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Nahost

Iran weitet Atomprogramm aus

Trotz aller Mahnungen: Der Iran hat weitere Gaszentrifugen zur Urananreicherung in Betrieb genommen. Der UN-Sicherheitsrat ist sich immer noch uneins, wie der Atomstreit am besten beizulegen sei.

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Ein iranischer Funktionär hält eine Kapsel mit Urananreicherungsgas (Archivbild)

Der Iran hat laut einer Meldung der halbamtlichen studentischen Nachrichtenagentur ISNA seine Kapazitäten für die Urananreicherung verdoppelt. In eine vor 14 Tagen installierte zweite Zentrifuge sei das Gas Uranhexafluorid (UF6) eingeleitet worden, meldete die Agentur am Freitag (27.10.) unter Berufung auf einen Regierungsvertreter. Im Forschungszentrum Natans sei bereits angereichertes Uran produziert worden, hieß es weiter. Beobachtern zufolge wird ISNA von der Regierung häufig dazu benutzt, heikle Informationen scheinbar inoffiziell zu streuen. Eine offizielle Bestätigung durch Teheran liegt bislang nicht vor.

Je nach Anreicherungsgrad kann eine solche Anlage, wie sie jetzt offenbar im Iran in Betrieb genommen wurde, Kernmaterial für den Betrieb von Atomkraftwerken, aber auch zum Bau von Atomwaffen produzieren. Vor allem westliche Staaten verdächtigen die Führung in Teheran, heimlich am Bau atomarer Waffen zu arbeiten.

Chirac fordert "umkehrbare" Sanktionen

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Dagegen betonte der iranische Chefunterhändler in Atomfragen, Ali Laridschani, am Freitag: Der Westen verhalte sich irrational, wenn er dem Iran weiterhin das Recht auf die friedliche Nutzung von Atomenergie absprechen wolle. Das Programm zur Urananreicherung sei für den Iran kein Hinderungsgrund für weitere Verhandlungen mit dem Westen.

In einer ersten Reaktion sagte Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac während seines Besuchs im chinesischen Wuhan: Er sei nie ein großer Anhänger von Sanktionen gewesen und wünsche sich, dass die Staatengemeinschaft weiter auf eine Verhandlungslösung setze. Sollten Verhandlungen allerdings keinen Erfolg haben, müssten "wahrscheinlich gezielte, angepasste, vorläufige und umkehrbare" Sanktionen gefunden werden, um Teheran klarzumachen, dass die internationale Gemeinschaft die iranische Haltung absolut nicht teile.

UN-Sicherheitsrat immer noch uneins

Frankreich zählt zu den fünf Veto-Mächten im UN-Sicherheitsrat, der am Donnerstag in New York erstmals über einen europäischen Vorschlag zur Beilegung des Atomstreits mit dem Iran beraten hatte. Der von Paris, Berlin und London gemeinsam ausgearbeitete Resolutionsentwurf stößt bei Russland, China und den USA weiterhin auf Kritik. Während er den USA nicht weit genug geht, hält Russland die geplanten Strafmaßnahmen für zu streng.

Nach der Beratungsrunde sagte der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin, er rechne mit "Wochen um Wochen" dauernden Verhandlungen. Dagegen drängen die USA zur baldigen Verabschiedung der Resolution. Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton sagte, die Gespräche sollten am Montag fortgesetzt werden.

Der Entwurf sieht dem Vernehmen nach ein Exportverbot für Raketen- und Nukleartechnologie vor. Außerdem sollen iranische Atomphysiker nicht im Ausland studieren dürfen. Ferner ist geplant, ein Reiseverbot für Personen zu verhängen, die am iranischen Atom- und Raketenprogramm mitwirkten. Die Vermögenswerte dieser Personen im Ausland sollen eingefroren werden.

Urananreicherung ist "logischer Schritt"

Der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) war bereits am Mittwoch bestätigt worden, dass die aus 164 Zentrifugen bestehende Kaskade seit etwa zwei Wochen einsatzbereit sei. Nach unterschiedlichen Medienberichten hatten die iranischen Techniker in den vergangenen Monaten unerwartet große Schwierigkeiten bei der Installation der Zentrifugen. Eine Kaskade ist die kleinste Einheit zur Anreicherung von Uran. In einer ersten Kaskade hatten Irans Techniker bereits im Frühjahr mehrere Gramm des spaltbaren Urans 235 aus dem Anreicherungsgas UF6 isoliert.

Am Sitz der IAEO in Wien löste der Bericht über das jüngste iranische Experiment keinerlei Überraschung aus. Es handele sich hier um einen "logischen zweiten Schritt" nach den bisherigen Tests, sagte ein Diplomat. Es zeige aber auch, dass Teheran die internationalen Forderungen nach einem Verzicht auf die eigene Urananreicherung total ignoriere. (ana)

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