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Nahost

"Irgendetwas ist schiefgelaufen"

Die internationale Presse kommentiert am Freitag (21.3.2003) den ersten Tag des Krieges gegen den Irak. Es geht aber auch um die zukünftige Rolle der Diplomatie.

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Zum Beginn des Irak-Krieges meint die linksliberale britische Zeitung "The Independent": "Wer kann schon voraussagen, welche Konsequenzen dieser Krieg haben wird? Aber falls ein demokratischer Irak und ein erneuerter Nahost-Friedensprozess zu den Ergebnissen gehören sollten, wäre das mehr, als man zu hoffen gewagt hätte. Vor allem zu diesem Zweck sollten britische Streitkräfte im Irak eingesetzt und der britische Einfluss auf die einzige Supermacht genutzt werden."

Die italienische Tageszeitung "Il Sole 24 Ore" kommentiert am Freitag ebenfalls den ersten Tag des Irak-Krieges: "Es hätte als der erste Cyber-Krieg in die Geschichte eingehen sollen, doch irgendetwas ist schiefgelaufen in den Plänen von George W. Bush und Tony Blair. (...) Der erste Schlag, der Saddams Regime enthaupten sollte, ist ins Leere gegangen. Saddam hat den Angriff von 36 Cruise-Raketen überlebt und gleich darauf ist er im TV aufgetreten (falls es wirklich er selbst war), um zu demonstrieren, dass er am Leben ist. Dies hat ihm einen ersten psychologischen Vorteil gegeben. Er ist herausgefordert worden und hat überlebt. Das bedeutet, dass die Angriffe beschleunigt werden müssen, und nicht unbedingt in vorteilhafter Weise. (...) Es schient, als wäre man zur alten Formel des Zweiten Weltkrieges zurückgekehrt: Verheerende Luftangriffe über Wochen und Monate und danach das Vordringen der Bodentruppen."

Szenario: Kampf der Kulturen

Die russische Tageszeitung "Wedomosti" aus Moskau befasst sich mit den zu erwartenden Schwierigkeiten nach einem Ende des Krieges im Irak: "Wie geht es weiter? Richtig interessant wird es nach dem Ende der Militäroperation. Die USA stehen dann vor zwei kolossal schweren Problemen. Washington muss sich zum einen auf einen inneren Zerfall des ethnisch komplizierten Staates Irak gefasst machen. Vor diesem Hintergrund wird der Umbau von Staat und Gesellschaft nicht leicht fallen. Das zweite Problem wird noch schwieriger und umfassender. Die US-Führung hat sich nicht nur zur Aufgabe gemacht, einen Machtwechsel im Irak herbeizuführen. Das Nachkriegs-Irak soll zu einem Vorzeigemodell für die Verwestlichung eines Staates im muslimischen Osten aufgebaut werden. (...) Sollte dieses 'demokratische Schaufenster' für die arabische Welt scheitern, wird das Szenario eines Kampfes der Kulturen zwischen islamischer und westlicher Zivilisation immer wahrscheinlicher."

Die konservative französische Tageszeitung "Le Figaro" hofft auf ein rasches Ende des Irak-Krieges: "Nachdem der Krieg begonnen hat, kann man nur hoffen, dass er so schnell wie möglich zu Ende geht. Vor allem aus humanitären Gründen ist dies geboten. Das ist aber nicht allein der Grund. In wenigen Monaten hat die Welt den alten Blessuren neue Brüche hinzugefügt. Um nur einige aufzuzählen: das politische Scheitern Europas, die Diskreditierung der Vereinten Nationen, die Krise des Westens, das Auftreten neuer Achsen, die das Weltgeschehen noch komplexer machen. Und in dieser Negativliste darf man nicht den Nahen Osten und die Konsequenzen dieses Krieges vergessen."

Diplomatie bleibt ein nützliches Instrument

Zur Rolle der Diplomatie im Irak-Konflikt schreibt die konservative spanische Zeitung "ABC": "Die Diplomatie bleibt ein nützliches Instrument, auch wenn sie den Krieg im Irak nicht abwenden konnte. Es gibt viele Möglichkeiten, die internationalen Beziehungen wiederherzustellen. Saddam Hussein verdient es nicht, in die Geschichte einzugehen als derjenige, der die Mechanismen für Frieden und Sicherheit in eine unüberwindbare Krise gestürzt hat. Es gibt auf diesem Gebiet durchaus positive Zeichen. Die europäischen Christdemokraten haben den Weg gewiesen. Das Vertrauen in die Vereinten Nationen, die transatlantischen Beziehungen und die vorrangige Lösung des Palästina-Problems sind Bereiche, in denen es Gemeinsamkeiten gibt."

Die linksliberale polnische Zeitung "Gazeta Wyborcza" kommentiert den amerikanischen Angriff auf den Irak: "Saddam Hussein hat den Krieg gewählt. Er beschloss, seine despotische Herrschaft bis zum letzten Bürger des Iraks zu verteidigen. Jeder Krieg ist ein Unglück. Er bedeutet Opfer, Leiden, Tod. (...) Man muss jedoch daran erinnern, um was es in diesem Krieg geht. Dies ist ein Krieg gegen ein despotisches Regime, das gefährlich für die Welt und tödlich für die Iraker selbst ist, ein Regime, das die eigenen Bürger folterte und ermordete, das terroristische Aktionen in aller Welt finanzierte."

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