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Nahost

Irans erstes AKW soll in Kürze starten

Nach jahrelanger Verzögerung steht Irans erstes Atomkraftwerk kurz vor seiner Inbetriebnahme. Noch im August soll das von Russland gebaute Kraftwerk in Buschehr mit Brennstoff versorgt werden.

Atomkraftwerk Buschehr (Foto: ISNA)

Bald am Netz: Die Atomanlage in Buschehr

Das umstrittene Kraftwerk im Süden Irans hätte schon vor zehn Jahren fertig sein sollen. Nun wurden letzte Tests beendet, so dass der Betrieb der Anlage in Buschehr in Kürze beginnen kann. Ein Sprecher der russischen Atombehörde Rosatom sagte am Freitag (13.08.2010), das Kraftwerk werde am 21. August mit Brennstoff ausgerüstet. Das sei eine zentrale Voraussetzung zum Start der mit russischer Hilfe gebauten 1000-Megawatt-Anlage. Allerdings sei der Reaktor noch nicht unmittelbar betriebsbereit.

Atomkraftwerk Buschehr (Foto: ISNA)

Das AKW gehört zu den Streitpunkten des Iran mit der internationalen Gemeinschaft

Die russische Nachrichtenagentur Interfax hatte zuvor unter Berufung auf eine Erklärung der russischen Atombehörde berichtet, der Reaktor gehe am 21. August ins Netz. Die Stellungnahme wurde jedoch zurückgezogen. Im Juli hatte die iranische Atombehörde erklärt, die Atomanlage werde im September starten.

Die offizielle Inbetriebnahme des von Russland gebauten Kraftwerks soll den Angaben zufolge von einem Festakt begleitet werden. Dazu will auch Rosatom-Chef Sergej Kirijenko in den Iran reisen.

Zahlungsprobleme verhinderten den Bau

Die eigentlich für das Jahr 2007 geplante Fertigstellung der Anlage hatte sich immer wieder verzögert - auch wegen Zahlungsproblemen auf iranischer Seite. Noch vor der Iranischen Revolution von 1979 hatte der deutsche Siemens-Konzern mit dem Bau der Atomanlage in Buschehr begonnen. Diese Arbeiten wurden dann aber im Zuge des irakisch-iranischen Kriegs 1980 eingestellt. Russische Ingenieure nahmen das Projekt im Jahr 1994 wieder auf.

Atomkraftwerk Buschehr (Foto: ISNA)

Russische Ingenieure bauten die iranische Anlage

Bisher betreibt der Iran nur einen nuklearen Forschungsreaktor in Teheran. Gegen die Urananreicherung des islamischen Landes gibt es international zahlreiche Vorbehalte. Insbesondere die USA hatten Russlands Pläne kritisiert, den Reaktor in Betrieb gehen zu lassen. Zwar beteuert der Iran, den Brennstoff nur für zivile Zwecke nutzen zu wollen. Der Westen befürchtet jedoch, dass die Regierung in Teheran unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung den Bau einer Atombombe betreibt.

US-Außenministerin Hillary Clinton hatte noch im Frühjahr gefordert, das Projekt in Buschehr dürfe nicht fortgesetzt werden, solange Teheran Garantien dafür schuldig bleibe, dass es unter dem Vorwand der Stromgewinnung nicht heimlich nach Atomwaffen strebe.

Sanktionen wegen Atomprogramm verhängt

Atomkraftwerk Buschehr (Foto: ISNA)

Das Atomkraftwerk in in Buschehr liegt im Süden des Landes

Die Vereinten Nationen hatten Anfang Juni Sanktionen gegen den Iran wegen seines umstrittenen Atomprogramms verhängt. Die USA, Kanada und die europäische Union beschlossen anschließend noch darüber hinausgehende, härtere Strafmaßnahmen. Russland hatte zwar die Sanktionen im Weltsicherheitrat mitgetragen, allerdings die zusätzlichen Strafen von EU und USA verurteilt.

Irans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad setzte als Reaktion auf die Sanktionen die Verhandlungen über sein Atomprogramm bis September aus. In dieser Woche kündigte die iranische Regierung nun eine weitere Maßnahme an: Das Land will seine internationalen Geschäfte künftig nicht mehr in Euro und Dollar abwickeln. Die beiden Währungen seien "schmutzig", Geschäfte sollten nur noch in den Währungen verbündeter Länder verrechnet werden, sagte der iranische Vizepräsident Mohammed-Resa Rahimi nach iranischen Medienberichten vom Dienstag. Auch auf dem Dollar-dominierten Ölmarkt wolle das Land die beiden Währungen nicht mehr akzeptieren.

Autorin: Ursula Kissel (afp, rtr, dpa, apn)
Redaktion: Marko Langer

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