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Aktuell Nahost

IS bekennt sich zu Anschlägen in Beirut

Mit mindestens 43 Todesopfern war es der seit Jahren folgenschwerste Anschlag im Libanon. Der "Islamische Staat" will für die Tat verantwortlich sein. Sein erklärtes Ziel: Der Tod libanesischer Schiiten.

"Soldaten des Kalifats" hätten ein mit Sprengstoff beladenes Motorrad nahe einer Moschee zur Explosion gebracht, heißt es in einer Erklärung, in der sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu dem Doppelanschlag im libanesischen Beirut bekannte. Kurze Zeit später habe ein IS-Kämpfer wenige Meter entfernt einen Sprengstoffgürtel gezündet. Man habe gezielt Schiiten treffen wollen, hieißt es weiter. Das Bekennerschreiben konnte zunächst nicht verifiziert werden.

Zahlreiche Tote und Verletzte

Die beiden Attacken ereigneten sich in dem dicht besiedelten südlichen Beiruter Stadtteil Burdsch al-Baradschneh, einer Hochburg der radikal-islamischen Schiitenpartei Hisbollah. Dabei wurden nach Angaben des libanesischen Roten Kreuzes mindestens 43 Menschen getötet und etwa 240 verletzt. Wie die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtet, kam es im Abstand von fünf Minuten zu mehreren schweren Explosionen. Nach Informationen des libanesischen Senders LBC waren insgesamt vier Selbstmordattentäter in der Gegend unterwegs. Einer sei jedoch geflüchtet und ein weiterer getötet worden, bevor er seinen Sprengsatz zur Detonation bringen konnte.

Anschlag in Beirut (Foto: picture-alliance)

Chaos nach den Explosionen im Beiruter Stadtteil Burdsch al-Baradschneh

Mitglieder der Hisbollah und libanesische Soldaten forderten nach den Anschlägen die Einwohner auf, das Gebiet zu verlassen. Ministerpräsident Tammam Salam erklärte diesen Freitag zum Trauertag, an dem der Opfer gedacht werden soll.

Internationale Empörung

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Terroranschlag und erklärte, dieser sei "ein direkter und bewusster Angriff auf die Stabilität des Libanon". Die Absicht der Attentäter, ein Klima des Hasses und der Zwietracht zwischen den Konfessionen im Libanon zu schüren, dürfe nicht aufgehen. "Ich fordere daher alle gemäßigten politischen Kräfte im Libanon auf, sich nun mehr denn je um einen politischen Ausgleich zu bemühen und einer weiteren Eskalation entgegenzuwirken" so der SPD-Politiker weiter.
Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich bestürzt über die hohe Zahl an Opfern und Verletzten. Zugleich sagte er die anhaltende Unterstützung der Vereinten Nationen zu, die Sicherheitslage in dem Land zu stabilisieren.

Sunnitische Extremisten gegen schiitische Hisbollah

In den vergangenen zwei Jahren hatte es immer wieder ähnliche Anschläge in den südlichen Beiruter Stadtvierteln gegeben. Zwischen Juli 2013 und Februar 2014 wurden in der Gegend insgesamt neun Attentate verübt. In den meisten Fällen bekannten sich sunnitische Extremisten zu den Taten. Sie begründeten ihr Vorgehen mit der Entsendung tausender Hisbollah-Kämpfer in den syrischen Bürgerkrieg, wo diese auf der Seite von Präsident Baschar al-Assad gegen die überwiegend sunnitischen Aufständischen kämpfen.

nin/se (dpa, afp, rtr, ape)