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Asien

Iran intensiviert Verfolgung der Bahai

Anhänger der aus dem Iran stammenden Bahai-Religion leben in vielen Ländern unbehelligt, ihren Hauptsitz hat die Gemeinde im israelischen Haifa. Im Iran nimmt ihre Unterdrückung hingegen zu.

Die Medaillenausbeute der iranischen Sportlerinnen und Sportler bei den Olympischen Spielen 2012 in London konnte sich sehen lassen: Mit insgesamt zwölf Medaillen, darunter vier goldenen, befand sich Iran im oberen Viertel der Teilnehmerländer. Es hätten vielleicht noch mehr sein können, aber Spitzensportler zu sein reicht im Iran nicht aus – wenn man der "falschen" Religionsgruppe angehört.

So im Fall des Judokämpfers Khashayar Zarei. Der 19-jährige ist in seiner Alters- und Gewichtsklasse einer der besten Judoka des Iran. Die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen wird ihm aber von seiten der Islamischen Republik Iran verwehrt. Denn Khashayar Zarei gehört der Bahai-Religion an. Jetzt wurde Khashayar wegen seiner Religion auch vom Architekturstudium an der Universität Shiraz ausgeschlossen. Die Universität teilte ihm mit, dass das zuständige Ministerium sie zu diesem Schritt angewiesen habe. Nur ein aktuelles Beispiel für die vielfältige Diskriminierung der Bahai im Iran, zu der auch Versammlungsverbote und Ladenschließungen gehören, und nicht zuletzt Inhaftierung.
 

Verhaftungen haben zugenommen


Bahai Tempel in Delhi, Indien

Die Bahai-Religion ist in vielen Ländern zuhause und nimmt lokale Traditionen auf, wie hier in Indien.

Nach Angaben der iranischen Internetseite "gooya news" wurden allein im Juni und Juli dieses Jahres dreiundzwanzig Angehörigeder iranischen Bahai-Gemeinde in verschiedenen Städten festgenommen. Diane Alai, Sprecherin der Internationalen Bahai-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in Genf, sagte gegenüber DW.DE, dass derzeit 116 Bahai-Mitglieder in iranischen Gefängnissen einsitzen. 2011 waren es laut einem Bericht der US-Regierung 95 Inhaftierte, bei 416 anhängigen Gerichtsverfahren.

Ebenso wenig wie zur Zahl der im Lande lebenden Christen gibt es über die Zahl der Bahai im Iran genauen Angaben, man schätzt einige hunderttausend. Im Unterschied zu den Bahai stehen die Christen zumindest theoretisch unter dem Schutz der Verfassung der Islamischen Republik Iran. Aber auch sie werden unterdrückt, seit Juni 2010 wurden über 300 Christen wegen Ausübung ihrer Religion inhaftiert, wie es in einem  aktuellen Bericht für den UN-Menschenrechtsrat am Donnerstag (20.09.2012) in Genf hieß.  
 

Verheimlichter Glaube


Die im Vergleich zu den Christen geringere Zahl der Inhaftierungen könnte damit zusammenhängen, dass die meisten Bahai im Iran aus Angst vor Repressionen ihren Glauben verheimlichen. Der Bahai-Glaube schreibt kaum Riten vor, aber die Verbote ließen nicht zu, dass die Bahai die wenigen Bräuche, die sie haben, praktizieren können.

So erzählt der iranische Student Arash M., der sich erst in Deutschland offiziell zu seinem Bahai-Glauben bekannte: "Zum Beispiel gibt es den Brauch, sich ein Mal im Monat zu versammeln, aber die Bahai im Iran dürfen das nicht". Der Bahai-Kalender teilt das Jahr in 19 mal 19 Tage ein und zum Monatsbeginn, also alle 19 Tage versammeln, sich die Bahai zum sogenannten Neunzehntagefest, doch der Bahai-Gemeinde im Iran wird das verwehrt.

"Staatsfeinde"

Diane Alai, Sprecherin der Bahai bei den UN in Genf (Foto: DW)

Diane Alai vertritt bei den UN in Genf die Interessen der Bahai

Die Bahai-Religion ist erst im 19. Jahrhundert im Iran entstanden. Ihre Anhänger berufen sich zwar wie die Muslime auf den Propheten Mohammed, sehen die Offenbarungen Gottes aber als einen fortlaufenden Prozess an. In ihrem Glauben vereinen die Bahai Elemente aus den verschiedensten Religionen der Welt. Für die Ultrakonservativen im Iran gelten sie als vom Islam Abgefallene und Staatsfeinde.
 

Beobachter gehen davon aus, dass die Zahl der Verhaftungen noch höher ist als die bisher bekanntgewordenen. Diane Alai zufolge müssen die Bahai-Anhänger  im Iran zunehmend mit willkürlicher Verhaftung rechnen, es sei deutlich, dass das Regime die Bahai-Gemeinde systematisch zerstören wolle.