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Aktuell Europa

Iren stimmen für die Homo-Ehe

Beim Volksentscheid in Irland haben sich die Befürworter der Homo-Ehe durchgesetzt. Nach Auszählung aller Bezirke ist der Sieg mit 62,1 Prozent der Stimmen eindeutig. Da wurde auf den Straßen Dublins längst gefeiert.

Wenn eine Seite ihre Niederlage einräumt, darf die andere Partei bereits feiern. Das gilt auch beim Volksentscheid in Irland. Obwohl noch nicht alle Stimmen ausgezählt waren, versammelten sich Schwule und Lesben in der Innenstadt von Dublin, um den historischen Erfolg zu feiern. Zuvor hatte David Quinn, der als Direktor der katholischen Denkfabrik Iona Insititute vehement gegen die Einführung der Homo-Ehe gekämpft hatte, von einem beeindruckenden Sieg der Gegenseite gesprochen und artig gratuliert.

Und sein Einräumen der Niederlage deckt sich mit der Aussage von Aodhan O'Riordain. "Ich glaube, wir haben gewonnen", erklärte der irische Gleichstellungsminister in Dublin und ergänzte, dass er gerade sehr stolz auf die Iren sei. O'Riordain war nicht der einzige Minister, der sich für gleichgeschlechtliche Eheschließungen in seinem Land ausgesprochen hatte. Die ganze Regierung um den konservativen Premierminister Enda Kenny unterstützt die Kampagne der Befürworter. Die katholische Kirche ist strikt dagegen, doch ihr Einfluss scheint nach zahlreichen Skandalen um sexuellen Missbrauch durch Priester gelitten zu haben.

Abstimmung mobilisierte Exil-Iren

Rund 3,2 Millionen Wahlberechtigte waren am Freitag zur Stimmabgabe aufgerufen. Mehr als 65 Prozent machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Irische Medien berichteten über zahlreiche Wähler, die per Auto aus dem benachbarten Großbritannien und sogar per Flugzeug aus dem Ausland in ihre Heimat zurückgekommen waren, nur um abstimmen zu können.

Sie alle haben für eine weltweite Premiere gesorgt. Nach dem offiziellen Endergebnis stimmten 62,1 Prozent mit Ja und knapp 38 Prozent mit Nein. Damit ist Irland das erste Land, das die Homo-Ehe per Volksentscheid eingeführt hat. Und das, obwohl sich hier Homosexuelle vor 22 Jahren noch strafbar gemacht hatten.

Bisher ist in Irland wie auch in Deutschland nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare möglich. Kritikern ist das zu wenig. Sie fordern den gleichen gesetzlichen Schutz wie bei Ehen zwischen Mann und Frau. Durch den Sieg der Befürworter ist nun der Weg für eine Verfassungsänderung frei. Ob die Kirchen in der Praxis nachziehen werden, bleibt allerdings abzuwarten. Im Falle der Einführung sollen sie weiter frei entscheiden dürfen, ob sie gleichgeschlechtliche Paare trauen wollen oder nicht.

djo/rb (ap, dpa, rtr)