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Aktuell Welt

Iran stoppt Pilgerreisen nach Saudi-Arabien

Der Jemen-Konflikt verschärft die Konfrontation zwischen dem Iran und Saudi-Arabien. Die Teheraner Regierung setzte jetzt sämtliche Flüge für die sogenannte kleine Pilgerfahrt nach Mekka aus.

Die Pilgerreisen nach Saudi-Arabien seien bis auf weiteres gestoppt. Dies teilte das iranische Kulturministerium mit. Verwiesen wird zur offiziellen Begründung auf einen Zwischenfall mit zwei jugendlichen iranischen Pilgern Anfang des Monats. Der Schritt dürfte das im Jemen-Konflikt ohnehin angespannte Verhältnis zwischen den Führungen in Teheran und Riad weiter anheizen.

Anlass für den Stopp der Flüge soll ein Zwischenfall am Flughafen der saudischen Hafenstadt Dschidda sein. Saudische Sicherheitsbeamte hätten zwei männliche Teenager aus dem Iran bei der Körperkontrolle sexuell belästigt, hieß es. Solange die beiden Beamten nicht verurteilt und bestraft seien, werde es keine Pilgerfahrten mehr geben, verkündete Kultusminister Ali Dschannati im Staatsfernsehen. Die saudischen Behörden hätten die beiden Beamten zwar vernommen, unklar sei jedoch, ob sie auch bestraft würden, sagte Dschannati.

Im Iran steht nach islamischen Vorschriften auf sexuellen Missbrauch von Jugendlichen die Todesstrafe. Dies ist auch die Forderung Teherans. Nach den Anschuldigungen der iranischen Jugendlichen war es am Samstag trotz eines Demonstrationsverbots vor der saudischen Botschaft in Teheran zu einer Protestkundgebung gekommen.

Die Aussetzung der Pilgerfahrten gilt nur für die kleine Umra-Pilgerfahrt außerhalb der eigentlichen Hadsch-Saison. Die Reise nach Mekka ist für alle Muslime eines der wichtigsten religiösen Rituale. Jeder Muslim sollte einmal im Leben eine große Wallfahrt (Hadsch) dorthin machen. Bei der kleineren Pilgertour kommen schätzungsweise 500.000 Iraner jährlich nach Mekka oder Medina, bei der größeren - nach dem Ramadan - etwa 100.000.

Zwischen der Islamischen Republik und dem Königreich herrscht seit Jahren diplomatische Eiszeit. Das sunnitsch geprägte Saudi-Arabien und der von Schiiten dominierte Iran buhlen um die Vorherrschaft im Mittleren und Nahen Osten. Die Konfrontation hat sich angesichts des im Jemen tobenden Bürgerkriegs weiter verschärft.

Der Iran hatte die Luftangriffe Saudi-Arabiens gegen die Huthi-Rebellen im Jemen als "Völkermord" verurteilt und eine sofortige Waffenruhe gefordert. Golf-Staaten und der Westen werfen dem Iran vor, die schiitischen Aufständischen zu unterstützen. Saudi-Arabien führt eine arabische Koalition gegen die Regierungsfeinde.

SC/sti (APE, rtre, dpa)