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Aktuell Nahost

IS veröffentlicht Propagandavideo mit britischer Geisel

Dieses Mal ist es kein grausamer Mord sondern reine Propaganda: Der IS hat ein Video veröffentlicht, in dem der entführte britische Journalist Cantlie die Erfolge der westlichen Allianz in Kobane herunterspielt.

Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hat ein weiteres Propagandavideo mit der britischen Geisel John Cantlie veröffentlicht - angeblich aus der umkämpften Kurdenstadt Kobane in Nordsyrien. Die Stadt sei schon fast ganz in der Hand der IS-Kämpfer und es gebe keine kurdischen Verteidiger oder Peschmerga-Kämpfer, behauptet der seit 2012 entführte Journalist in dem im Internet veröffentlichten Video. Berichte westlicher Medien über schwere Kämpfe und hohe Verluste des IS seien falsch. Sie würden sich nur auf Angaben kurdischer Kommandeure und des Weißen Hauses in Washington stützen, die nicht an der Wahrheit interessiert seien. Das Video erscheint professioneller gemacht als frühere Mitteilungen des IS und beginnt mit einer Luftaufnahme der Stadt, die laut Einblendung von einer "Drohne der Armee des Islamischen Staates" aus aufgenommen wurde.

Kein eindeutiger Zeitbezug

In dem Video fehlt jeder Hinweis darauf, wann es entstand, Cantlie bezieht sich darin aber auf einen BBC-Bericht sowie auf Aussagen des Pentagons von Mitte Oktober. Die Aufnahmen der Stadt, darunter auch Luftaufnahmen der Drohne, stimmen mit Satellitenbildern von Kobane aus der Zeit vor dem Konflikt überein.

John Cantlie mit einem syrischen Kämpfer in Syrien aus dem Jahr 2012 (Foto: AP)

Der britische Journalist John Cantlie noch vor seiner Entführung 2012

Der 43-jährige Cantlie imitiert den Stil westlicher TV-Reporter und behauptet, die US-Luftangriffe hätten lediglich den Einsatz schwerer Waffen durch die IS-Kämpfer behindert. Deshalb würden sie die Stadt im Häuserkampf einnehmen. Tatsächlich ist es dem IS bisher nicht gelungen, die Stadt ganz zu besetzen und die kurdischen Verteidiger zu besiegen. Es ist bereits das sechste IS-Video mit Cantlie. Seit August hat der IS Videos zudem von der Hinrichtung zweier amerikanischer und zweier britischer Geiseln veröffentlicht. Cantlie wurde nach eigenen Angaben bereits Ende 2012 in Syrien gefangen genommen. Der Reporter arbeitete für britische Zeitungen wie die "Sunday Times" und den "Sunday Telegraph" sowie für die Nachrichtenagentur AFP.

IS in sozialen Netzwerken aktiv

Der IS ist im Internet vor allem in sozialen Netzwerken aktiv, um Sympathisanten anzusprechen. Die radikalsunnitische Organisation veröffentlicht im Internet auch immer wieder Videos von brutalen Hinrichtungen Andersgläubiger und westlicher Geiseln, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Auch für angebliche militärische Erfolge nutzt der IS das Netz, wie auch im Fall Cantlies. Die Teilnehmer einer Konferenz der Militärkoalition gegen den IS in Kuwait-Stadt vereinbarten deshalb, sich künftig stärker auf das Internet zu konzentrieren.

Der US-Vertreter Rick Stengel brachte die Bildung einer weiteren Allianz ins Spiel, die sich ausschließlich mit dem Propaganda-Thema beschäftigen sollte. An dem Treffen nahmen neben den USA Vertreter aus Bahrain, Ägypten, Irak, Jordanien, Libanon, Oman, Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie aus Großbritannien und Frankreich teil.

Noch immer keine Peschmerga-Kämpfer in Kobane

Die Kurden in Nordsyrien haben unterdessen einen weiteren Versuch der Terrormiliz vereitelt, Kobane von der Außenwelt abzuschneiden. Im Norden Kobanes hätten sie einen Angriff der Terroristen abgewehrt, sagte Kurden-Sprecher Idriss Nassan. Zugleich warteten die Verteidiger der Stadt weiter auf die Verstärkung von kurdischen Peschmerga aus dem Nordirak. Rund 150 Kämpfer mit neuen US-Waffen sollen die syrischen Kurden gegen die Extremisten unterstützen.

Kobane liegt an der syrisch-türkischen Grenze in einer kurdischen Enklave, die bereits größtenteils vom IS beherrscht wird. Nördlich der Stadt gibt es noch eine Verbindungsroute in die Türkei. Der IS hatte bereits am Wochenende versucht, diese zu kappen. Die Extremisten stehen nur noch knapp 700 Meter vom Grenzübergang entfernt. Sollte sie ihn erobern, könnten weder die Peschmerga-Kämpfer noch Nachschub nach Kobane gelangen.

Die heftigen Kämpfe zwischen beiden Seiten gingen auch am Montag weiter. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte feuerte der IS Raketen auf Kobane und das Grenzgebiet ab.

as/se (dpa, afp, ape)