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Aktuell Nahost

IS-Kämpfer erobern kurdisches Hauptquartier

Die erneuten Luftangriffe der USA haben nur wenig geholfen: In Kobane eroberten die Dschihadisten die kurdische Kommandozentrale. Und in der Türkei gehen die Proteste gegen die zögerliche Regierung weiter.

Die internationalen Luftangriffe auf die Versorgungslinien des "Islamischen Staats" (IS) zeigen bislang kaum Wirkung. In der Nacht zum Freitag und auch am Morgen gab es im Süden und Osten von Kobane mehrere Luftangriffe, die die IS-Kämpfer bei ihrem Vormarsch jedoch nicht stoppen konnten.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte gelang es den Dschihadisten sogar, das Hauptquartier der kurdischen Streitkräfte zu erobern. Die Kämpfer des IS versuchen offenbar, mit allen Mitteln bis zum strategisch wichtigen Grenzübergang zur Türkei vorzudringen.

IS-Milizen ändern Strategie

Wie Beobachter berichten, bewegen sich die Dschihadisten nicht mehr in Konvois und lassen sich ihren Nachschub auf Motorrädern heranbringen. Außerdem nahmen sie am Morgen eine wichtige Route der kurdischen Verteidiger unter Beschuss.

Jüngsten Einschätzungen zufolge besitzt der IS mittlerweile die Hoheit über 40 Prozent der Stadt. Sollte den Milizen die vollständige Einnahme Kobanes gelingen, könnten sie einen langen Abschnitt der syrisch-türkischen Grenze unter ihre Kontrolle bringen. Der UN-Sondergesandte für Syrien hat die Türkei deshalb aufgefordert, kurdische Freiwillige zur Verteidigung Kobanes über die Grenze reisen zu lassen.

Wie die Kämpfer des IS vor Ort vorgehen, erzählte ein kurdischer Flüchtling Reportern der Deutschen Welle in der Stadt Suruc, nahe der Grenze zu Syrien. Der Mann stammt ursprünglich aus dem Dorf Tashluk bei Kobane und musste miterleben, wie die Dschihadisten fünf Männer und zwei Frauen entführten: "Wir haben gehört, dass der IS die Männer oft einfach abschlachtet, Kinder mitnimmt und die Frauen zwangsverheiratet. Gott sei mit unseren Nachbarn! Wir wissen nicht, ob sie noch am Leben oder tot sind."

Türkei: Kein Alleingang

In der Türkei wird deshalb weiter über ein Eingreifen in den Konflikt vor der eigenen Grenze diskutiert. Bislang sprach sich die Regierung gegen einen Alleingang mit Bodentruppen im Nachbarland aus. "Dass nur die Türkei ganz alleine eine Bodenoperation unternimmt, ist kein realistischer Ansatz", erklärte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Donnerstag bei einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Ankara. Stattdessen müsse sich das internationale Bündnis gegen den IS auf eine gemeinsame Strategie einigen.

Gespräche der internationalen Koalition wurden für den kommenden Montag und Dienstag angesetzt. Bei dem Treffen der Militärchefs soll auch das weitere Vorgehen im Irak auf der Agenda stehen.

Erneut Tote bei Protesten

Unterdessen gingen in mehreren türkischen Städten erneut kurdische Demonstranten auf die Straße, um auf die verzweifelte Lage ihrer Landsleute in Syrien aufmerksam zu machen. Dabei kam es vor allem im kurdisch geprägten Südosten des Landes wiederholt zu Zusammenstößen bei der Polizei.

Nach Angaben des türkischen Innenministeriums kamen bei den Auseinandersetzungen seit Montag 31 Menschen ums Leben, 360 seien verletzt worden. Die Demonstranten werfen der Regierung in Ankara vor, angesichts der Kämpfe um Kobane untätig zu bleiben.

djo/re (afp, dpa, rtr)