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Amerika

Irrungen und Wirrungen im Fall Amiri

Vom CIA entführt oder ein Überläufer? Der Fall des iranischen Atomforschers Shahram Amiri, der vor einem Jahr verschwand und dann in den USA wieder auftauchte, gibt Rätsel auf – nun ist er zurück in seinem Heimatland.

Shahram Amiri (Foto: AP)

Amiri in einem YouTube.Video, das am 7. Juni im iranischen Fernsehen ausgestrahlt wurde

Es klingt nach einem mysteriösen Agententhriller zwischen Ost und West: Ein iranischer Atomwissenschaftler verschwindet, taucht ein Jahr später in den USA auf und behauptet vom US-Geheimdienst CIA entführt, schließlich erpresst worden zu sein. Letztendlich kann der Mann in den Iran zurückkehren, es gibt am Donnerstag (15.07.2010) einen Ehrenempfang am Flughafen von Teheran und das iranische Fernsehen vermeldet einen "Sieg der islamischen Republik über die USA".

Aus Washington dagegen heißt es erst, man kenne den Mann nicht, dann, er sei ein Überläufer, der seine Meinung geändert habe. Dazu kommen dubiose Videos, angebliche Millionenzahlungen und die Meldung, der vermeintliche Atomwissenschaftler sei überhaupt kein Atomwissenschaftler. Der Fall Shahram Amiri sorgt für Verwirrung.

Der Beginn der Odyssee

Begonnen haben soll alles im Juni 2009. Damals sei der 32-jährige Physiker Amiri während einer Pilgerreise in Saudi-Arabien spurlos verschwunden. Der Iran wirft den USA vor, Amiri von dort gemeinsam mit dem saudischen Geheimdienst entführt und in die USA verschleppt zu haben. Amiri selbst gibt an, unter Drogen gesetzt und "härtester physischer und mentaler Folter" ausgesetzt worden zu sein. Er sehe sich als "Druckmittel" missbraucht, um Informationen über Irans Atomprogramm zu erpressen. Dabei sei er auch von israelischen Ermittlern befragt worden, die ihn, so die Vermutung, nach Israel hätten bringen wollen. Das US-Außenministerium bestritt mehrmals, den Iraner überhaupt zu kennen.

Wer ist Amiri?

Als Held gefeiert - Shahram Amiri bei seiner Ankunft in Teheran (Foto: AP)

Als Held gefeiert - Shahram Amiri bei seiner Ankunft in Teheran

Amiri gibt an, ein "einfacher Forscher" zu sein, der mit den Urananreicherungslagern Natans und Fordos nichts zu tun habe, so wird Amiri von der Nachrichtenagentur AFP zitiert. Aus Teheran heißt es, Shahram Amiri sei ein "Forscher an der Malek-Aschtar-Universität", in Saudi-Arabien habe er für medizinische Zwecke geforscht. Eben jene Universität steht auf der UN-Sanktionsliste und soll enge Verbindungen zum iranischen Verteidigungsministerium sowie zum Atom- und Raketenprogramm haben. Das iranische Atomprogramm ist den USA seit Jahren ein Dorn im Auge, weil sie vermuten, Teheran sitze an der Entwicklung nuklearer Waffen. Erst Anfang Juni setzen die USA weitere UN-Sanktionen gegen den Iran durch.

Widersprüchliche Meldungen

Drei Monate nach Amiris spurlosem Verschwinden wurde zudem Irans zweite, sich im Bau befindende Atomanreicherungsanlage Ghom bekannt. Der Atomenergiebehörde IAEA meldete Iran die Anlage aber erst, nachdem die USA, Großbritannien und Frankreich die iranische Anlage selbst melden wollten. Zudem tauchten Berichte auf, in denen der Name Amiri in Verbindung mit westlichen Geheimdiensten fiel.

