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Treffpunkt Europa

Irland: Eine Insel wird wiederentdeckt

Es ist nur eine kurze Bootsfahrt vom Festland nach Gola, einer Insel direkt vor der Küste von County Donegal in Irland. 30 Jahre war die Insel unbewohnt, doch einige Anwohner haben die Insel wiederentdeckt.

Aussicht über die Bucht von Gola

Eine alte Feuerstelle

Eine alte Feuerstelle

Die Insel erscheint auf den ersten Blick gespenstisch. Verlassene Häuser stehen verstreut in der Gegend, viele mit zerbrochenen Fensterscheiben. Bröckelige Wände, kaputte Dächer. Ein genauerer Blick auf die vernachlässigten Grundstücke lässt ehemalige Gärten erkennen und alte Felder. Vor wenigen Jahrzehnten lebten hier noch Fischer und Bauern, erzählt Charlie Roarty. Die Fischer haben sich abends an einem Schuppen versammelt und sich die ganze Nacht lang gegenseitig Geschichten erzählt. Er fühle sich privilegiert, dass er als Kind Dank seines Vaters dabei sein konnte. Die meisten Kinder hätten das nicht gedurft. Er habe noch schöne Erinnerungen an diese Nächte.

In Charly Roartys Jugend war Gola die Heimat einer engen, hart arbeitenden Gemeinschaft. Viele verschiedene Grüppchen lebten auf der Insel, die man in ein paar Stunden zu Fuß ablaufen kann. In den 1950er Jahren konnte die Insel wirtschaftlich aber nicht mehr mithalten - im Vergleich zu den Chancen auf dem Festland. Dorthin ist dann eine Familie nach der anderen umgesiedelt. Mitte der 60er Jahre wurde die Schule geschlossen, der Anfang vom Ende für die Einwohner von Gola. Ende der 80er schließlich war die Insel komplett verlassen.

Zurück nach Hause

Ein renoviertes Haus auf Gola

Ein renoviertes Haus auf Gola

Auch der mittlerweile 54 Jahre alte Eddie McGee segelte mit seiner Familie 1967 Richtung Festland, aber heute ist er einer derer, die zurückgekommen sind um die Insel wiederzubeleben. Er hat das Haus, in dem er geboren wurde und bis zum 13. Lebensjahr wohnte, renoviert. Seitdem ist es das neue Heim der Familie, immerhin sei man jetzt öfter dort als auf dem Festland, sagt McGee.

Eddie erzählt, dass die meisten der heruntergekommenen Häuser in Gola immer noch den ursprünglichen Eigentümern gehören. Und er ist froh, dass eine immer größere Zahl früherer Einwohner wiederkommt. Um die Häuser ihrer Vorfahren zu renovieren und dort zu wohnen – zumindest ein paar Monate im Jahr. Einen besonderen Anreiz gab es vor zwei Jahren: Dann nämlich kam Elektrizität nach Gola. Doch auch schon vorher haben ausländische Touristen den Charme der Insel für sich entdeckt.

Früher war alles besser

Ein verlassenes Dorf

Ein verlassenes Dorf

Kristin Hannesdottir ist eine isländische Architektin. Gemeinsam mit ihrem irischen Ehemann, ebenfalls Architekt, entdeckten sie Gola während einer Ferienreise in den 60er Jahren. Von einer Frau, die die Insel verlassen hatte, kauften sie ein Häuschen und renovierten es jahrelang, bis es wieder so aussah wie früher. "Als wir es gekauft haben, war es schon jahrelang unbewohnt", erinnert sich Kristins Ehemann Nicholas, "Wir bekamen die Tür nicht auf, kletterten also durchs Fenster am anderen Ende. Und wenn man dann hineinsprang, gab der Boden nach, so morsch war alles. Jahrelang war nicht mit Feuer geheizt worden, und man braucht Wärme um die Häuser hier trocken zu halten."

Heutzutage bietet das gemütliche kleine Haus des Paares die Möglichkeit, sich das alte Gola vorzustellen, wie es vor dem Exodus ausgesehen hat. Von hier aus hat man einen Blick auf einen malerischen natürlichen Hafen, der immer belebter wird, je mehr Einwohner auf die Insel zurückkehren. Aber wenn es nach Kristin geht, sollte Gola möglichst idyllisch bleiben und nicht so modern wie das Festland.

Mit der Elektrizität kommt die Moderne

Gola auf der Landkarte

"Es ist der schönste Platz überhaupt", schwärmt sie, "auch weil man bis vor kurzem kein elektrisches Licht hatte, wir hatten Petroleumlampen. Wir müssen draußen zur Toilette gehen. Und das ist wundervoll so." Kristin findet es schade, dass man Häuser sieht, die so modern sind wie die Häuser auf dem Festland. Vielleicht ist das die Gefahr für Gola im 21. Jahrhundert: Dass die Regeneration der Insel auf Kosten der traditionellen Gebäude geht. Einige Einwohner benutzen neue Materialien wie Zement, um sie zu reparieren. Andere bauen gleich ein ganz neues Haus und kümmern sich nicht mehr um das alte. Möglicherweise wird die Moderne über die Historie siegen und somit den jahrhundertealten Charakter der Insel für immer verändern.

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