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Fokus Osteuropa

Iran-Krise bereitet Armenien Sorge

Für Armenien ist der Iran heute faktisch die einzige Verbindung zur Außenwelt. Die Verkehrswege durch andere Nachbarländer sind blockiert. Im Fall eines militärischen Konflikts am Golf fürchtet Jerewan eine Isolation.

Blick auf die armenische Hauptstadt Eriwan über eine Autobahn (Foto: ITAR-TASS / Photolure)

Eriwan will den Ausbau von Verkehrswegen durch den Iran

In Armenien wächst die Sorge über den Atomstreit zwischen dem Iran und dem Westen. Immer schärfere Sanktionen gegen Teheran sorgen in Eriwan für Beunruhigung. Vor allem aber eine militärische Eskalation des Atomstreits mit dem Iran wird befürchtet. Sie könnte sich auf geplante gemeinsame Energie- und Verkehrsprojekte auswirken, die für Armenien geradezu lebenswichtig sind.

Gefährdet wäre beispielsweise eine Eisenbahnstrecke, über die Armenien Zugang zum Persischen Golf bekommen soll. Auch der Bau einer iranisch-armenischen Pipeline sowie zweier Wasserkraftwerke am Grenzfluss Aras wäre fraglich. Diese Projekte sind für Armenien wichtig, da sie die Energieprobleme des Landes lösen sollen.

Alle Wege führen über den Iran

Karte des Iran und seiner sieben Nachbarstaaten Türkei, Armenien, Aserbaidschan, Turkmenistan, Afghanistan, Pakistan, Irak (Grafik: DW)

Armenien ist um gute Beziehungen zum Iran bemüht

Gegenwärtig ist der südliche Nachbar Iran für Armenien so gut wie die einzige Verbindung zur Außenwelt. Die Beziehungen zu den übrigen Nachbarländern Georgien, Aserbaidschan und zur Türkei sind durch schwere Konflikte belastet.

Die Türkei und Aserbaidschan blockieren Armenien wegen des ungelösten Konflikts um die selbsternannte Republik Berg-Karabach. Mit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 hatte sich das vorwiegend von ethnischen Armeniern bewohnte Gebiet für unabhängig von Aserbaidschan erklärt. Um die Enklave kam es 1992 zu einem Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien. Seither befindet sich Berg-Karabach unter armenischer Kontrolle.

Armeniens Verkehrsverbindungen nach Norden, zu seinem militärischen Bündnispartner Russland, führen über Georgien. Doch dieser Weg ist wegen des angespannten Verhältnisses zwischen Tiflis und Moskau teilweise blockiert. So ist die Eisenbahnstrecke, die über die Konfliktregion Abchasien führt, unterbrochen. Moskau hatte Abchasien ebenso wie die abtrünnige Region Südossetien nach dem russisch-georgischen Krieg im August 2008 als unabhängige Staaten anerkannt. Georgien betrachtet sie jedoch weiterhin als Teile seines Staatsgebiets.

Droht Armenien ein Flüchtlingsstrom?

Sollte der Streit um die iranische Nuklearrüstung militärisch eskalieren, würde das nicht nur die armenisch-iranischen Wirtschaftsprojekte gefährden. Es könnte auch zu Flüchtlingsströmen aus dem Iran nach Armenien kommen, befürchten Beobachter in Eriwan. Sie schätzen, dass 200.000 bis 400.000 Menschen Zuflucht im Nachbarland suchen könnten, darunter viele ethnische Armenier. Fast 300.000 leben im Iran.

Diese Zahlen hält Gevorg Pogosjan, Leiter des armenischen Soziologen-Verbandes, für realistisch. Er weist darauf hin, dass schon heute Menschen aus dem Iran nach Armenien übersiedeln. "Besonders empfindlich auf die Situation im Iran reagieren die Geschäftskreise und Intellektuellen. Es gibt ganze Familien, die nach Armenien umziehen", so Pogosjan.

Starke iranische Präsenz in Jerewan

Neubauten in Eriwan (Foto: ITAR-TASS / Photolure)

Iraner haben Intresse am armenischen Immobilienmarkt

Die armenischen Behörden hindern Iraner nicht daran, in Armenien Geschäfte zu eröffnen oder Immobilien zu erwerben. In Eriwan gibt es iranische Banken und Restaurants, eine Moschee und ein Kulturzentrum.

Viele der Iraner besitzen Häuser oder Wohnungen im Zentrum der armenischen Hauptstadt. Immobilien-Experten zufolge haben iranische Staatsbürger inzwischen einen Anteil von zehn Prozent am armenischen Immobilienmarkt – mit steigender Tendenz. "Wenn sich die Situation um den Iran zuspitzt, dann werden die Preise für Häuser und Wohnung deutlich steigen", sagt der Leiter der Eriwaner Immobilienbörse, Artem Pribylski.

Autor: Aschot Gasasjan / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Bernd Johann

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