IS-Hochburg Al-Rakka unter Beschuss | Aktuell Welt | DW | 25.11.2014
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Aktuell Welt

IS-Hochburg Al-Rakka unter Beschuss

Syriens Luftwaffe hat bei Angriffen auf die selbstproklamierte IS-Hauptstadt Al-Rakka mehr als 60 Menschen getötet. Es sind die schwersten Angriffe, seit die Dschihadisten die Stadt vergangenes Jahr erobert hatten.

Unter den mindestens 63 Todesopfern seien 36 Zivilisten, erklärte die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London. 20 Leichen seien noch nicht identifiziert, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman.

Zehn Angriffswellen

Nach einem ersten Angriff auf das Industriegebiet von Al-Rakka seien Menschen herbeigeeilt, um den Opfern zu helfen. In diesem Moment sei der zweite Luftangriff durch syrische Kampfjets erfolgt. Auch deshalb gebe es so viele zivile Opfer. Insgesamt habe die syrische Luftwaffe zehn Angriffswellen geflogen.

Luftangriff Raka Syrien

Nach dem Angriff auf Al-Rakka sind noch nicht alle Toten identifiziert

Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen aus einem weit verzweigten Netz von Informanten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite allerdings nur schwer überprüft werden. Der "Islamische Staat" (IS) hat weite Teile von Syrien und dem Irak erobert und in dem Gebiet ein sogenanntes Kalifat ausgerufen, einen islamischen Gottesstaat.

Zu Tode gesteinigt

Wie die Beobachtungsstelle weiter mitteilte, steinigten IS-Extremisten in Syrien zwei junge Männer wegen angeblicher Homosexualität zu Tode. Ein 20-Jähriger sei unter dem Vorwurf der Homosexualität in der Ortschaft Majadin in der Provinz Deir Essor gesteinigt worden, erklärte das Netzwerk. In der Ortschaft Deir Essor wurde demnach ein 18-Jähriger unter dem gleichen Vorwurf gesteinigt.

Aktivisten schrieben im Internet jedoch, der Vorwurf der Homosexualität sei nur ein Vorwand gewesen. In Wahrheit habe es sich um Gegner der Dschihadisten gehandelt. Diese haben auch bereits wiederholt Frauen wegen Ehebruchs gesteinigt. Im August wurde nach UN-Angaben in Majadin auch eine Zahnärztin geköpft, weil sie weiterhin in ihrer Praxis nicht nur Männer, sondern auch Frauen behandelt hatte.

Auch konservative Islamgelehrte verurteilen den IS

Der IS beruft sich bei seinen brutalen Taten auf die Scharia, doch verurteilen auch konservative islamische Rechtsgelehrte das Vorgehen als unislamisch. Die syrische Provinz Rakka hatte der IS Ende August vollständig erobert. Die Stadt Al-Rakka hatten die Dschihadisten bereits im Vorjahr unter ihre Kontrolle gebracht und zum Zentrum ihres "Kalifats" gemacht.

Wegen des seit mehr als dreieinhalb Jahren tobenden Bürgerkrieges in Syrien sind nach Angaben der Vereinten Nationen inzwischen rund 12,2 Millionen Menschen dringend auf Unterstützung angewiesen. Darunter seien mehr als fünf Millionen Kinder, sagte die UN-Koordinatorin für humanitäre Hilfe, Valerie Amos.

haz/se (rtr, afp, ap, dpa)