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Iran

Iran macht afghanische Flüchtlinge zu Märtyrern im Syrien-Krieg

Über 1000 Kämpfer aus dem Iran sind bei Gefechten in Syrien gefallen. Viele von ihnen waren Flüchtlinge aus Afghanistan. Gelockt wurden sie mit gutem Sold und Aufenthaltsgenehmigungen für ihre Familien.

Iran, Fatemion Einheit (Tasnim)

Im Syrien-Krieg gefallene Afghanen werden im Iran als Märtyrer geehrt

Wenn im Syrien-Krieg Kämpfer aus dem Iran sterben, bezeichnen die iranischen Behörden sie als Märtyrer. "Das Land habe ihnen viel zu verdanken", betont der Leiter der sogenannten "Märtyrer-Stiftung", Ali Schahidi Mahalati. Am Dienstag (22.11.) teilte er offiziell mit, dass inzwischen mehr als 1000 Kämpfer aus dem Iran im Syrien-Krieg gefallen seien. Es handle sich bei den Toten um freiwillige Soldaten der "Fatemion Armee", die nun als "Verteidiger Heiliger Stätten" geehrt werden. Zu den Heiligen Stätten in Syrien zählt für den Iran beispielsweise der Schrein von Sayyida Zainab: Das Grab der Enkelin des Propheten Mohammed in Damaskus ist eine wichtige Pilgerstätte für Schiiten. 

Die nach der Tochter des Propheten "Fatemion" benannte Armee besteht im wesentlichen aus afghanischen Kämpfern. Sie gehört zu den iranischen Quds-Einheiten. Diese Eliteeinheiten der iranischen Revolutionsgarden sind für Spezialeinsätze außerhalb des Iran zuständig.  

"Viele Flüchtlinge aus Afghanistan haben sich rekrutieren lassen und sind nach Syrien gereist, weil sie entweder Geld brauchen oder eine Aufenthaltserlaubnis - oder beides", sagt Kamal im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Aber viele von ihnen haben ihr Leben in Syrien gelassen." Kamal ist selbst vor knapp 30 Jahren aus Afghanistan nach Iran geflohen. Mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebt er im Südiran. Aber integriert in die iranische Gesellschaft fühlt er sich noch nicht. Seine Kinder - die nur den Iran kennen - haben nicht einmal die iranische Staatsangehörigkeit. Sie sind unerwünschte Flüchtlinge.

Menschen zweiter Klasse

Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR leben etwa drei Millionen Afghanen im Iran. Knapp eine Million davon sind registrierte Flüchtlinge. Rund 500.000 sind Einwanderer mit kurzfristiger Aufenthalts- und eingeschränkter Arbeitserlaubnis. Die übrigen anderthalb Millionen besitzen keinerlei Papiere. Sie gelten als illegal.

Zu den Behörden haben sie kein Vertrauen. Sie fürchten, zurückgeschickt oder in ein Flüchtlingslager gesteckt zu werden. Sie tauchen in der Gesellschaft unter, werden als Menschen zweiter Klasse behandelt und oft ausgebeutet.

"Ich war ein keines Kind, als meine Familie vor 36 Jahren aus Afghanistan floh. Ich habe selbst nun vier Kinder. Wir leben jetzt seit drei Generation im Iran. Keiner von uns hat aber Papiere", sagt Fatemeh. Sie lebt am Stadtrand von Teheran. "Wir dürfen nichts besitzen, nicht einmal eine SIM-Karte." Dennoch will sie ihren Sohn nicht in den Krieg schicken. Obwohl das viele Vorteile für die gesamte Familie brächte.

Iranische Staatsbürgerschaft als Garantie für Hinterbliebene  

Denn wenn wehrtüchtige Afghanen sich für den Kampfeinsatz in Syrien melden, werden ihnen bis zu 500 US-Dollar Sold im Monat in Aussicht gestellt, erzählen die Flüchtlinge. Ihnen wird darüber hinaus eine Schul- oder Universitätsausbildung versprochen sowie bessere Lebensbedingungen für ihre Familien.

Anfang Mai 2016 hat das iranische Parlament sogar ein Gesetz verabschiedet, das den "Freiwilligen Kämpfern der "Fatemion Armee" im Falle ihres Todes die iranische Staatsbürgerschaft für ihre Angehörigen garantiert.

Damit würden auch ihre Familien unter dem Schirm der mächtigen "Märtyrer-Stiftung" stehen. Diese Stiftung wurde 1980 gegründet, ein Jahr nach der Islamischen Revolution. Sie kümmert sich um die Hinterbliebenen der zahlreichen Opfern der Revolution sowie der Gefallenen des Irakkriegs. Ein Jahr nach der Revolution hatte der Nachbar Irak den Iran angegriffen, der Krieg dauerte lange acht Jahre bis 1988.

 Iran schickt afghanische Flüchtlinge nach Syrien (Tasnim)

General Soleimani besucht die Hinterbliebenen der Gefallenen Afghanen

Die "Märtyrer-Stiftung" hat in den vergangenen 36 Jahren viel an Bedeutung gewonnen und ist zu einer der wichtigsten Institution der Islamischen Republik aufgestiegen. Sie besitzt zahlreiche Firmen und ist praktisch in allen wichtigen Wirtschaftbereichen aktiv: im der produzierenden Industrie und im Handel, in der Erdöl- und Bergbauindustrie, im Automobilbau und sogar im Tourismus. Wer unter dem Schirm der "Märtyrer-Stiftung" steht, steht auf der sicheren Seite der Gesellschaft und erhält zugleich Anerkennung.

Die "Fatemion Armee" umfasst nach Angaben konservativer iranischer Medien bis zu 20.000 Kämpfer. Sie verteidige nicht nur die Heiligen Stätten in Syrien, betont General Kassem Soleimani, Kommandeur der iranischen Quds-Einheiten: "Sie verteidigt auch die Islamische Republik Iran und ihre Ideale. Die Terrorgruppe Islamischer Staat wurde gegründet, um Irans Einfluss in der Region einzuschränken um uns zu schaden". Der Iran betrachtet sich als Schutzmacht der Schiiten im Nahen Osten und unterstützt in Syrien das alawitische Regime von Präsident Baschar al-Assad mit seinen schiitischen Wurzeln. General Soleimani besucht nun gerne medienwirksam die Hinterbliebenen der gefallenen Afghanen und lässt sich mit ihren Kinder fotografieren.

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