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Asien

IS-Video ruft zum Dschihad in Bangladesch auf

Ein neues Propaganda-Video des IS wird von Experten als weiterer Beweis für die Präsenz und Bedrohlichkeit der Terrormiliz in Bangladesch gewertet. Noch fehlt eine Strategie des Staates angesichts dieser Gefahr.

Es zeigt drei IS-Anhänger, deren Herkunft aus Bangladesch laut den Experten-Webseiten "SITE Intelligence Group" (s. Artikelbild) und "Terror Monitor Group" unzweifelhaft ist. Das Video, laut der Auswertung in Raqqa, der "Hauptstadt" des IS, aufgenommen, hat arabische und bengalische Untertitel. Einer der auftretenden Männer erklärt: "Was ihr in Bangladesch erlebt habt … war nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was sich solange wiederholen wird, bis ihr verloren habt und die Scharia in der ganzen Welt gilt."

Laut Tasneem Khalil, einem in Schweden lebenden Journalisten aus Bangladesch, enthält dieses Video viele alarmierende Elemente, wie er gegenüber der DW erläuterte: "Ziel des Videos ist es, Bangladescher zum Dschihad unter Führung des IS in ihrem eigenen Land anzustacheln. Damit unterscheidet es sich von bisherigen Aufrufen des IS, bei denen es zum Dschihad in Syrien ging." Khalil sieht das Video als "offene Kriegserklärung gegen den Staat von Bangladesch", der vom IS als unislamisch und Feind ('Taghut') bezeichnet werde. Arifur Rahman, ein bekannter Video-Blogger aus Bangladesch, schließt sich der Einschätzung seines schwedischen Kollegen an fordert die Durchführung von Razzien in "Wohnungen von Sympathisanten und in Verstecken von Terroristen in Bangladesch."

Vielfach ist auf die Herkunft der Täter des Café-Anschlags aus gebildeten und wohlhabenden Schichten Bangladeschs hingewiesen worden. Das sei kein Zufall, sagt Siegfried O. Wolf vom South Asia Democratic Forum in Brüssel: "Die Islamisten haben viel in ihre Strategien zur Rekrutierung investiert. Sie erreichen jetzt nicht mehr nur arme Studenten in Religionsschulen, sondern auch die diejenigen, die sich ein Studium an privaten Hochschulen leisten können."

Polizisten sperren den Anschlagsort in Dhaka ab (Foto: picture-alliance/abaca)

Bangladesch hat im Angesicht der Bedrohung durch den IS noch keine Strategie

Fundamentalistische Dozenten und Prediger

Der Blogger Arifur Rahman erläutert, dass die Gesellschaft seines Heimatlandes in einem Maße von religiöser Inbrunst durchdrungen sei, dass normale jugendliche Aktivitäten dort erstickt würden. Um so leichter würden aufnahmebereite junge Studenten in die Fänge fundamentalistischer Dozenten an "unregulierten privaten Hochschulen" geraten. Hinzu kämen hochgeachtete sogenannte islamische Prediger, die über einen riesigen Vorrat an Predigten verfügen und die jederzeit als Instrument zur Gehirnwäsche im Internet eingesetzt werden könnten.

Südasien-Experte Wolf hält es für dringend nötig, dass Bangladesch eine "kohärente und ganzheitliche Anti-Terrorstrategie entwickelt, um sowohl dem einheimischem wie dem internationalem Terrorismus zu begegnen." Das beinhalte die Kooperation mit dem Ausland, aber nicht nur im Sicherheitsbereich, sondern auch beim Thema, wie Menschen- und Bürgerrechte im Zuge von Anti-Terrorkampagnen zu gewährleisten sind.

Tasneem Khalil verweist gegenüber der DW auf die "merkwürdige Situation, dass einerseits eine Terrorgruppe wie der IS offen seine Angriffspläne in seinen Internetpublikationen verbreitet, wie in dem jetzt aufgetauchten Video, und dass gleichzeitig die Regierung diese Bedrohung nicht wahrhaben will." Der Journalist fordert die Regierung seines Heimatlandes zu "robusten Maßnahmen" auf, um religiöse Minderheiten und Ausländer zu schützen, denn diese seien primäre Zielscheibe der Terroristen.

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