent die Methoden, die Materialien, die Bildsprache. In den Achtzigern fing sie an mit Skulpturen, die ironisch den Minimalismus zitieren. In späteren Arbeiten setzt sie sich mit den gescheiterten Idealen der Moderne auseinander. "Fuck the Bauhaus. New Buildings for New York" nannte Isa Genzken eine Serie aus aufgeklappten Pizza-Schachteln als Architekturmodelle. So trashig viele ihrer Arbeiten aus Resten der Konsumgesellschaft auch wirken, sie sind Teil einer sehr kritischen Auseinandersetzung mit Architektur und den Bedürfnissen des Menschen. Für die Serie "Jeder Mensch braucht mindestens ein Fenster" goss sie riesenhafte Fenster aus Epoxydharz. Fensterflügel ohne Glasscheiben reichen vom Boden bis zur Decke. Die Forderung nach einem Fenster, nach einem Blick nach draußen, klingt banal und ist zugleich existentiell gemeint.

Zum ersten Mal sind Genzkens Modelle in Bonn zu sehen

Isa Genzkens Bildsprache steckt voller Ironie, aber auch Romantik. Für die Freiluftausstellung "Skulptur-Projekte" in Münster, die alle Jahre Künstler aus der ganzen Welt im Stadtraum präsentiert, ließ sie einen künstlichen Vollmond zwischen Bäume in der Nähe des Aasees errichten: Eine runde Kugel thront hoch oben auf einem Pfahl. So haben die Menschen die Möglichkeit, einmal im Monat zwei Vollmonde gleichzeitig zu erleben. Inzwischen steht der "Vollmond" nicht mehr in Münster, sondern in einer österreichischen Kleinstadt. Das Modell dieser Außenskulptur steht nun wiederum in der Bonner Ausstellung.

Seit vierzig Jahren beschäftigt sich Isa Genzken mit ihren Skulpturen und Installationen für den Außenraum. Jedoch erst vor einem Jahr ließ sie die Entwürfe zu Modellen umarbeiten. Nun wirken sie wie Kunstwerke, die nicht nur ihre Ideen illustrieren, sondern eigenständige Skulpturen sind.

Auch einen konkreten Vorschlag für die Umgestaltung von Ground Zero legte Genzken, die den Anschlag selbst in New York miterlebt hat. vor: Unter anderem plädiert sie für eine Disko, die 24 Stunden geöffnet hat. Der Abgrund und das Fest liegen im Werk von Isa Genzken meist eng beieinander. Die Retrospektive der Modelle für Außenprojekte bildet damit im Kleinen auch eine Essenz einer großen Künstlerin.

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