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Aktuell Nahost

IS kontrolliert historische Oasenstadt Palmyra in Syrien

Nach schwersten Gefechten ist die westsyrische Stadt nun vollständig in der Hand der Terrormiliz "Islamischer Staat". Die Einwohner sind auf der Flucht. Zerstören die Dschihadisten nun das Weltkulturerbe?

Die IS-Dschihadisten sind wieder in der Offensive. Wenige Tage nach der Eroberung der irakischen Provinzhauptstadt Ramadi haben Einheiten des "Islamischen Staates" jetzt auch in Syrien nach erbitterten Schlachten die Oberhand über das historische Palmyra. Nach Angaben der syrischen Staatsmedien und der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die ihre Informationen über ein Netz von Aktivisten vor Ort bezieht, zogen sich die syrischen Truppen zurück. Stützpunkte des Militärgeheimdienstes in der Wüste sowie der Militärflughafen und das Gefängnis von Palmyra seien aufgegeben worden.

Im Kampf um die Stadt hatten sowohl die Terrormiliz als auch Regierungssoldaten Palmyra heftig bombardiert, wie Augenzeugen berichteten. Viele Familien hätten die Flucht ergriffen, hieß es weiter. Nach offiziellen Angaben aus der syrischen Hauptstadt Damaskus konnten regierungstreue Milizen inzwischen fast alle Zivilisten aus der antiken Stadt in Sicherheit bringen.

UNESCO ruft zum Schutz von Palmyra auf

Palmyras gut erhaltene Ruinen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die einstige Handelsmetropole der legendären Königin Zenobia gilt als einer der bedeutendsten Komplexe antiker Bauten im Nahen Osten. Mit Blick auf die Zerstörungswut der IS-Dschihadisten im Irak zeigte sich die Chefin der Kulturorganisation der Vereinten Nationen, Irina Bokowa, alarmiert. Sie rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, alles zu tun, um die Zivilbevölkerung und die antiken Ruinen zu schützen.

Falls Palmyra vom IS zerstört werden sollte, wäre dies "ein unersetzlicher Verlust für die Menschheitsgeschichte" und auch für das syrische Volk, wies der Direktor des Vorderasiatischen Museums Berlin, Markus Hilgert, darauf hin. Schließlich sei die Oasenstadt nicht nur "Identitätsort" für die Bevölkerung, sondern potenziell auch ein zentrales touristisches Ziel in dem Land.

IS kontrolliert 50 Prozent von Syrien

Im Nordirak hatten IS-Kämpfer im Frühjahr einmalige Kulturstätten zerstört, darunter die Ruinen der Jahrtausende alten Stadt Nimrud und die Grabungsstätte Ninive. Aufnahmen ihrer Taten stellten sie ins Internet.

Nach dem Vormarsch in Palmyra kontrolliert der IS nun etwa die Hälfte der Fläche Syriens, wie der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abel Rahman, erklärte. Die Extremisten hätten zudem fast alle Ölfelder des Landes eingenommen.

se/haz (rtr, afp, ape, dpa)

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