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Politik

Iran und Irak wollen kooperieren

Einst verfeindete Nachbarn - jetzt wollen der Iran und der Irak zusammenarbeiten. Nicht nur die USA beäugen die Entwicklung skeptisch. Welche Interessen verfolgen die beiden Staaten?

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Al-Dschaafari und Chatami wollen sich in Teheran treffen

Der Iran und der Irak wollen ein Vierteljahrhundert nach dem Beginn des Iran-Irak-Kriegs ein neues Kapitel in ihrer Beziehung beginnen. Nach der Unterzeichnung eines Abkommens über militärische Kooperationen durch die beiden Verteidigungsminister vergangenen Donnerstag (7.7.2005) reist der irakische Regierungschef Ibrahim al-Dschaafari nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur IRNA am 16.7.2005 nach Teheran.

Angespannte Beziehungen

"Das ist ein wichtiger symbolischer Schritt, der zeigt, dass man bereit ist, das alte Kriegsbeil zu begraben", sagt Johannes Reissner, Leiter der Forschungsgruppe Naher Osten und Afrika bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik. Beim so genannten ersten Golfkrieg waren zwischen 1980 und 1988 mindestens eine halbe Million Iraner und Iraker gestorben. Nach jahrzehntelang angespannten Beziehungen hatte sich das Verhältnis zum Iran seit dem Antritt der von Schiiten angeführten irakischen Regierung spürbar gebessert.

Karte Irak Iran

Interesse an Aussöhnung

Beide Staaten haben klar umrissene Interessen an einer Aussöhnung und Kooperation. So ist die von den USA gestützte Regierung in Bagdad darum bemüht, ihre Beziehungen zu den moslemischen Nachbarstaaten zu intensivieren. Durch eine breite Unterstützung in der Region soll dem von Sunniten dominierten Aufstand im eigenen Land der Boden entzogen werden. "Der iranische Einsatz kann hier eindeutig zu einer Stabilisierung im Irak beitragen", urteilt Reissner. Schließlich verfüge der Iran über viel bessere Beziehungen zur irakischen Bevölkerung als die Ordnungsmacht USA.

Eine Milliarde Dollar Hilfe

Die Stabilisierung des Iraks ist zentrales Interesse des Iran. In Teheran ist man bereit, den Wiederaufbau des westlichen Nachbarn mit einer Milliarde Dollar zu unterstützen. Von dem Geld sollen unter anderem die irakischen Streitkräfte modernisiert werden. Als Anrainer gibt es laut Reissner "Ängste, dass von dem Terror etwas herüberschwappen" könnte. Neben wirtschaftlicher und politischer Normalisierung, soll die Annäherung der beiden von Schiiten regierten Staaten auch den religiösen Tourismus zu heiligen Stätten in beiden Ländern ermöglichen. Zudem wolle man - laut Reissner - international zeigen, dass man in der Lage sei, Verantwortung zu übernehmen und etwas anzubieten habe.

Panorambild: Wahlen im Iran, Mahmoud Ahmadinejad, Teheraner Bürgermeister

Mahmoud Ahmadinejad, Teheraner Bürgermeister

Widerstand der USA

Kritisch beäugt werden die Kooperationsbemühungen nicht nur in den arabischen Nachbarstaaten, die hegemoniale Bestrebungen des Irans fürchten. Ein enges iranisch-irakisches Verhältnis dürfte auch auf starken Widerstand der USA treffen. Das Verhältnis zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten, die keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, ist nicht nur aufgrund des ungeklärten Status' des iranischen Atomprogramms äußerst gespannt.

"Das ist ja der Aberwitz der Geschichte. Die beiden, die am meisten für die Stabilität des Iraks leisten könnten, können nicht zusammenkommen", urteilt Reissner. Trotz gelegentlicher taktischer Annäherungen vor Ort, sieht der Experte in absehbahrer Zeit keine Annäherung zwischen den USA und dem Iran. Und das, obwohl man in Washington und Teheran durchaus ein gemeinsames Interesse an einem stabilen Irak hat.

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