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Asien

Iraner bloggen gegen den Krieg

Viele Blogger im Iran diskutieren den Bericht der Internationalen Atomenergieagentur über die Versuche Irans, Atomwaffen zu entwickeln.

Atomsymbol vor iranischer Flagge (Foto: DW)

Der IAEA-Bericht zu Irans Atomprogram wird dieser Tage heiß diskutiert

In den staatlichen iranischen Medien wird der Konflikt um das Atomprogramm zu einem propagandistischen Angriff gegen Israel und seinen stärksten Verbündeten, die USA, genutzt. Präsident Mahmud Ahmadinedschad weist die Vorwürfe der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) zurück und will den Ausbau der Atomanlagen fortsetzen. Er verknüpft diese Ankündigung mit scharfer Kritik gegen die USA und Israel.

Auch in den nicht offiziellen Nachrichtenquellen gewinnt das Thema zusehends an Bedeutung. Sie spielen vor allem seit den Präsidentschaftswahlen 2009 wegen der Verschärfung der Zensurmaßnahmen eine wichtige Rolle. Das Internet ist dabei zur wichtigsten Plattform für alternative und von der offiziellen Linie abweichende Meinungen geworden. In zahlreichen Blogs wird seit Tagen über die Entwicklung im Atomkonflikt diskutiert.

Neue Chancen für die "Grüne Bewegung"

Einige Blogger sehen in der jüngsten Entwicklung eine Chance, die Iraner erneut gegen das Regime Ahmadinedschad auf die Straße zu bringen und die Oppositionsbewegung zu neuem Leben zu erwecken. So ist im Blog "Stimme der Freiheit" zu lesen: "Was ist Euch lieber: Krieg gegen einen Feind von außen oder ein Feind zuhause? Unsere Lethargie zeigt doch dem Westen, dass wir nichts gegen das Atomprogramm haben und dass wir für einen Krieg gegen Iran sind."

Mann sitzt vor Computer(Foto: dpa)

Das Internet dient vielen jungen Iranern als Kommunikationsplattform

Wie der Verfasser des Blogs "Stimme der Freiheit" meinen auch andere: "Wenn wir nicht selber in der Lage sind, das Regime zu stürzen, dann müssen wir auf Hilfe von außen hoffen." Ein anderer Blogger schreibt: "Keine Diktatur der Welt hat von selbst auf die Macht verzichtet."

Die so genannte grüne Bewegung, um die es in den vergangenen Monaten angesichts der massiven Verhaftungswelle still geworden war, könnte von dieser wieder aufflammenden Debatte profitieren. In einigen Blogs wird zur Einigkeit der Opposition aufgerufen und die "Wiedereroberung der Straßen" gefordert: "Wir haben nicht viel Zeit und müssen unabhängig von der Regierung agieren. Lieber halten wir Schlagstöcke der Sicherheitskräfte aus als israelische Bomben."

Kritik an Israel

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hat die Sorge geäußert, ein militärischer Angriff auf die Atomanlagen könne das Regime Ahmadinedschad eher stabilisieren als destabilisieren. Diese Befürchtung wird in vielen Blogs geteilt. Israels Drohung mit Militärschlägen sorgt - wie in den offiziellen iranischen Medien - auch in Blogs als Stoff für Verschwörungstheorien. Dabei wird deutliche Kritik an Israel laut: "Möglicherweise entwickelt Iran Nuklearwaffen, aber Israel will einen Krieg."

Symbolbild Iran Israel Nukleargespräche (Foto: DW)

Droht ein Krieg zwischen Israel und Iran?

Viele Blogger sehen in diesem Szenario - ähnlich wie die staatliche Propaganda - ein Komplott gegen den Iran. Begonnen habe es mit dem Bericht über eine angebliche iranische Verwicklung in einen geplanten Terroranschlag gegen den saudischen Botschafter in den USA.

Der bekannte Blogger Amin Sabeti schreibt: "Dieses Puzzle eines militärischen Anschlags gegen Iran wird nach und nach ergänzt. Das passt dem radikalen Lager im Iran wie in den USA ins Konzept." Ein anderer Blogger fürchtet: "Ein Krieg scheint unvermeidlich zu sein und dieser Krieg wird sich, wie der zwischen Iran und Irak, nicht auf dem Boden, sondern in der Luft abspielen. Und dann ist auch ein Bürgerkrieg unvermeidbar."

Angst vor einer militärischen Eskalation

Angst vor einem Krieg wird in vielen Blogs laut: "Wenn es einen Angriff auf das Atomkraftwerk in Busher gibt, dann wird auch die Zivilbevölkerung von Busher bis Teheran vernichtet", schreibt ein Blogger. Ein weiterer prophezeit: "Im Fall eines Krieges wird die gesamte Infrastruktur des Landes zerstört. Und es wird Jahre dauern, bis alles wieder aufgebaut ist. Wer vom Krieg redet, kennt anscheinend die Bedeutung dieses Wortes nicht."

Fest steht: Die Diskussion um das iranische Atomprogramm gewinnt in den nicht offiziellen iranischen Medien an Bedeutung. Auf der Kommunikationsplattform Twitter formiert sich eine Gruppe, die unter dem Motto "Nein zum Krieg gegen Iran" fast minütlich neue Anhänger gewinnt.

Autoren: Yakda Kiani / Sybille Golte
Redaktion: Ziphora Robina

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