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Iran

Iranischer Atomforscher stirbt bei Anschlag

Iranische Atomwissenschaftler leben gefährlich: In den vergangenen zwei Jahren starben mehrere iranische Nuklearexperten eines gewaltsamen Todes. Teheran vermutet, dass Israel hinter den Anschlägen steckt.

Autowrack des ermordeten iranischen Atomwissenschaftlers Roshan (Foto: Fars News Agency, Mehdi Marizad/AP/dapd)

Bei dem Attentat kam auch der Fahrer Roshans ums Leben

Der jüngste Fall: Bei einer Bombenexplosion in der iranischen Hauptstadt Teheran wurden am Mittwoch (11.01.2012) der Wissenschaftler Mostafa Ahmadi Roshan und sein Fahrer getötet. Der Wissenschaftler war Absolvent der technischen Universität "Sharif" und leitete eine Handelsabteilung der Urananreicherungsanlage in Natans.

Der Anschlag ereignete sich gegen 8.30 Uhr morgens nahe des Ketabi-Platzes im Osten Teherans. Ein weiterer Mitfahrer des Wissenschaftlers wurde bei dem Anschlag verletzt. Nach Angaben von Teherans Vize-Gouverneur Safar Ali Baratlu habe ein Motorradfahrer die Bombe unter dem Auto Roshans angebracht.

Eine Überwachungskamera soll den Motorradfahrer gefilmt haben, meldete die iranische Nachrichtenagentur Fars. Sicherheitsbeamte seien dabei, die Videoaufnahmen auszuwerten.

Teheran beschuldigt Israel

Verschiedene iranische Politiker werfen Israel vor, für den Tod des Atomexperten verantwortlich zu sein. Der Sprecher des Ausschusses "Sicherheit und Außenpolitik" des iranischen Parlaments, Kazem Jalai, sagte in einer Pressekonferenz: "Einige Terroranschläge werden von Israel gesteuert. Diese Anschläge zeigen, dass Irans Informationen für die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) an Sicherheitsdienste der Feinde Irans weitergeleitet werden." Er bezichtigte die Internationale Atomenergiebehörde in Wien einer Mitschuld am Tod der iranischen Atomexperten. Das iranische Volk habe, laut Kazem Jalai, "deshalb kein Vertrauen mehr in die IAEA."

Foto der vier iranischen Atomwissenschaftler, die getötet wurden (Foto: Fars)

Roshan ist nicht der erste iranische Nuklearforscher, der gewaltsam ums Leben kam

"Zionistische Kräfte"

Die Nachrichtenagentur ISNA zitiert Mohammad Reza Rahimi, den ersten Stellvertreter des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. Er sagte am Mittwoch in einer Regierungssitzung: "Diejenigen, die angeblich immer gegen Terrorismus gekämpft haben, verüben heute selbst Terroranschläge auf iranische Wissenschaftler." Er beschuldigte die "Großmächte und ihre Anhänger, besonders zionistische Kräfte", für das Attentat verantwortlich zu sein. "Terroranschläge auf die Forscher sind Verrat an der Wissenschaft", fügte er hinzu. Ein anderer iranischer Politiker erklärte, dass solche Terroranschläge "die Entwicklung in Iran" nicht behindern könnten.

Auch Teherans Vize-Gouverneur Baratlu beschuldigt Israel. "Israel ist für dieses Attentat verantwortlich, die Methode gleicht der anderer Anschläge auf iranische Wissenschaftler", sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars.

Israel und USA weisen Vorwürfe zurück

Ähnliche Attentate auf iranische Atomforscher hatte es schon früher gegeben: Vor etwa einem Jahr wurde der Physiker Majid Shahriari getötet. Vor genau zwei Jahren kam auch der iranische Nuklearwissenschaftler Massod Ali Mohammadi bei einem Anschlag ums Leben.

Auch diesmal wiesen Israel und die USA die Vorwürfe einer Mitverantwortung für das Attentat zurück. US-Außenministerin Hillary Clinton erwähnte vor Journalisten in Washington den jüngsten Anschlag nicht direkt, bezog sich aber offenbar darauf, indem sie klarstellte, es gebe keine "Verwicklung der USA in jegliche Art von Gewaltaktionen innerhalb des Irans".

Autoren: Shirin Jazaeri/Fahimeh Farsaie

Redaktion: Ziphora Robina/Thomas Grimmer