Passend dazu verbreitete der US-amerikanische Fernsehsender ABC die Nachricht, Amiri sei zum CIA übergelaufen – wieder ein umgehendes Veto des US-Außenministeriums, die ABC-Informationen konnte bisher nicht belegt werden. Ebenso wenig wie die Version von Amiri selbst, bzw. einem Mann, der sich in zahlreichen Videobotschaften als Amiri ausgab.

Der iranische Präsident Ahmadinedschad (Foto: AP)

Die USA trauen dem iranischen Atomprogramm nicht - sie vermuten, das Land arbeitet an Nuklearwaffen

Ein freier Mann?

Darin stellt sich ein Mann als Amiri vor und erklärt auf Farsi, vom US-Geheimdienst in Arizona festgehalten zu werden. Später hieß es, er lebe als freier Forscher in Arizona, in einem anderen sprach er davon "aus den Händen der Agenten des amerikanischen Geheimdienstes" geflohen zu sein und sich im US-Bundesstaat Virginia zu befinden. Schließlich äußerte Amiri die Angst, bald wieder festgenommen zu werden und die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr in den Iran.

US-Amerikanische Medien zitierten derweil CIA-Mitarbeiter mit den Worten: Wäre der Mann in dem Video der Mann, für den er sich ausgebe, stände der Geheimdienst in Kontakt zu ihm. Außerdem sei es fragwürdig, ob ein gegen seinen Willen festgehaltener Mann Videobotschaften produzieren könnte. So auch US-Außenministerin Hillary Clinton am Montag (12.07.2010) vor Journalisten: "Er ist frei zu gehen, er war frei, zu kommen, es liegt alles bei ihm." Eine Stellungnahme dazu, was Amiri in den USA gemacht habe, gab es nicht.

Geld im Spiel?

Am Montag war Amiri überraschend in der pakistanischen Botschaft in Washington aufgetaucht, die in den USA die Interessen Teherans vertritt. Nach US-Angaben kehrte Amiri in den Iran zurück, weil er Repressionen gegen seine Familie fürchtete.

Symbolbild des US-Geheimdienstes CIA (Foto: dpa)

Welche Rolle spielt der CIA?

Am Donnerstag (15.07.2010) darauf veröffentlicht die "Washington Post" unter Berufung auf US-Regierungsbeamte die Meldung, die US-Regierung habe Amiri fünf Millionen Dollar für Informationen über das iranische Atomprogramm gezahlt. Nach seiner Rückkehr in den Iran komme Amiri aber nicht mehr an das Geld heran. "Auf alles, was er bekam, hat er keinen Zugriff mehr, dank der Finanz-Sanktionen gegen den Iran", sagte der US-Regierungsbeamte.

Schadensersatz oder Humbug?

Laut Amiri war in der Tat Geld im Spiel, sogar mehr als von den Amerikanern angegeben. "Mir wurden 10 Millionen Dollar angeboten, damit ich im US-Nachrichtensender CNN zugebe, dass ich in den USA Asyl beantragt habe, und weitere 50 Millionen, damit ich nicht zurückkehre", zitierte die iranische Nachrichtenagentur ISNA den Wissenschaftler am Donnerstag. Als anständiger Iraner habe er das Geld jedoch abgelehnt, so Amiri.

Er will die USA nun wegen psychischen und physischen Missbrauchs auf Schadenersatz verklagen. Außenminister Manuchehr Mottaki beteuert, dass er den Fall verfolgen und notfalls auch rechtliche Schritte gegen die USA wegen Entführung einleiten werde. Beobachter glauben, Teheran versuche mit dem Fall Amiri die US-Regierung vor der Welt zu diskreditieren und zu zeigen, dass die USA und Israel für ihre Interessen auch vor illegalen Methoden nicht

zurückschrecken. Fest steht: Der Fall Amiri bleibt ein Geheimnis, mit jeder neuen Information wird die Geschichte verworrener, Belege für die Richtigkeit der einen oder anderen Aussage gibt es nicht.

Autorin. Anne Herrberg (ap, dpa, afp)

Redaktion: Sven Töniges

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