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Aktuell Nahost

IS hält 90 Christen in seiner Gewalt

Im Nordosten Syriens hat die Terrorgruppe "IS" Dörfer überfallen und einige Gebiete eingenommen. Mindestens 90 Menschen sollen in der Hand der Miliz sein. Wird sie der "IS" wie die Geiseln in Libyen ermorden?

Bei einem Angriff der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) auf mehrere christliche Dörfer im nordostsyrischen Gouvernement Al-Hasaka sind offenbar vier christlich-assyrische Milizen getötet worden. Das berichtete der christliche Pressedienst "Aina". Menschenrechtsgruppen bestätigten den Angriff. Etwa 90 Menschen soll die Terrorgruppe gefangen genommen haben. Ob sie verschleppt wurden oder in den Dörfern festgehalten werden, ist unklar.

Laut "Aina" war es in der Region zu Kämpfen zwischen dem "IS" sowie kurdischen und christlichen Truppen gekommen. Zahlreiche Menschen seien geflohen. Viele Opfer sollen aus dem Dorf Tal Schamiran stammen. Bei dem Angriff seien zudem mehrere Kirchen zerstört worden, darunter die Kirche von Tell Hormiz, die zu den ältesten des Landes gehöre.

Terror gegen Christen

Die Region mit 35 assyrisch-christlichen Dörfern war den Angaben zufolge bereits wiederholt Ziel von "IS"-Angriffen. Zuletzt hatten die Islamisten Anfang Januar mit der Sprengung der Kirche von Tell Hormiz gedroht, falls die Bewohner sich weigerten, das Kreuz vom Turm zu entfernen.

Assyrische Christen machen etwa fünf Prozent der Bevölkerung Syriens aus. Erst Mitte des Monats hatten IS-Anhänger in Libyen etliche koptische Christen aus Ägypten enthauptet - vor laufender Kamera. Die Angst, die Terroristen könnten das gleiche mit den assyrischen Christen machen, ist demnach groß.

Tatbestand Völkermord

Der "Islamische Staat" kontrolliert vor allem in Syrien und im Irak riesige Gebiete, in denen er eine Gewaltherrschaft errichtet hat. Seine Bluttaten erfüllen nach Einschätzung von UN-Experten wahrscheinlich den Tatbestand des Völkermords. Der UN-Menschenrechtsrat warf den Extremisten vor, systematisch Angehörige bestimmter ethnischer und religiöser Gruppierungen anzugreifen, um sie zu vernichten. Dazu gehörten neben Christen auch Jesiden, Kurden und Turkmenen.

Die internationale Gemeinschaft verstärkt inzwischen ihren Kampf gegen die Terrormiliz. Frankreich setzt gegen die Dschihadisten im Irak jetzt auch den Flugzeugträger "Charles de Gaulle" ein. Eine internationale Koalition greift den "IS" schon seit mehreren Monaten in Syrien und im Irak aus der Luft an. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei allein in Syrien bislang mindestens 1600 Menschen getötet.

Amnesty prangert an

An diesem Dienstag will die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in London ihren Jahresbericht zu Gewalt und Unrecht vorstellen. Im Mittelpunkt dürften der IS und die vor allem in Nigeria aktive Islamisten-Terrorgruppe Boko Haram stehen.

chr / SC (dpa, ap, rtr)