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Nahost

Iranisch-arabischer Stellvertreterkrieg in Syrien

Der Iran, Saudi-Arabien und Katar ringen durch ihre Hilfe für die syrischen Kriegsparteien um Einfluss in der Region. Dabei geht es weniger um einen Kampf zwischen Sunniten und Schiiten als um strategische Ziele.

In Syrien werden mehrere Konflikte gleichzeitig ausgetragen. Der Bürgerkrieg begann vor mehr als zwei Jahren als Machtkampf zwischen Regierung und Opposition. Doch schnell mischten andere Staaten mit. Sie machten den Krieg zu einem regionalen und internationalen Ringen um Einfluss. Neben westlichen Staaten, Russland und der Türkei engagieren sich vor allem der Iran, Saudi-Arabien und Katar. Diese drei Staaten tragen in Syrien einen Stellvertreterkrieg um die Vorherrschaft in der Region aus. Die konfessionelle Spaltung der Konfliktparteien in Sunniten, Schiiten und Alawiten spielt dabei eher eine Nebenrolle.

Für den Iran ist Syrien ein strategisch wichtiges Land. Das Regime von Baschar Al-Assad in Damaskus ist Teherans einziger Verbündeter in der arabischen Welt. Außerdem sei Syrien ein wichtiges Bindeglied zu der pro-iranischen Hisbollah-Bewegung im Libanon, erklärt Nahost-Experte Stephan Rosiny vom Hamburger GIGA-Institut für Nahost-Studien. Teheran, Damaskus und die Hisbollah sehen sich als Widerstandsfront gegen israelische und westliche Interessen in der Region, so Rosiny im DW-Interview.

Ein Sturz des syrischen Regimes würden den Iran treffen

Saudi-Arabien und Katar wollen dagegen das iranische Vormachtsstreben eindämmen und ihren eigenen Einfluss vergrößern. Ein Sturz der Regierung in Damaskus würde den Iran empfindlich treffen. Deshalb unterstützen die beiden Monarchien in großem Stil die syrische Opposition. Auch im Libanon und im Irak fördern sie anti-iranische Gruppen. Allerdings verfolgten sie unterschiedliche Strategien, betont Rosiny. Saudi-Arabien habe jahrzehntelang radikale salafistische Gruppen unterstützt. Nach den schlechten Erfahrungen mit Al-Kaida und saudischen Kriegsfreiwilligen in Afghanistan sei das Königreich jedoch vorsichtiger geworden. Viele Kriegsveteranen hatten nach ihrer Rückkehr den saudischen Staat zum neuen Feind erklärt. Nun seien viele Saudis als Freiwillige nach Syrien gezogen. "Deshalb hat sich Saudi-Arabien jetzt etwas gemäßigt in der Unterstützung von Gruppen", so der Hamburger Forscher. Katar sei dagegen unbedarfter und fördere teilweise auch radikale Gruppen.

Mitglieder der Nationalen Koalition Syriens nehmen mit katarischen Regierungsmitgliedern an der Eröffnung der Botschaft der syrischen Opposition in Katar teil (Foto: Reuters)

In Katar eröffnete die syrische Opposition ihre erste Botschaft

Das sieht Politikwissenschaftler Mehran Kamrava vom Ableger der Georgetown-Universität in Doha ähnlich. "Die Katarer sind neu in dem Spiel, sie haben nicht die Erfahrung, Kämpfer und leichte Waffen in ein Land zu senden, das ihnen dann schaden könnte", sagt der Professor. Deshalb sei die Unterstützung aus Katar weniger zurückhaltend.

Die Waffen- und Geldströme an die syrischen Kriegsparteien lassen sich kaum belegen. Der Iran leistet dem bedrängten Regime in Damaskus allem Anschein nach massive Hilfe. Die syrische Opposition wirft Teheran vor, dem Verbündeten Waffen und Eliteeinheiten seiner Revolutionsgarden zu schicken. Außerdem greift die pro-iranische Hisbollah auf Seiten der syrischen Armee in die Kämpfe gegen die überwiegend sunnitischen Rebellen ein.

Golfstaaten liefern offenbar in großem Umfang Waffen

Auf der Gegenseite scheren sich offenbar auch die Golfstaaten nicht um Embargos. Laut Berichten westlicher Medien soll Katar Hunderte Millionen US-Dollar an die syrische Opposition gezahlt haben. Außerdem soll es Dutzende Flugzeugladungen mit Waffen und Munition über die Türkei an die Rebellen geliefert haben. Saudi-Arabien soll nach US-Medienberichten unter anderem den Kauf kroatischer Waffen finanziert haben, die dann über Jordanien nach Syrien gelangten. Anfang des Jahres hatte der einstige saudische Geheimdienstchef Turki Al-Faisal gesagt: "Ich nehme an, dass wir Waffen senden, wenn nicht, wäre das ein furchtbarer Fehler von uns." Schwere Waffen oder High-Tech-Gerät wie Flugabwehr-Raketen wollen bislang auch die Golfstaaten nicht an die zerstrittene Opposition liefern.

Kämpfer der iranischen Revolutionsgarden (Foto: AP)

Der Iran soll Kämpfer seiner Revolutionsgarden nach Syrien geschickt haben

Damit vertreten Saudi-Arabien und Katar scheinbar eine ähnliche Politik wie der Westen. Doch Nahost-Experte Rosiny sieht diese Allianz skeptisch: Es sei bedenklich, sich mit den beiden Golfmonarchien in ein Boot zu setzen. Diese Staaten seien durchaus nicht nur stabilisierende Kräfte in der Region. "Das Interesse Saudi-Arabiens ist sicher weniger eine Demokratisierung Syriens. Das haben sie auch im Nachbarland Bahrain gezeigt", betont Rosiny. Saudi-Arabien hatte Bahrain 2011 mit Truppen unterstützt, nachdem die Revolte gegen das bahrainische Königshaus bedrohliche Ausmaße erreicht hatte.

Der Machtkampf zwischen Iran, Saudi-Arabien und Katar verläuft entlang konfessioneller Trennlinien. Auf der einen Seite stehen die konservativen sunnitischen Monarchien, die den überwiegend sunnitischen Gegnern der Assad-Regierung unter die Arme greifen. Auf der anderen Seite unterstützt die schiitische Republik Iran das Regime in Damaskus, in dem Alawiten den Ton angeben. Das Alawitentum entstand einst aus dem schiitischen Islam. Trotzdem sehen Rosiny und Kamrava den Stellvertreterkonflikt in Syrien nicht vorrangig als Kampf zwischen Sunniten und Schiiten. "Das ist eine unbeabsichtigte Folge dieses Konflikts", kommentiert Kamrava. Zwar würden Saudis und Katarer den Krieg durch die konfessionelle Brille sehen. Es gehe jedoch in erster Linie um strategische Ziele.

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