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Kampf um Mossul

IS-Kämpfer treiben Zivilisten im Umland von Mossul zusammen

Die Menschen würden östlich und westlich der nordirakischen Millionenstadt von der Terrormiliz aufgegriffen, berichten Augenzeugen. Die Befürchtung - der IS könnte sie als menschliche Schutzschilde missbrauchen.

Irak Mossul Spezialkräfte Armee (picture-alliance/AP Photo/M. Drobnjakovic) )

Irakische Spezialkräfte beim Vormarsch auf Mossul

In den vergangenen Wochen war die Sorge, dass die Kämpfer des sogenannten "Islamischen Staates" Zivilisten als menschliche Schutzschilde einsetzen könnten, immer wieder geäußert worden. Die Vereinten Nationen befürchten, dass diese Menschen von den Terroristen gezielt zu IS-Kommandozentralen verschleppt werden, um so den Vormarsch der irakischen Armee und ihrer Verbündeten zu bremsen.

IS setzt auf Guerilla-Taktiken

Jetzt berichteten Anwohner der Nachtrichtenagentur AFP, der IS habe Zivilisten östlich und westlich von Mossul gezielt aufgegriffen. IS-Kämpfer hätten vor allem junge Leute aufgefordert, sich in Schulen zu versammeln und ihre Ausweispapiere mitzubringen. Die meisten hätten sich dem Befehl jedoch widersetzt, aus Angst, als menschliche Schutzschilde missbraucht zu werden, sagten Augenzeugen.

Im Westen der Stadt habe der IS "eine große Zahl von Menschen" aus Gebieten südlich von Mossul zusammengetrieben und sie zwangsweise in die Stadt gebracht, sagte der Anwohner Abu Mohammed. Seinen Angaben zufolge haben die IS-Kämpfer vor, sich bei der Rückeroberung von Mossul durch irakische Regierungstruppen unter die Zivilisten zu mischen und mit ihnen zusammen zu fliehen.

Die Schilderungen der Anwohner aus dem Umland von Mossul bestätigen gleichlautende Berichte der Vereinten Nationen.

Das UN-Menschenrechtskommissariat hatte dem IS bereits am Dienstag vorgeworfen, tausende Zivilisten aus Dörfern im Umland entführt und in die Stadt  gebracht zu haben, um sie womöglich als menschliche Schutzschilde einzusetzen.

Belagerungsring um Mossul zieht sich zusammen

Zehntausende irakische Soldaten und mit ihnen verbündete kurdische Peschmerga-Einheiten versuchen seit gut zwei Wochen, Mossul aus der Gewalt der IS-Miliz zu befreien. Die US-geführte Anti-IS-Koalition unterstützt sie durch Luftangriffe. Am Dienstag hatten die vorrückenden Truppen die östliche Stadtgrenze erreicht. Am Mittwoch versuchte die Allianz, den Belagerungsring um Mossul noch enger zu ziehen. Im Osten wurde direkt an der Stadtgrenze weiter gekämpft. Im Norden standen die Regierungstruppen nach Armeeangaben zwei Kilometer vor der Millionenstadt, im Süden waren die irakischen Streitkräfte noch rund 30 Kilometer entfernt. Westlich von Mossul kämpfen verbündete schiitische Milizen, die dem IS Rückzugswege Richtung Syrien versperren sollen.

Irak Mossul Gogjali, Häuserkampf Irakische Armee (picture-alliance/AP Photo/M. Drobnjakovic) )

Häuserkampf in Gogjali im Bezirk Mossul

IS-Führer gibt Durchhalteparole aus

Der IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi hat seine Anhänger in Mossul in einer ihm zugeschriebenen Audiobotschaft dazu aufgerufen, nicht aufzugeben. "Zieht euch nicht zurück! Hütet Euch vor jeglicher Schwäche im Angesicht des Feindes!" heißt es in der Wortmeldung. Die Echtheit der Aufnahme, die von der IS-nahen Nachrichtenagentur al-Furkan veröffentlicht wurde, konnte bislang nicht bestätigt werden. Auch wo sich der IS-Chef aufhält, ist unklar.

Der IS hatte 2014 die Region überrannt und in der Großen Moschee von Mossul ein sogenanntes Kalifat ausgerufen. Noch immer ist Mossul für den IS im Irak eine Art Hauptstadt. Die Großoffensive zur Rückeroberung hatte am 17. Oktober begonnen. 

Der IS verfügt laut Schätzungen in und um Mossul über 4000 bis 7000 Kämpfer. Die meisten von ihnen halten sich nach unbestätigten Berichten am Westufer des Tigris auf. Sie hätten bereits Autobomben, Selbstmordattentäter und Scharfschützen vorbereitet und Sprengstoff an Straßen und Brücken angebracht.

Mehr als eine Million Menschen halten sich derzeit noch in Mossul auf, darunter rund 600.000 Kinder und Jugendliche.

qu/mak (afp, dpa, rtre)

 

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