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Aktuell Welt

IS überzieht Sanaa mit Bomben-Serie

Viele Bewohner von Jemens Hauptstadt fielen dem Treiben der Terrormiliz zum Opfer - und das just zu Beginn des Fastenmonats Ramadan. Was könnte den Anspruch, ein "Islamischer Staat" zu sein, stärker pervertieren?

Bei koordinierten Bombenanschlägen in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind mehr als 30 Menschen getötet worden, zahlreiche erlitten Verletzungen. Verübt wurden die Attentate auf schiitische Moscheen und Büros der Huthi-Rebellen, wie Ärzte und Augenzeugen berichteten. Die sunnitische Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS) bekannte sich zu den Attentaten und erklärte, diese seien eine "Rache" an den schiitischen Huthis. Die Rebellen kontrollieren die jemenitische Hauptstadt seit Januar.

Tod beim Abendgebet in der Moschee

Ausgeführt wurden die schweren Anschläge kurz vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sowie von Augenzeugen trafen mehrere Autobomben Moscheen, als die Gläubigen gerade zum Abendgebet erschienen. Zudem wurde das Haus des Vorsitzenden des Politbüros der Huthi-Rebellen, Saleh al-Sammad, getroffen. Der IS erklärte, das nahegelegene Politbüro selbst sei das Ziel des Angriffs gewesen. Die sunnitischen Dschihadisten betrachten die Huthis als Ungläubige. Die Rebellengruppe aus dem Norden des Landes gehört zu den Zaiditen, einer Untergruppe der Schiiten.

Zwei angebliche US-Spione gekreuzigt

Auch in anderen Teilen des Jemen hielt die Gewalt an: Ein saudischer Luftangriff auf einen Flüchtlingskonvoi tötete nahe der südlichen Stadt Aden einem Bericht zufolge 23 Menschen. Das Bombardement habe am späten Dienstag versehentlich die Autos von fliehenden Familien getroffen, berichtete die Nachrichtenseite "Aden al-Ghad".

Nach dem tödlichen Drohnenangriff auf den Al-Kaida-Vizechef Nasser al-Wahischi tötete die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) laut örtlichen Journalisten zudem zwei Männer, die angeblich für die USA spionierten. Die Verdächtigen seien von AQAP-Extremisten getötet und anschließend an zwei Brücken in der Stadt Al-Mukalla gekreuzigt worden, berichteten Zeugen. AQAP gilt als der aktivste und gefährlichste Ableger des Terrornetzwerkes.

Die unter UN-Vermittlung in Genf stattfindenden Friedensgespräche für den Jemen (Foto: Getty Images/AFP/F. Coffrini)

Weiße Tischdecken, aber keine weißen Westen: Die unter UN-Vermittlung in Genf stattfindenden Friedensgespräche

Fronten bei Friedensgesprächen verhärtet

Jemen versinkt seit Monaten immer mehr in Chaos und Gewalt. Die Huthis hatten im Januar mit ihren Verbündeten in der Armee die Hauptstadt Sanaa in ihre Gewalt gebracht und seitdem ihre Kontrolle stetig ausgebaut. Als sich die Aufständischen der südlichen Hafenstadt Aden näherten, floh Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi ins saudiarabische Exil. Eine Militärkoalition unter Führung Saudi-Arabiens startete daraufhin Ende März Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten. Die Intervention sollte den Vormarsch der Rebellen stoppen und Präsident Hadi zurück an die Macht bringen. Zwar richteten die Angriffe schwere Schäden an, ihre Ziele erreichten sie bisher aber nicht.

Bei den in Genf unter UN-Vermittlung geführten indirekten Friedensgesprächen bleiben die Fronten verhärtet. Die Huthi-Rebellen und die von Saudi-Arabien unterstützte jemenitische Exilregierung warfen sich gegenseitig vor, die Verhandlungen torpedieren zu wollen.

sti/kle (afp, dpa, rtr)