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Aktuell Nahost

IS-Video zeigt Zerstörung von Kulturstätte Nimrud

Ein neues IS-Video zeigt die Verwüstung der antiken Stadt Nimrud im Irak. Die Terroristen profitieren gleich mehrfach von der Zerstörung. Im Kampf gegen den IS hofft Bagdad derweil auf milliardenschwere Rüstungshilfe.

Mit Hämmern schlagen Männer auf antike Fresken ein. Sie füllen Fässer mit Pulver und rollen sie in einen Raum mit Darstellungen assyrischer Gottheiten. Danach zeigt die Kamera eine gewaltige Explosion. Das von der Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS) veröffentlichte Video zeigt die Zerstörung der Jahrtausende alten Ruinen der Stadt Nimrud im Nordirak. Die Aufnahmen des undatierten Videos legen nahe, dass die rund 30 Kilometer südöstlich von Mossul gelegene Stätte am Ufer des Tigris völlig zerstört wurde. "Wann immer wir irgendwo die Zeichen des Götzendienstes beseitigen können, werden wir das tun", sagt einer der Islamisten am Ende des Videos.

Über die Verwüstung der antiken Stadt wurde Anfang März berichtet. Das Ausmaß der Verwüstung der antiken Stätte war aber zunächst nicht bekannt. IS-Kämpfer hatten zuvor auch Kulturschätze in Ninive und al-Hadra zerstört. Die Zerstörungen sind Teil einer systematischen Kampagne, um das geschichtliche Erbe der Region auszulöschen. Gemäß der extremen Ideologie der Dschihadisten sind Götterbilder und Heiligengräber verboten, da nichts außer Gott selbst angebetet werden dürfe.

Laut der US-Archäologin Deborah Lehr hat die Zerstörung für den IS aber auch noch eine andere Funktion: Die Dschihadisten nähmen durch den Verkauf von altorientalischen Kulturgütern und Kunstschätzen auf dem Schwarzmarkt viele Millionen Dollar ein, so Lehr.

Ein IS-Propaganda-Video zeigt, wie Männer antike Fresken in Nimrud mit Hämmern und anderen Werkzeugen zerstörten (Foto: YouTube/WorldBreakingNews2015)

Mit Hämmern zerstören IS-Kämpfer offenbar antike Fresken in Nimrud

Öl-Einnahmen trocknen aus

Nach Einschätzung der US-Regierung finanziert sich der IS inzwischen überwiegend durch Spenden sowie den Verkauf von Antiquitäten und anderen geplünderten Gütern auf dem Schwarzmarkt. Zuvor galt der Ölschmuggel als eine wesentliche Einnahmequelle der Islamisten. Die Luftangriffe der US-geführten Koalition haben aber zahlreiche Förderstätten zerstört. Zuletzt hatte der Bundesnachrichtendienst (BND) Medienberichten zufolge festgestellt, dass der IS eine seiner bisher wichtigsten Einnahmequellen verloren habe. Die Dschihadisten hätten eine Vielzahl zuvor besetzter Ölfelder im Irak verloren.

Unter anderem auch in der nordirakischen Stadt Baidschi. Dort haben sich die irakische Armee und die IS-Miliz am Wochenende erneut schwere Gefechte um die größte Ölraffinerie im Land geliefert. Nach Armeeangaben griff die Extremistengruppe die Anlage in der Stadt von mehreren Seiten an. Die Raffinerie sei aber weiter unter der Kontrolle der Armee. Die Anlage war in den vergangenen Monaten immer wieder Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen der IS-Miliz und der irakischen Armee.

Irakische Regierung hofft auf Rüstungshilfe

Im Kampf gegen den "Islamischen Staat" hofft die irakische Regierung offenbar auf eine deutliche Finanzspritze aus den USA. Einem Insider zufolge will Iraks Ministerpräsident Haidar al-Abadi bei seinem ersten Amtsbesuch in Washington am kommenden Dienstag die US-Regierung um umfangreiche Militärhilfe bitten.

"Wir reden hier von Milliardensummen", sagte ein hochrangiger irakischer Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Abadi wolle Obama um moderne Waffen wie Drohnen und Kampfhubschrauber bitten. Sollte die US-Regierung Bagdad keine Hilfe gewähren, könne sich der Irak auch an den Iran wenden, so der Insider. Dies sei aber für Ministerpräsident Abadi nicht die erste Wahl.

Nach dem Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak hatten die IS-Milizen mehrere Waffenlager der irakischen Armee geplündert und dabei zum Teil hochmoderne Waffensysteme erbeutet.

sp/haz (rtr, afp, dpa)