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Nahost

Iran und Irak leiten Neubeginn ihrer Beziehungen ein

Erste Visite nach einem Viertel Jahrhundert voller Spannungen und Hass: Knapp fünf Jahre nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein hat Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Irak besucht.

Ahmadinedschad, l., Talabani, r. (AP Photo/Ahmad al-Rubaye, Pool)

Ahmadinedschad (l.) und Nouri al-Maliki loben ihre guten Beziehungen

In der von irakischen und amerikanischen Soldaten scharf bewachten Grünen Zone im Herzen Bagdads traf Ahmadinedschad am Sonntag (02.02.08) mit der irakischen Führung zusammen. Nach einem Treffen mit dem irakischen Präsidenten Dschalal Talabani lobte das iranische Staatsoberhaupt die "bereits hervorragenden Beziehungen" zwischen beiden Ländern seit "der Befreiung des Iraks von Diktator Saddam" und fügte hinzu: "Jetzt wollen wir sie voranbringen". Talabani entgegnete, die Visite sei eine Botschaft an die iranischen und irakischen Völker, "dass die Beziehungen zwischen den beiden Ländern gut sind".

Probleme der Vergangenheit

Es war der erste Irak-Besuch eines iranischen Staatsoberhaupts seit der islamischen Revolution in Teheran 1979. Iran und Irak führten von 1980 bis 1988 Krieg gegeneinander. Dieser war von Saddam angezettelt worden. Den Kämpfen fielen in beiden Ländern etwa eine Million Menschen zum Opfer. Viele irakische Schiiten flohen zudem in den Iran. Die iranisch-irakischen Beziehungen haben sich seit dem Sturz Saddams deutlich entspannt.

Iran Präsident Mahmud Ahmadinedschad und seinem irakischen Amtskollegen Jalal Talabani in Bagdad (AP Photo/Hadi Mizban)

Ahmadinedschad und Talabani in Bagdad - ihr Dolmetscher ist immer dabei

Talabani empfing Ahmadinedschad am Sonntagmorgen in seiner Residenz mit militärischen Ehren, bevor sich die Präsidenten zu Diskussionen zurückzogen. Seine Gespräche mit Talabani seien "konstruktiv" gewesen und in einem "Klima der Brüderlichkeit" verlaufen, sagte Ahmadinedschad anschließend. Beide hätten viele gemeinsame Ansichten festgestellt. Teheran und Bagdad wollten ihre politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit verstärken. Der Irak von morgen werde "mächtig, entwickelt und geeint" sein. Dies sei "im Interesse der Länder in der Region". Die irakischen und iranischen Völker stünden "immer Seite an Seite".

"Nenn mich Onkel"

Talabani begrüßte den "historischen Besuch" seines iranischen Kollegen. Der Besuch werde "positive Auswirkungen" haben. Der irakische Staatschef, ein Kurde, forderte Ahmadinedschad während der Pressekonferenz auf, ihn statt "Ihre Exzellenz, Herr Präsident" einfach "Mam" zu nennen, was auf Kurdisch "Onkel" heißt.

Der irakische Regierungschef Nuri el Maliki sagte nach einem Treffen mit Ahmadinedschad, dessen Besuch zeige "den Wunsch beider Länder, ihre gemeinsamen Interessen zu vertiefen". In seinen Gesprächen mit Ahmadinedschad sei es um Handel und Industrie gegangen.

Seitenhiebe auf die USA

Ahmadinedschad sparte nicht mit Angriffen auf die USA, die rund 140.000 Soldaten im Irak stationiert haben und ein erklärter Feind des Iran sind. "Die Iraker mögen Amerika nicht", sagte er nach seinem Treffen mit Maliki. Es sei jedoch für den Iran kein Problem, dass der Irak um guten Beziehungen zum Iran und zu den USA bemüht sei.

Verständnis für Aufständische

In einem Interview mit der spanischen Zeitung "El País" vom Sonntag zeigte der iranische Präsident Verständnis für die Angriffe irakischer Aufständischer gegen die "Besatzer" aus den USA. Es sei normal, dass sich ein Land gegen seine Besatzer auflehne. Die Vereinigten Staaten verstünden die Kultur der Region nicht. "Sie glauben, dass alle Probleme durch Kanonen zu lösen sind." Washington beschuldigt Teheran, die Aufständischen im Irak zu unterstützen.

Ahmadinedschad hat wiederholt den Abzug der USA aus dem Nachbarland gefordert und das US-Militär für die Gewalt im Irak verantwortlich gemacht. Die Regierung in Washington wiederum wirft dem Iran vor, schiitische Milizen im Irak im Kampf gegen die US-Soldaten auszubilden, was der Iran bestreitet.

Die USA hatten 1980 ihre diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen. Derzeit bemüht sich Washington, Teheran über schärfere Sanktionen zur Aufgabe seines Atomprogramms zu bewegen.

Diplomatie hinter den Kulissen

Französischen Diplomaten in Bagdad zufolge werden auch Vertreter der Europäischen Union den Präsidenten des Iran treffen. Dagegen gibt es nach US-Angaben keine solchen Pläne mit US-Diplomaten. Die USA hätten keine Rolle beim Ahmdinedschad-Besuch gespielt. Auch habe das US-Militär nichts mit dessen Schutz im Irak zu tun. (mas)

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