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Politik

Iran weiht Schwerwasser-Reaktor ein

Der Iran setzt im Streit um sein Atomprogramm auf Provokation: Präsident Ahmadinedschad weihte einen Teil eines Schwerwasser-Atomreaktors ein - aus dem Plutonium gewonnen werden könnte.

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Die neue nukleare Anlagen in Arak

Bis zum 31. August soll der Iran gemäß der UN-Resolution 1696 sein Urananreicherungsprogramm einstellen. Doch nur wenige Tage vor Ablauf dieser Frist hat Präsident Mahmud Ahmadinedschad vor den Augen der Weltöffentlichkeit die neue Schwerwasseranlage im zentraliranischen Arak eingeweiht. Offiziell dient die Anlage medizinischen und landwirtschaftlichen Zwecken, doch wird Schwerwasser auch in Schwerwasserreaktoren eingesetzt. Dabei fällt Plutonium als Abfallprodukt an, das zum Bau von Atomwaffen verwendet werden kann.

"Für niemanden eine Gefahr"

Der Präsident betonte, niemand könne der Islamischen Republik das Recht auf das Atomprogramm streitig machen. "Iran ist für niemanden eine Gefahr, nicht einmal für das zionistische Regime", sagte Ahmadinedschad und benutzte damit die iranische Bezeichnung für den Erzfeind Israel. "Der Westen soll sich bloß keine Mühe machen, da die Entscheidung bereits gefallen ist und der Iran sein Atomprogramm definitiv mit aller Macht weiterführen wird", sagte Ahmadinedschad nach Besichtigung der Anlage. Die neue Anlage sei darüber hinaus ein Zeichen dafür, dass die iranischen Wissenschaftler konsequent ihren Weg weitergehen und sich nicht einschüchtern lassen. "Und ich werde als Vertreter dieser Nation dieses Recht auch umsetzen, und keiner kann diesen Weg blockieren", so der Präsident.

Irans Präsident Ahmadinedschad besichtigt neue Atomanlage

Irans Präsident Ahmadinedschad besichtigt die neue Atomanlage

Der Reaktor in Chondab nahe Arak ist von besonderer Bedeutung, weil beim Betrieb der Anlage Plutonium als Nebenprodukt anfällt, das für atomare Sprengköpfe genutzt werden kann. Dieser Teil der Anlage - für den Schwerwasser benötigt wird - befindet sich indes noch im Bau. Das offenbar Mitte Juli angelaufene Schwerwasser-Projekt hingegen hat derzeit zwei Einheiten, von denen jede pro Jahr etwa acht Tonnen produziert. Den Plänen zufolge soll die Menge später auf 80 Tonnen pro Jahr erhöht werden. Der Iran baut seit längerem an dem Reaktor 190 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Teheran.

Keine militärische Bedeutung?

Ein Mitarbeiter des Atomprogramms hatte erklärt, da die Schwerwasser-Nutzung als solche keine militärische Bedeutung habe, sei keine regelmäßige Überprüfung durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) erforderlich, obgleich UN-Inspektoren die Anlage zuletzt besichtigt hatten. Diplomaten bezeichneten die schrittweise Inbetriebnahme allerdings als wenig hilfreich angesichts des andauernden Atomstreits. Einem Vertreter des iranischen Atomprogramms zufolge soll eine IAEA-Delegation den Reaktor nun in der kommenden Woche erneut besuchen.

Klare Worte

Die klaren Worte Ahmadinedschads, die wohl auch bis zur UN-Frist nächsten Donnerstag kaum revidiert werden, könnten nicht nur die harte US-Position im Atomstreit stärken, sondern auch Irans Verbündete China und Russland dazu bewegen, ihre anfänglichen Zweifel an Sanktionen gegen den Iran zu überdenken. Auch die westlichen Anreize, die Iran zu einer Einstellung seiner Urananreicherung bewegen sollten, scheinen fehlgeschlagen.

Die westlichen Staaten, darunter auch Deutschland, hatten den Iran eigentlich mit einem Paket aus Anreizen und Strafandrohungen zum Einlenken im Atomstreit bewegen wollen. Die Führung in Teheran signalisierte zuletzt zwar weitere Gesprächsbereitschaft, lehnte die geforderte Aussetzung der umstrittenen Urananreicherung aber weiter ab. Wie die Staatengemeinschaft nun weiter vorgeht, ist noch nicht absehbar.(sams)

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