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Kultur

Irina Kolesnikova will zum Helfen motivieren

Die Primaballerina Irina Kolesnikova ist selbst Mutter und kann die Bilder aus den Flüchtlingslagern, die Not der Kinder, nicht vergessen. Daher hat sie beschlossen, ein Ballett zur Flüchtlingskrise aufzuführen.

Schriftsteller, Musiker, Künstler, Theaterleute – viele sehen sich als Bürger dieser Welt und nutzen ihre Popularität, um zur Solidarität mit Flüchtlingen aufzurufen, Spenden zu sammeln oder aufkeimenden Rassismus zu kritisieren. Woher kommt ihr Engagement? Drei Fragen, drei Antworten: unsere DW-Serie "Mein Einsatz".

DW: Wie setzen Sie sich für Flüchtlinge ein?

Irina Kolesnikova: Ich verfolge die Flüchtlingskrise, seit sie im vergangenen Sommer ihren Höhepunkt erreichte. Aber jetzt hatte ich das Gefühl, dass die Menschen durch die Bilder am Fernseher oder auch im Internet abgestumpft sind. Ich hatte Angst, dass die Medien sich jetzt für eine andere Geschichte interessieren würden und die Flüchtlinge in Vergessenheit geraten. Die Menschen in den Lagern, vor allem diejenigen an der Grenze zwischen Mazedonien und Serbien, scheinen vergessen worden zu sein. Also dachte ich mir, dass es an der Zeit war zu handeln.

Ich habe gehört, dass Oxfam diese Menschen unterstützt, indem sie kostenlose Rechtsberatung durch mazedonische Anwälte anbietet. Deshalb habe ich die Lager vor Ort selbst besucht, um mir einen Eindruck von der Situation zu verschaffen und zu sehen, welche Arbeit Oxfam dort macht. Mit dem, was ich dort erfahren und gesehen habe, arbeite ich nun an einer neuen Version des Balletts "Mein Name ist Carmen", das in einem Flüchtlingslager spielen wird. Die Premiere wird im August in London gefeiert. Ein Pfund von jedem verkauften Ticket geht an Oxfam, um die Arbeit in den Flüchtlingscamps zu unterstützen.

Warum tun Sie das?

Ich hoffe, durch die Kunst auf die Notlage der Flüchtlinge aufmerksam zu machen. Ich habe nicht soviel Geld, um die Lage der Flüchtlinge zu verbessern. Aber vielleicht werden die Menschen durch meine Arbeit aufmerksam und sehen, wieviel noch getan werden muss und sind dadurch motiviert zu helfen. Auch wenn jeder nur einen kleinen Beitrag leistet, kann viel erreicht werden.

Vor allem nach dem Besuch der Flüchtlingslager bin ich noch motivierter, den Flüchtlingen zu helfen. Einfach nur darüber zu lesen oder aber tatsächlich die Lage der Menschen vor Ort zu sehen und mit ihnen gesprochen zu haben, macht einen großen Unterschied. Ich traf eine junge Frau, die wenige Tage zuvor ein Kind geboren hatte. Ihr Mann hatte es als Flüchtling erfolgreich bis nach Deutschland geschafft. Aber als sie an der serbisch-mazedonischen Grenze ankam, war es bereits zu spät. Flüchtlinge wurden nicht durchgelassen. So blieb sie zwischen zwei Ländern stecken und musste schließlich in einem behelfsmäßigen Lager ihr Kind entbinden. Das Einzige, was sie sich gewünscht hat, war mit ihrem Mann in Deutschland wieder vereint zu sein. Viele Leute, die ich im Lager getroffen hatte, hatten ähnliche Sorgen und Probleme.

Aber ich hatte nicht nur ein negative oder deprimierende Erfahrungen im Camp. Ein kleines Mädchen lief mir die ganze Zeit hinterher und ließ meine Hand nicht los. Als ich dann schließlich gehen musste, gab sie mir einen kleinen Plastikring, der wie eine Blume aussieht. Ich habe ihn seitdem getragen und willl ihn auch bei meiner Aufführung von Carmen tragen. Ich werde ihn nicht ablegen, bis ich weiß, dass Kinder wie sie sicher sind.

Was möchten Sie damit bewirken?

Ich hoffe, dass die Menschen sehen, was ich tue, und dem Beispiel folgen. Ich kann durch meine Arbeit auf die Notlage aufmerksam machen. Vielleicht werden einige Leute es sehen und Geld spenden, ein Arzt könnte es sehen, und dadurch inspiriert sein, in den Lagern freiwillig auszuhelfen. Andere schicken danach vielleicht Kleiderspenden. Jeder kann etwas tun, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist, und die Situation zum Besseren verändern.

Ich bin vor allem von derGeschichte der Frau berührt gewesen, die mit einem kleinen Baby zwischen den Grenzen feststeckt und unbedingt wieder mit ihrem Ehemann vereint werden möchte. Ich hoffe wirklich, dass ihr irgendwie geholfen werden kann und die Familie nicht gezwungen ist, länger in dieser schrecklichen Situation verharren zu müssen.

Ich möchte durch meine Arbeit auch zeigen, dass diese Flüchtlinge Menschen sind wie du und ich. Jeder von uns könnte in dieser Lage landen. Diese Menschen waren Lehrer, Mechaniker oder Krankenschwestern, und plötzlich wurde ihr Leben auf den Kopf gestellt. Das dürfen wir nicht vergessen.

Irina Kolesnikova stammt aus Russland und tanzt beim berühmten St. Petersburger Ballett. Bei internationalen Auftritten übernahm die Primaballerina unter anderem die Titelrolle in "Giselle" und sowohl die Odette als auch die Odile in "Schwanensee". Andere berühmte Rollen waren Prinzessin Aurora in "Dornröschen", Mascha in "Der Nussknacker" und "Scheherazade".

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