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Amerika

IS: Der Feind, der Washington ratlos macht

Mit jedem Landgewinn des IS im Irak werden in den USA die Gesichter länger: Mit dem bisherigen Einsatz lässt sich die Terrormiliz nicht besiegen. Größere Kampfansagen aber scheut nicht nur der Präsident.

Wer der amerikanischen Öffentlichkeit die US-Politik im Irak und in Syrien erklären muss, der kann einem schon leid tun. So wie Jeff Rathke, Sprecher des Außenministeriums nach der Eroberung von Ramadi durch die Kämpfer des so genannten "Islamischen Staates". Natürlich sei das ein Rückschlag gewesen, sagte er vor der Presse - aber die USA würden den Irakern helfen, Ramadi zurückzuerobern.

Nicht gerade souverän wirkte auch Präsident Obama bei einem Interview zu dem Thema. Der Zeitschrift "The Atlantic" sagte er: "Ich glaube nicht, dass wir verlieren." Bei jedem Krieg gebe es Höhen und Tiefen, so der Präsident. Ramadi sei ein "taktischer Rückschlag" gewesen, nicht mehr.

Ob Präsident Obama an einen baldigen Sieg gegen die Islamisten glaubt? Wohl kaum. US-Militärs erklären: Der Krieg gegen die Terrormiliz IS könne noch viele Jahre dauern. Unausgesprochen scheint die eigentliche Taktik des amtierenden Präsidenten zu sein, den Einfluss der Islamisten im Irak und in Syrien so weit es geht einzugrenzen, einzudämmen. Die IS-Terroristen zu besiegen, sie zu vernichten, wie Obama einst verkündete - das ist derzeit offenbar unrealistisch. Der Präsident überlässt diese Aufgabe seinem Nachfolger.

Karte der Konfliktregion im Nahen Osten

Den Luftangriffen der US-geführten Allianz zum Trotz: Der IS gewinnt weiter an Boden

Strategie? Wir haben keine!

Diese Haltung macht seine politischen Gegner wütend. Etwa John Boehner, den Vorsitzenden des Repräsentantenhauses. "Seit zwei Jahren bitte ich den Präsidenten angesichts der wachsenden terroristischen Bedrohung eine übergreifende Strategie zu entwickeln. Wir haben keine."

Bei aller Kritik an Obama: Eine Lösung für die schwierige Lage im Irak haben auch die Republikaner nicht. Senator John McCain fordert im US-Fernsehen die Entsendung von 10.000 amerikanischen Soldaten. Sie sollen den "Islamischen Staat" im Irak zurückdrängen.

Inzwischen sind laut einer Umfrage des Pew Research Center 47 Prozent der US-Amerikaner für den Einsatz von Bodentruppen im Irak; 49 Prozent sind dagegen. Noch vor wenigen Monaten waren deutlich mehr Menschen gegen ein stärkeres militärisches Engagement der USA. Das ermutigt Hardliner wie John McCain. Er wird weiter für US-Bodentruppen im Irak werben. Er hofft, dass der politische Druck auf das Weiße Haus so groß wird, dass der Präsident seine Haltung ändert.

John Boehner, Präsident des US-Kongresses

Hätte gerne eine Strategie: John Boehner, Parlamentspräsident und Obama-Widersacher

Bislang lehnt Obama die Entsendung von Bodentruppen ab. Er setzt auf US-Kampfjets. Sie sollen die Terroristen des Islamischen Staates in Schach halten. Das US-Verteidigungsministerium kündigte jetzt an, 2000 zusätzliche Panzerabwehrraketen an die irakische Armee zu liefern. Weiter werden amerikanische Militärberater irakische Kämpfer trainieren. Bislang zeigte dies nur bedingt Erfolg: Oft rannten irakische Truppen eilig davon, wenn die IS-Kämpfer vorrückten.

Deren Stärke fußt auf der Schwäche der Iraker. Letztere sind untereinander zerstritten. So weigern sich die regierenden Schiiten, sunnitische Kämpfer mit Waffen und Geld auszustatten: Sie trauen ihnen nicht. Die Sunniten betrachten mit Misstrauen die Hilfe für die irakische Regierung aus dem Iran, der schiitischen Großmacht im Mittleren Osten. Lieber schauen sie zu, wie die ebenfalls sunnitischen IS-Terroristen immer größere Teile des Landes erobern.

Am Ende wird niemand den US-Amerikanern zumuten können, an vorderster Front gegen die Terroristen zu kämpfen. Auch wenn unter den US-Bürgern die Zahl derjenigen wächst, die ein entschlosseneres Handeln gegen den IS fordern. Nur eine Minderheit befürwortet einen langfristigen und kostspieligen Krieg in Übersee.

US-Soldaten und US-Präsident Obama

Einmarsch mit Bodentruppen? John McCain ist dafür

Der konservative Politik-Experte Lawrence J. Haas vom "American Foreign Policy Council" bringt es gegenüber der DW auf den Punkt: "Wir haben uns das Ziel gesetzt, den 'Islamischen Staat' zu zerstören. Doch wir scheuen die Kosten, um dieses Ziel zu erreichen."

Der US-Präsident fordert, dass zunächst die Iraker für ihr Land zu kämpfen haben - und dann ihre Verbündeten. Obama ist nur noch eineinhalb Jahre im Amt. Schon jetzt achtet er deshalb auf sein politisches Vermächtnis. Dazu gehört in der Außenpolitik der Abzug von US-Truppen aus Afghanistan und dem Irak - und kein neues militärisches Abenteuer.