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Nahost

Iranischer Aktivistin droht die Todesstrafe

Shiva Nazar Ahari sitzt unter anderem wegen "Feindschaft gegen Gott" seit Ende 2009 in Teheran im Gefängnis. Ihr droht die Todesstrafe. Reporter ohne Grenzen hat eine Petition zur Rettung von Ahari ins Leben gerufen.

Menschrechtsaktivistin und Bloggerin Shiva Nazar Ahari(Foto: DW)

Menschrechtsaktivistin und Bloggerin Shiva Nazar Ahari

Shahrzad Kariman, die Mutter der 26-jährigen Menschrechtsaktivistin und Bloggerin Shiva Nazar Ahari, versucht, die Fassung zu bewahren. Tiefe Traurigkeit liegt in ihrer Stimme. Vor wenigen Tagen hat sie Ihre Tochter im Teheraner Evin-Gefängnis besucht - in einer Besucherkabine, wie sie sie nennt: "Shiva zeigt sich mir gegenüber stark und motiviert und beklagt sich nicht über ihre Situation. Nach drei Monaten Wartezeit ist ihre Gerichtsverhandlung nun für den 4. September angesetzt. Shivas Anwalt dürfe sie nicht besuchen, sagt ihre Mutter.

Shiva Nazar Ahari ist Gründungsmitglied der iranischen Menschenrechtsorganisation "Committee of Human Rights Reporters" (CHRR). Als Redakteurin der Webseite der Organisation hat Shiva Nazar Ahari über Menschenrechtsverletzungen im Iran berichtet und sich insbesondere für die Rechte von Gefangenen, Flüchtlingen, Frauen und Kindern eingesetzt. Seit der Präsidentschaftswahl im Juni 2009 übt die Regierung verstärkt Druck auf CHRR aus. Die Zusammenarbeit mit dem Komitee wird als Straftat geahndet. Shivas Mutter kann nicht verstehen was ihrer Tochter passiert ist. "Shiva setzt sich seit fünf Jahren für Frauenrechte und Straßenkinder ein. Ich habe mir oft Sorgen gemacht, weil sie sogar ihre Freizeit in armen Stadtvierteln und mit Straßenkinder verbrachte." Aber sie habe immer gewusst, dass sich ihre Tochter bei ihrer Arbeit an alle Gesetzte und Vorschriften hielt, um den Behörden keinen Anlass zu geben ihre Aktivitäten zu stoppen.

Vorwurf: "Feindschaft gegen Gott"

Einen Anlass, die Menschenrechtsaktivistin zu verhaften, haben die iranischen Behörden dennoch gefunden. Sie haben Shiva Nazar Ahari am 20. Dezember 2009 festgenommen, als sie an der Beerdingung von Ayatollah Montazeri, einem bedeutenden Kritiker der iranischen Regierung, teilnehmen wollte.

Shiva Nazar Ahari mit Straßenkindern in Teheran(Foto: DW)

Ahari arbeitet seit fünf Jahren mit Straßenkindern in den Armenvierteln Teherans

Ihr Anwalt, Dr. Mohammad Sharif, ist besorgt um seine Mandantin. Gegenüber einer Menschenrechtsorganisation im Iran sagte er Mitte August, er mache sich große Sorgen über das mögliche Urteil, weil Shiva auch noch wegen "Moharebeh", also "Feindschaft gegen Gott" angeklagt sei. "Moharebeh" stellt ein Kapitalverbrechen in der Islamischen Republik Iran dar und kann mit dem Tod bestraft werden.

Die Deutsche Welle-Interviewanfrage lehnte Mohammad Sharif am 31. August ab. Kurz vor der Gerichtsverhandlung wolle er sich zu dem Fall nicht mehr äußern - schon gar nicht in den ausländischen Medien. Seine Mandantin sei mittlerweile eine der bekanntesten Gefangenen im Iran und den iranischen Behörden ein Dorn im Auge.

Reporter ohne Grenzen fordert Freilassung

Am 24. August hat die Organisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG) dazu aufgerufen, eine Petition zur Rettung von Shiva Nazar Ahari zu unterzeichnen. In der Petition an die iranischen Behörden fordert die Menschenrechts-Organisation die umgehende und bedingungslose Freilassung der Bloggerin und Menschenrechtsaktivistin, erklärt Reza Moini von der iranischen Sektion von "Reporter ohne Grenzen". Sie haben zusammen mit Reporter ohne Grenzen Deutschland und mehreren anderen Menschenrechts-Organisationen diese Petition verbreitet, sagt Moini. "Frau Ahari wurde im vergangenen Jahr zweimal wegen unbegründeter Vorwürfe verhaftet. Die Vorwürfe sind nicht einmal nachvollziehbar. Sie war in den letzten Monaten mehrmals krank und wurde im Gefängnis nicht richtig versorgt. Sogar ihr Anwalt hat noch keinen Zugriff auf ihre Akte.“

Auch Freunde und Kollegen beim iranischen CHRR kämpfen seit Wochen für Shiva Nazar Ahari, sagt CHRR-Mitglied Parisa Kakaie: "Wir wollen die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf ihre illegale Verhaftung und Inhaftierung lenken. Wir fordern ihre bedingungslose und sofortige Freilassung. Solange das nicht erreicht wurde, geben wir nicht auf."

Autorin: Shabnam Nourian
Redaktion: Diana Hodali