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Asien

IS-Kalifat strahlt auch nach Südasien und Australien aus

Die Ideologie des "Islamischen Staates" lockt auch in Australien und Südasien radikale Muslime an. Zu ihnen könnte auch der Geiselnehmer von Sydney gehört haben.

Die schwarze Flagge der Terrormiliz "Islamischer Staat" steht im Internet neben Kampfaufrufen und Propagandatexten in vielen Sprachen. Die Botschaften richten sich nicht nur an arabische oder europäische Muslime, sondern auch an radikale Gruppen und Einzelpersonen in Südasien und Australien. Möglicherweise fühlte sich auch der Geiselnehmer von Sydney vom IS-Führer und selbst ernannten Kalifen Abu Bakr Al-Baghdadi inspiriert. Experten halten die Strahlkraft des IS in Australien und dem südasiatischen Raum jedoch für geringer als im Nahen Osten.

Die IS-Propaganda erreicht auf Hindi, Urdu, Tamil und anderen südasiatischen Sprachen eine Region, in der hunderte Millionen Muslime leben. Auf Flugblättern und vor allem im Internet werben Al-Baghdadis Anhänger für das Projekt eines islamischen Großreiches, das möglichst alle Muslime vereinen soll. Doch die zahlreichen radikal-islamischen Gruppen am Hindukusch, in Kaschmir, Indonesien oder den Süd-Philippinen kämpfen seit vielen Jahren für ihre eigenen regionalen Ziele. Die Idee, sich einem neuen Kalifat anzuschließen, ist den meisten von ihnen fremd.

Abu Bakr Al-Baghdadi bei einer Ansprache (Foto: EPA)

IS-Führer Al-Baghdadi hat sich selbst zum Kalifen erklärt

Dem Terror-Experten Aymenn Jawad Al-Tamimi von der Denkfabrik Middle East Forum zufolge haben Teile der pakistanischen Taliban und der Abu-Sayyaf-Gruppe in den Philippinen den Treueeid auf Al-Baghdadi abgelegt. Bislang hätten sich aber kaum ganze Organisationen dem IS-Herrschaftsanspruch untergeordnet. Diese Extremistengruppen seien zudem fast bedeutungslos, so wie die Ansar al-Tauwid-Organisation in Indien. "Als Abu Bakr al-Baghdadi die Treueeide aus verschiedenen Teilen der Welt bestätigte, hat er nicht von neuen Provinzen in Staaten wie Indien oder den Philippinen gesprochen", sagt Al-Tamimi im DW-Gespräch. Nordafrikanische und arabische Gebiete unter Kontrolle von radikalen Gruppen, die sich dem IS angeschlossen haben, werden dagegen als Provinzen des "Islamischen Staates", der sich früher ISIS nannte, bezeichnet.

Indische Mudschahedin wollen Kaschmir erobern, nicht den Irak

Sich dem IS in Syrien und dem Irak anzuschließen, mache für viele regionale Dschihad-Gruppen keinen Sinn, meint Gauri Khandekar, Asien-Expertin der Denkfabrik FRIDE. "Warum sollten die islamischen Mudschahedin in Indien diese IS-Ideologie übernehmen?", fragt die Analystin. Deren Kämpfern gehe es um ein unabhängiges Kaschmir. Ihr Gegner sei der indische Staat, nicht eine nahöstliche Regierung wie im Irak.

Kämpfer der IS-Vorläufer-Organisation ISIS im Oktober 2013 bei Aleppo (Zumapress.com)

Aus den südostasiatischen Staaten stammen vergleichsweise wenige Kämpfer des IS

In Indonesien hatte der inhaftierte Extremistenführer Abu Bakhar Bashir gemeinsam mit einigen Weggefährten dem IS die Treue geschworen. Er gilt als Führer der Terrorgruppe Jemaah Islamiyah, die 2002 für den verheerenden Anschlag auf der Insel Bali verantwortlich gemacht wurde. Allerdings sind radikale Islamistengruppen in Indonesien längst nicht mehr so stark wie noch vor zehn Jahren. Außerdem gehen die Behörden auch mit Hilfe moderater islamischer Gelehrter erfolgreich gegen Extremisten vor.

In Australien gebe es noch nicht einmal eine radikal-islamische Organisation, die den IS unterstütze, sagt Khandekar. Dort gebe es allenfalls einige Schläferzellen. Allerdings radikalisierten sich einzelne über das Internet. Zu ihnen könnte Khandekar zufolge auch der Geiselnehmer von Sydney gezählt haben.

Nur vergleichsweise wenige Freiwillige aus Südasien

Insgesamt scheint die Zahl der südasiatischen Anhänger in den Reihen des IS begrenzt. Obwohl nirgendwo mehr Muslime leben als in dem Gebiet zwischen Pakistan und Indonesien, sind von dort vergleichsweise wenige Muslime nach Syrien gezogen. Aus den arabischen Staaten schlossen sich dagegen viele Tausend der Terrormiliz an. Eine Ausnahme unter den südasiatischen Staaten ist Khandekar zufolge nur Pakistan. Dort gebe es viele radikalisierte Jugendliche, die mit dem IS sympathisierten. Terror-Experte Al-Tamimi sagt: "Es gibt keine Hinweise, dass Leute aus Südostasien eine nennenswerte Rolle im Islamischen Staat spielen."

Nach Ansicht von Khandekar zielen Treueschwüre von Islamisten wie Bashir in Indonesien vor allem auf das Medienecho ab. "Das ist ein Weg dieser Gruppen, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen", sagt die FRIDE-Analystin. Weil sie auf den Schrecken setzten, den IS verbreite, kämen auch ihre Botschaften und Führer wieder ins Rampenlicht.

Ein Grund, der junge Muslime in die Arme des IS treibt, ist die Ablehnung der westlichen Politik in Nahost. Viele der arabischen Staaten, in denen der IS starken Zulauf hat, unterstützen die USA im Kampf gegen IS. Das ist vorrangig im Jemen, in Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien der Fall. Dort begehren die IS-Anhänger zugleich gegen ihre eigenen Regierungen auf, die sie für gottlos halten. Die südasiatischen Staaten halten sich jedoch mit der Hilfe für die USA zurück, anders als Australien, das ein enger Verbündeter Washingtons ist. In Australien gab es Khandekar zufolge Hinweise, wonach ein Anschlag, ein Selbstmordattentat oder eben eine Geiselnahme möglich erschienen.

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